Ich weiß nicht genau, was dieser Text werden soll. Wikipedias Antwort auf sein Leben (oder der neue Artikel?) - beides sollte er nicht. Ich habe keine Lust über den "jungen Menschen Lutz Heilmann" zu urteilen (auch das SED Terrorregime soll hier nicht erklärt werden, dafür gibts hoffentlich gute Artikel bei uns). Der Ton des unten anhängigen ist der des alten Mannes, der es sich leisten kann, über die Nöte junger Menschen nachzudenken. Das ist - patronising (mir fällt grad kein deutsches Wort ein).
Die öffentliche Antwort muß sich der Frage stellen, wer Artikel bei WP verantwortet - und wir müsse da einen Codex haben, wie wir bei problematischen Artikeln administrativ tätig werden. Da muß eine bestimmte Richtlinie bestehen, wie ein guter Personenartikel recherchiert und verfaßt ist, wie er Debatten um eine Person von deren nachgewiesener Vita trennt - und dann müssen wir bei Einsprüchen bereit sein, sicherzustellen, daß der Artikel dem Codex angepaßt wird. Die gute Lösung ist, daß nicht die de.wp abgeschaltet wird, aber eben ein solcher Artikel auf ein Format gebracht wird, das sich öffentlich vertreten läßt. Der gegenwärtige Artikel (der, den ich gestern las) tut's nicht. Das Problem sind dabei nicht die Fakten, sondern die Intention, die klar wird, wenn ein Faktum von vorne bis hinten den Artikel bestimmt, als ob er nur geschrieben wurde, um das publik zu machen. Gruß, Olaf Ziko van Dijk schrieb: > Dass das Verhalten von Lutz Heilmann sehr kritisch zu hinterfragen ist, > dürfte gerade unter Wikipedianern unstrittig sein. Die öffentliche > Unterstützung für unsere Freie Enzyklopädie tut uns allen sicherlich gut. Um > die Kritik aber auf eine gemäßigte Bahn zu bringen, hier ein Versuch, der > Person und dem Fall gerecht zu werden. > > Lutz Heilmann schloss sich als junger Mensch, mit zwanzig Jahren, der SED > an. Dies ist man nicht einfach so geworden, sondern man wurde von der Partei > eingeladen, und da die SED nicht jeden nahm, sondern auf Intelligenz und > Talent achtete, konnte Heilmann die Einladung als sehr schmeichelhaft > empfinden. Außerdem ist man als junger Mensch auf der Suche nach einem > Beruf, und anscheinend hat sich während seines Wehrdienstes - den in der DDR > fast jeder ableistete, da das Regime die Alternative Bausoldat sehr > unangenehm gestaltete - die Möglichkeit ergeben, eine Elite-Karriere beim > MfS zu beginnen. Das Regime ist für seine menschenverachtende Haltung und > seine Methoden bekannt, und der MfS-Personenschutz ist nicht mit einer > entsprechenden Aufgabe in einem Rechtsstaat zu vergleichen. Dennoch gilt für > Heilmann wie für jeden anderen die Unschuldsvermutung, solange die Forschung > oder die Staatsanwaltschaft nichts weiteres über seine damaligen Handlungen > findet. > > Berichten zufolge scheint Heilmann politisch voll hinter seiner Partei > gestanden zu haben; es muss offen bleiben, inwieweit hier und später in > seinem Leben Opportunismus eine Rolle gespielt hat. Jedenfalls wurde seine > Arbeit beim MfS erst mit der Auflösung dieses Terrorapparates beendet, und > erst 1992 trat er aus der in PDS umbenannten SED aus. 2001 trat er wieder > ein, sein Leben in der DDR scheint also nicht so unangenehm gewesen zu sein, > um ihn davon abzuhalten. > > Es ist selbstverständlich, dass ein Mensch nicht gern von sich aus etwas > preisgibt, das von vielen anderen Menschen als verwerflich angesehen wird. > Wie ehemalige Nationalsozialisten und NS-Verbrecher haben auch Täter der > SED-Diktatur gewisse Stellen ihrer Biografie zu