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Artikel:
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"Rhein ist einzig": Sperrung eine Katastrophe

Binnenschifffahrer hoffen auf baldige Freigabe

Von Kai Clement

Stau auf dem Rhein: Für die Binnenschifffahrt ist die Vollsperrung nach 
einem Unfall bei Köln "eine Katastrophe", so Jörg Rusche vom 
Bundesverband. Eine Umfahrung sei nicht möglich - und das bei 
durchschnittlich 200 Fahrzeugen täglich.

"Der Rhein ist einzig", sagt Jörg Rusche, einer der Geschäftsführer bei 
dem in Duisburg ansässigen Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt 
(BDB). Für Nordrhein-Westfalen stelle er nach der Straße und noch vor 
der Bahn den zweitwichtigsten Verkehrsweg da. Deshalb trifft die 
Vollsperrung nach der Havarie am Sonntag (25.03.07), bei der ein 
Frachter 31 Container verlor, besonders hart.

Im Jahresmittel passierten täglich 200 Fahrzeuge Köln, daher hoffe man 
auf eine möglichst rasche Freigabe dieser "wichtigsten europäischen 
Wasserstraße". Auch eine Teilfreigabe in abwechselnd nur eine Richtung 
würde den Binnenschifffahrern schon weiterhelfen. Bis dahin droht 
Platzmangel: Bereits bis Montagfrüh stauten sich rund 50 Fahrzeuge, bis 
mittags stieg die Zahl auf 100. Denkbar sei deshalb, dass die Schiffe in 
den Häfen bleiben müssten oder - wenn es das Wasser- und Schifffahrtsamt 
so entscheide - in bestimmte Bereiche nicht mehr einfahren dürften, 
erklärt Rusche.


"Mal Berg-, mal Talfahrt"

Markus Lehmacher vom Wasser- und Schifffahrtsamt Köln will am 
Montagmittag nicht mehr ausschließen, dass die Sperrung noch bis Freitag 
andauern könnte. Man müsse zuvor alle der 14 untergegangenen Container 
orten und sichern. Für ersteres sind drei mit Ultraschall arbeitende 
Peilschiffe im Einsatz, für letzteres habe der Versicherer des 
havarierten Schiffes Hebekräne angefordert. Natürlich wolle man den 
Rhein "schnellstmöglich" wieder öffnen, womöglich schon einspurig noch 
vor Freitag: "mal Berg-, mal Talfahrt". Die gestauten Schiffe könnten 
dann der Reihe nach passieren.

Clemens Lueg, bei der IHK Köln für Verkehr und Logistik zuständig, 
fürchtet, dass sich der Stau dann aber - beispielsweise an Liegeplätzen 
- fortsetzen wird, da eine große Zahl von Schiffen die Fahrt 
gleichzeitig wieder aufnimmt. Es könne ein bis zwei Wochen dauern, bevor 
wieder Normalbetrieb herrsche. Logistische Probleme für die Kunden 
erwartet Lueg vor allem bei Massenwaren wie Kohle für Kraftwerke.


Wohin mit der Fracht?

Links

* [Fotos: ] Link: 
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall06/koeln_frachtschiff_gekentert/_mo/fotos.jhtml
Container-Fracht blockiert Rhein

* [Video: ] Link: 
http://www.wdr.de/themen/_config_/mediabox/index.jhtml?url=/themen/panorama/unfall06/koeln_frachtschiff_gekentert/_mo/video_060325_aks.jhtml
Frachtschiff auf dem Rhein gekentert [Aktuelle Stunde]

* [Audio: ] Link: 
http://www.wdr.de/themen/_config_/mediabox/index.jhtml?url=/themen/panorama/unfall06/koeln_frachtschiff_gekentert/_mo/audio_070326_moma.jhtml
Rhein nach Unfall gesperrt [WDR2]

Die Binnenschifffahrt, sagt Rusche von BDB, liefere "so gut wie alles". 
Just in Time, das heißt die Fracht geht ohne nennenswerte 
Zwischenlagerung direkt in die Produktion oder den Verkauf. Deshalb 
müsse man jetzt mit den Auftraggebern verhandeln, ob man beispielsweise 
auf Lastwagen umlade. Besonders betroffen sind die selbstständigen 
Binnenschifffahrer - die so genannten Partikuliere mit ein bis drei 
Schiffen. Sie machen nach Einschätzung des Verbandes über 70 Prozent der 
Branche aus und müssten jetzt die vertraglichen Absprachen mit ihren 
Kunden prüfen. In jedem Fall stelle - gleichgültig ob man Kohle für 
Kraftwerke, Benzin für Tankstellen oder Autoteile für die Produktion 
transportiere - die Sperrung "die Lieferkette in Frage".

Zu dem Gesamtschaden kann Rusche sich noch nicht äußern, das wäre zum 
jetzigen Zeitpunkt "spekulativ". Außerdem sei es seit 20 Jahren der 
erste Containerunfall dieses Ausmaßes auf dem gesamten europäischen 
Wasserstraßennetz. Es gibt also praktisch keine Erfahrungen aus 
vergleichbaren Situationen. Rheinsperrungen kennt man sonst nur wegen 
Hochwassers. Die längste habe zwölf Tage gedauert - allerdings am 
Oberrhein und deshalb auch nicht vergleichbar.


Vom Kölner Norden Richtung Rotterdam ist die Strecke frei

Gelassen reagiert man bei den direkt am Rhein gelegenen Ford-Werken in 
Köln-Niehl. Sprecherin Beate Falk verweist darauf, dass das Unternehmen 
keine Einzelteile über den Rhein angeliefert bekomme. Etwa 500 fertige 
Fahrzeuge würden zwar täglich auf mindestens einem Schiff transportiert 
- aber Richtung Rotterdam. Diese Strecke ist von der Sperrung nicht 
betroffen. Richtung Südwesten ginge derzeit maximal ein Schiff pro Woche 
raus. Da warte man zunächst noch ab, ob eine Verladung auf Lkw notwendig 
sei.


Mehr zum Thema



* [WDR: ] Link: 
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall06/koeln_frachtschiff_gekentert/070326.jhtml?rubrikenstyle=panorama
Rhein wegen Containern weiter gesperrt
Frachtschiff drohte zu kentern und verlor Ladung (26.03.07)

* [WDR: ] Link: 
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall06/koeln_frachtschiff_gekentert/chronologie.jhtml?rubrikenstyle=panorama
Havarien auf dem Rhein
Chronologie von Schiffsunglücken auf dem Rhein (26.03.07)

* [WDR: ] Link: 
http://www.wdr.de/themen/wirtschaft/wirtschaftsbranche/duisburger_hafen/060718.jhtml?rubrikenstyle=panorama
Duisburg bleibt wichtigster Binnenhafen Deutschlands (18.07.06)

* [WWW: ] Link: http://www.wsa-koeln.wsv.de/
Wasser- und Schifffahrtsamt Köln
Homepage

Stand: 26.03.2007, 14:46 Uhr




Adresse:
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall06/koeln_frachtschiff_gekentert/070326_a.jhtml

(C) WDR 2007




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