der Einfachheit halber hier als Kopie meine Replik, die ich in die liste 
InetBib gesendet habe.

Mit freundlichen Gruessen,
With kind regards,
Sincères salutations,
Con saludos cordiales,

H. Peter OHLY
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http://www.isko.org/people.html
Fax: 0049 - 3212 - 1402705


> Gesendet: Samstag, 12. Oktober 2013 um 16:06 Uhr
> Von: "Peter Ohly" <[email protected]>
> An: "Internet in Bibliotheken" <[email protected]>
> Betreff: Re: [InetBib] „Was sind eigentlich Daten?“
>
> Lieber Herr Umstätter,
> zunächst vielen Dank für den Hinweis auf die interessante Darstellung von
> Jakob Voß, worin Ballsun-Stantons Punkt der “data as communications” wohl
> für die Informationswissenschaft am treffendsten zu sein scheint. Ansonsten
> kann nur beigepflichtet werden, dass das jeweilige Verständnis in unserer
> multidisziplinären Welt ggf. erst eruiert werden muss.
> Leider gibt es keinen Bezug zu Wersig oder Kuhlen, die Information als
> etwas mehr als Daten ansehen, nämlich als interpretierbare,
> handlungsrelevante Daten. Auch Sie führen leider den Informationsbegriff
> nur auf Shannon-Weaver zurück, wo es sich in der Tat nur um formale Bits
> handelt. Hier könnte man vielleicht sagen, dass diese schon den Begriff
> ‚Information‘ vielleicht irreführend verwendet haben. Selbst der Begriff
> ‚Nachricht‘ setzt eigentlich eine Interpretationsfähigkeit dieser voraus,
> denn sie ist ja an einen (als verstehend vorausgesetzten) Empfänger
> gerichtet. Gravierender ist meines Erachtens die Abgrenzung gegenüber
> ‚Wissen‘. Dies sollte mehr als ‚Information‘ sein: umfangmäßig, in der
> wissenschaftlichen Absicherung, in der kausalen Vernetzung. Hier liegt
> derzeit wohl die größte Problematik, dass ständig von ‚Wissen‘ gesprochen
> wird, obwohl nur ‚Information‘ geliefert, verarbeitet etc. wird – von
> Erkenntnis ganz zu schweigen, die zusätzlich eine transzendentale Qualität
> aufweist.
> 
> 
> Am 12. Oktober 2013 13:14 schrieb h0228kdm <[email protected]>:
> 
> > Jakob Voss hat in LIBREAS 
> > http://libreas.eu/ausgabe23/**02voss/<http://libreas.eu/ausgabe23/02voss/>einen,
> >  wie ich meine interessanten Beitrag zur Frage „Was sind eigentlich
> > Daten?“ geschrieben, der aufzeigt, wie chaotisch man in diesem Bereich mit
> > fundamentalen Begriffen wie Information oder Daten umgeht.
> >
> > Seit dem das Internet mit immer mehr Daten von Laien zugeschüttet wird,
> > ist es nicht verwunderlich, dass wir dort fast jeden Unsinn finden können,
> > den sich Menschen (insbesondere unter Pseudonymen) ausdenken und ins Netz
> > bringen. Hier jede Nachricht auf Evidenz zu prüfen ist nicht immer einfach.
> > Darum finden wir in den letzten Jahrzehnten immer häufiger unsinnige
> > Definitionen für Begriffe wie Daten, Information, Wissen etc. Dazu kommt,
> > dass mit einer wachsenden Wissenschaft und einer zunehmenden
> > Spezialisierung der Wissenschaftler immer mehr Spezialisten auf einem
> > Gebiet, die Laien auf vielen anderen Gebieten sind.
> >
> > Obwohl es also legitim und wichtig ist, bei der Frage „Was sind eigentlich
> > Daten?“ dies reviewartig zu hinterfragen, zeigt J. Voß, dass man bei den
> > verschiedenen Autoren, immer wieder prüfen muss, was sie nun gerade gemeint
> > haben. Was allerdings schwierig wird, wen die Autoren soelbst nur sehr
> > diffuse Vorstellungen entwickeln. Andererseits ist es schon bedenklich,
> > wenn R. L. Gray in seinem Rückblick auf die Entwicklung der Begriffe Daten
> > und Information, die eindeutig wichtigste Quelle (Shannon und Weaver 1949)
> > ignoriert. Denn das wurde im zweiten Weltkrieg bei der Chiffrierung und
> > Dechiffrierung von Nachrichten rasch klar, dass jede Nachricht aus
> > grundsätzlich drei Grundelementen besteht, der Information, dem Rauschen
> > und der Redundanz. Das Wort Nachricht war damit der Oberbegriff dieser drei
> > Unterbegriffe. Auch die Erkenntnis, dass man jede Nachricht grundsätzlich
> > in binary digits zerlegen und damit in Bits messen kann, fand rasch Eingang
> > in die ersten Computer, bei denen man aber weniger von
> > Nachrichtenverarbeitung als vielmehr von Datenverarbeitung sprach. Damit
> > konnte man Daten sammeln, speichern, verarbeiten, verschicken etc. Der
> > Begriff Daten war also nach dem Weltkrieg, als diese Erkenntnisse nichtmehr
> > geheim waren, eindeutig der Oberbegriff von Information, Rauschen und
> > Redundanz, insbesondere in digitaler Form. Da aber alle Nachrichten, wie
> > Zahlen, Texte, Bilder, Töne oder Metadaten digitalisierbar sind, wurde der
> > Begriff Daten damit sozusagen zum Top Term.
> >
> > Die Fundamentale Erkenntnis von Shannon, der auf der Ebene der
> > Informationstheorie „Aspekte der Bedeutung explizit ausklammert“ wie Voss
> > richtig schreibt, war gerade bei der anfänglichen Computerisierung
> > bemerkenswert, weil man die Daten ohne jede Semiotik (die Wissenschaft von
> > der Bedeutung von Zeichen) verarbeiten konnte. Dieser nächste Schritt, der
> > Bedeutungsverarbeitung, und darauf aufsetzend der Wissensverarbeitung, ist
> > erst eine Entwicklung unserer heutigen Zeit. Die Aussage W. Weavers,
> > „information cannot be confused with meaning“ darf nicht als Nachteil der
> > Informationstheorie verstanden werden, sondern zeigt eine tiefere
> > Erkenntnis über die Tatsache, dass Information nicht mit Interpretation
> > verwechselt werden darf. Interpretation ist erst Gegenstand der sogenannten
> > Pragmatik in der Semiotik. Auch die Semiotk hat drei Unterbegriffe, die
> > Semantik (Zuordnung von Zeichen zu Gegenständen auf der Senderseite), die
> > Syntax (Zuordnung der Zeichen zueinander), und die Pragmatik
> > (Rekonstruktion der Zeichen zu ihren Gegenständen auf der Empfängerseite).
> > Das hat seine Entsprechung zu Shannons Kommunikationsmodell mit Sender,
> > Übertragungskanal und Empfänger, aber auf der nächst höheren (semiotischen)
> > Ebene. Während auf der Wissensebene noch die Begründung einer Information
> > hinzu kommt. Sie ist eine a priori Redundanz, weil wir beim Wissen als
> > Empfänger auch Informationen vorhersagen können, soweit sie sich aus dem
> > zuvor gesendeten logisch oder erfahrungsgemäß ableiten lassen.
> >
> > MfG
> > Walther Umstätter
> >
> > --
> > http://www.inetbib.de
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