verheimlichen versucht. Zu > kritisieren ist es vor allem, wenn sie dabei nicht bei der Wahrheit bleiben, > so wie Heilmann, der seine Tätigkeit als Berufssoldat nachträglich als > verlängerten Wehrdienst darstellte und behauptete, er habe schon im Oktober > 1989 um seine Entlassung ersucht. Nachdem er 2005 in den Bundestag > eingezogen war, wurde ihm zurecht vorgeworfen, seine sensible Vergangenheit > nur einem sehr kleinen Kreis mitgeteilt zu haben. > > Aus den Presseberichten kristallisiert sich heraus, dass Heilmann eine > irgendwie geartete Beziehung zu einem anderen Menschen hatte; er selbst > meint, sie sei so kurz gewesen, dass sie nicht als Beziehung zu bewerten > sei. Im Streit verlaufende Beziehungen sind für jeden Menschen unangenehm, > vielleicht gibt es bei (bekennenden) Homosexuellen wie Heilmann eine > zusätzliche Komponente, der öffentlichen Meinung wegen. Hier gelten bei der > Berichterstattung die Bestimmungen zum Persönlichkeitsrecht, wenngleich, bei > Prominenten, nicht so strikt wie bei Normalbürgern. > > Der Wikipedia-Artikel ist etwa seit Oktober 2008 ein wenig umkämpft gewesen. > Eine genauere Untersuchung müsste ergeben, ob unwahre oder unbelegte > Behauptungen gemacht worden sind. Ob ein Wikipedianer das wiedergegeben hat, > was er in der Presse gelesen hat, oder ob er spekuliert hat. Im letzteren > Fall ist zu fragen, ob ein Wikipedianer das böswillig gemacht hat - wenn > Heilmann trotz seiner SED-Vergangenheit der Meinung ist, er sei moralisch > geeignet für den Bundestag, dann sollte er auch bei Wikipedianern nur die > besten Absichten vermuten. > > Heilmannns Vorgehen gegen die Wikimedia Deutschland ist sicher in jeder > Hinsicht zu kritisieren. Er hätte auf das Wiki-Prinzip der Selbstreinigung > und Neutralität vertrauen und Behauptungen in der Versionsgeschichte > ignorieren können. Er hätte mit Wikipedianern (den Autoren) Kontakt > aufnehmen können. Er hätte mit dem Verein länger reden müssen. Er hätte sich > über das Gefüge in der Wikimedia-Welt besser informieren müssen. Die > Einstweilige Verfügung war unverhältnismäßig, und man wundert sich, warum > die Richterin dem Antrag stattgegeben hat. Heilmanns spätere Erklärungen > lassen keine wirkliche Einsicht in diese Fehler erkennen. > > Manche Kritik an Heilmann ihrerseits war jedoch überzogen, auch bei einigen > kommentierenden Spendern, über deren finanzielle und moralische > Unterstützung wir uns natürlich sehr freuen. Heilmanns Unmut über die > Wikipedia gab und gibt es auch bei vielen anderen Prominenten, nicht nur > ehemaligen SED-Mitgliedern. Es wäre falsch, ihm "Stasi-Methoden" > vorzuwerfen, der Schutz des Rechtstaats gilt auch für jemanden, zu dessen > Vergangenheit der Schutz eines Unrechtsstaats gehört hat. > > Der Verein ist wesentlich glimpflicher aus der Sache gekommen als Heilmann, > dessen politische Karriere spätestens jetzt zerstört sein dürfte.Wir haben > aber keinen Grund zum allzu fröhlichen Triumphgefühl, denn nicht nur > Heilmanns Biografie wurde verstärkt diskutiert, sondern auch das offene > Wikiprinzip. Die Gesichteten Versionen waren jedenfalls ein Schritt in eine > richtige Richtung, gerade um uns die Offenheit langfristig bewahren zu > können. > > Ziko > -- Dr. Olaf Simons English Literature University of Oldenburg 26111 Oldenburg +49-441-798-2345 Tannenkampstr. 12 26131 Oldenburg +49-441-2333417 _______________________________________________ VereinDE-l mailing list [email protected] https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/vereinde-l
