Liebe Listenteilnehmende,

hier eine interessanter Hinweis aus der Liste InetBib, der zu Kommentaren 
anregt.

Mit freundlichen Gruessen,
With kind regards,
Sincères salutations,
Con saludos cordiales,

H. Peter OHLY
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http://www.isko.org/people.html
Fax: 0049 - 3212 - 1402705


> Gesendet: Samstag, 12. Oktober 2013 um 13:14 Uhr
> Von: h0228kdm <[email protected]>
> An: "Internet in Bibliotheken" <[email protected]>
> Betreff: [InetBib] „Was sind eigentlich Daten?“
>
> Jakob Voss hat in LIBREAS http://libreas.eu/ausgabe23/02voss/ einen, wie 
> ich meine interessanten Beitrag zur Frage „Was sind eigentlich Daten?“ 
> geschrieben, der aufzeigt, wie chaotisch man in diesem Bereich mit 
> fundamentalen Begriffen wie Information oder Daten umgeht.
> 
> Seit dem das Internet mit immer mehr Daten von Laien zugeschüttet wird, 
> ist es nicht verwunderlich, dass wir dort fast jeden Unsinn finden 
> können, den sich Menschen (insbesondere unter Pseudonymen) ausdenken und 
> ins Netz bringen. Hier jede Nachricht auf Evidenz zu prüfen ist nicht 
> immer einfach. Darum finden wir in den letzten Jahrzehnten immer 
> häufiger unsinnige Definitionen für Begriffe wie Daten, Information, 
> Wissen etc. Dazu kommt, dass mit einer wachsenden Wissenschaft und einer 
> zunehmenden Spezialisierung der Wissenschaftler immer mehr Spezialisten 
> auf einem Gebiet, die Laien auf vielen anderen Gebieten sind.
> 
> Obwohl es also legitim und wichtig ist, bei der Frage „Was sind 
> eigentlich Daten?“ dies reviewartig zu hinterfragen, zeigt J. Voß, dass 
> man bei den verschiedenen Autoren, immer wieder prüfen muss, was sie nun 
> gerade gemeint haben. Was allerdings schwierig wird, wen die Autoren 
> soelbst nur sehr diffuse Vorstellungen entwickeln. Andererseits ist es 
> schon bedenklich, wenn R. L. Gray in seinem Rückblick auf die 
> Entwicklung der Begriffe Daten und Information, die eindeutig wichtigste 
> Quelle (Shannon und Weaver 1949) ignoriert. Denn das wurde im zweiten 
> Weltkrieg bei der Chiffrierung und Dechiffrierung von Nachrichten rasch 
> klar, dass jede Nachricht aus grundsätzlich drei Grundelementen besteht, 
> der Information, dem Rauschen und der Redundanz. Das Wort Nachricht war 
> damit der Oberbegriff dieser drei Unterbegriffe. Auch die Erkenntnis, 
> dass man jede Nachricht grundsätzlich in binary digits zerlegen und 
> damit in Bits messen kann, fand rasch Eingang in die ersten Computer, 
> bei denen man aber weniger von Nachrichtenverarbeitung als vielmehr von 
> Datenverarbeitung sprach. Damit konnte man Daten sammeln, speichern, 
> verarbeiten, verschicken etc. Der Begriff Daten war also nach dem 
> Weltkrieg, als diese Erkenntnisse nichtmehr geheim waren, eindeutig der 
> Oberbegriff von Information, Rauschen und Redundanz, insbesondere in 
> digitaler Form. Da aber alle Nachrichten, wie Zahlen, Texte, Bilder, 
> Töne oder Metadaten digitalisierbar sind, wurde der Begriff Daten damit 
> sozusagen zum Top Term.
> 
> Die Fundamentale Erkenntnis von Shannon, der auf der Ebene der 
> Informationstheorie „Aspekte der Bedeutung explizit ausklammert“ wie 
> Voss richtig schreibt, war gerade bei der anfänglichen Computerisierung 
> bemerkenswert, weil man die Daten ohne jede Semiotik (die Wissenschaft 
> von der Bedeutung von Zeichen) verarbeiten konnte. Dieser nächste 
> Schritt, der Bedeutungsverarbeitung, und darauf aufsetzend der 
> Wissensverarbeitung, ist erst eine Entwicklung unserer heutigen Zeit. 
> Die Aussage W. Weavers, „information cannot be confused with meaning“ 
> darf nicht als Nachteil der Informationstheorie verstanden werden, 
> sondern zeigt eine tiefere Erkenntnis über die Tatsache, dass 
> Information nicht mit Interpretation verwechselt werden darf. 
> Interpretation ist erst Gegenstand der sogenannten Pragmatik in der 
> Semiotik. Auch die Semiotk hat drei Unterbegriffe, die Semantik 
> (Zuordnung von Zeichen zu Gegenständen auf der Senderseite), die Syntax 
> (Zuordnung der Zeichen zueinander), und die Pragmatik (Rekonstruktion 
> der Zeichen zu ihren Gegenständen auf der Empfängerseite). Das hat seine 
> Entsprechung zu Shannons Kommunikationsmodell mit Sender, 
> Übertragungskanal und Empfänger, aber auf der nächst höheren 
> (semiotischen) Ebene. Während auf der Wissensebene noch die Begründung 
> einer Information hinzu kommt. Sie ist eine a priori Redundanz, weil wir 
> beim Wissen als Empfänger auch Informationen vorhersagen können, soweit 
> sie sich aus dem zuvor gesendeten logisch oder erfahrungsgemäß ableiten 
> lassen.
> 
> MfG
> Walther Umstätter
> 
> -- 
> http://www.inetbib.de

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