Hallo Helmut,
da haste dir aber mal Zeit genommen für die Mail.

Interessante Ansätze und in weiten Teilen bin ich auch Deiner Meinung. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass OOo gerade wegen der Ähnlichkeit zu MSO so viele Nutzer in der Vergangenheit angezogen hat. Man konnte ohne großes Umdenken erstmal losarbeiten. Es wäre nun aber an der Zeit - und dabei gebe ich Dir vollkommen recht - eigene Wege zu gehe. Je innovativer eine Software allerdings wird, desto größer ist das Risiko, Anwender, die meisten von Natur aus Gewohnheitstypen, zu verschrecken. Es ist also eine Gratwanderung und eine grundlegende Entscheidung: Verlässt OOo die ausgetrampelten Pfade von MSO und geht eigene Wege ohne sich immer wieder umzuschauen und an MSO zu orientieren ODER trottet man brav dem Trend entsprechend mit Ribbons und allem anderen Gedöhns hinterher? Ist die OOo-Gemeinde überhaupt in der Lage sich auf wirkliche Innovationen zu einigen? Oder ersticken diese in ständigen Kompromissen und alten Gewohnheiten?

Einige Deiner Aspekte zB. die Menüpunkte finde ich persönlich nicht so kritisch, denn wen interessiert schon, ob es ein Haartrockner oder ein Fön ist, entscheidend ist die Funktion. Nahezu jeder sagt Fön und meint den Haartrockner und dennoch weiß der Gegenüber immer was gemeint ist. "Format" hat sich halt etabliert und findet sich mittlerweile in nahezu allen Programmen die irgendwie etwas mit Formatierungen/Textgestaltungen o.ä. zu tun haben wieder. Von mir aus kann man "Format" auch ab OOo 4.x in "Text" o. ä. umbenennen, aber einen wirklichen Funktionsgewinn sehe ich darin nicht.

Du sprichst Ergonomie an. Ergonomie bedeutet für mich Einfachheit, Schnelligkeit gepaart zu großem Nutzen oder anders gesagt mit wenig Aufwand und intuitiven Handgriffen viel erreichen. Aber so unterschiedlich die Menschen nun mal sind, so unterschiedlich ist auch das subjektive eEmpfinden über Geschwindigkeit und intuitiv Arbeiten. Meine Frau hat auch eine andere Intuition als ich. ;-) Ich kenne genügend Leute die lieber mehrere einfache aber zeitintensivere Schritte am Computer machen, obwohl sie wissen, dass es auf einem bekannten anderen, kaum schwierigeren Weg schneller geht, nur weil sie entweder zu bequem sind umzudenken, es ihren Gewohnheiten nicht entspricht oder weil nach ihrem empfinden deutlich schwieriger und umständlicher ist den anderen Weg zu beschreiten oder, oder, oder.

Es ist also die Frage, welcher Anwender/ wleche Anwendergruppe bildet den Maßstab für die weitere Entwicklung eines Programms? Die Masse oder die Klasse? Oder "baut" man erst das Programm und sucht dann die Anwender dafür? Bei OOo ist es wahrscheinlich eher die Masse und die hält das für richtig und wichtig was sie gewöhnt ist und nicht das, was vielleicht richtig wäre. In diesem Zusammenhang entsprechen meine Wünsche an zukünftige OOo-Version auch eher den Deinen, aber mein Alltag lehrt mich leider immer wieder das Gegenteil, denn die meisten Anwender in meinem Umfeld sind froh drum, dass man mit dem _kostenlosen_ OOo nahezu genauso arbeiten kann wie mit dem kostenpflichtigen MSO, denn die Details in der Tiefe des Systems werden die meisten Otto-Normal-Anwender nie kennenlernen und wahrscheinlich auch nicht kennenlernen wollen. Was sich unter der Haube in einem Programm tut interessiert die Masse nicht, nur dass es schnell, leicht und sicher ans Ziel führt ohne komplexe Umlernprozesse bei neuen Programmversionen vollziehen zu müssen.

Gruß
Jens Kaiser
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