Liebe Freunde,
hier die deutsche Version meiner ersten allgemeinen Antwort.
mit lieben gruessen, willi
Quetzaltenango, Guatemala


Liebe Freunde,

ich bin euch sehr dankbar für die konstruktiven Reaktionen. Vor allem die kritischen Fragen sind wichtig. Sie zwingen uns, unser Denken zu ordnen und unsere Ansichten zu begründen.

In dieser Antwort will ich mich nur mit den philosophischen Grundlagen für meinen Vorschlag beschäftigen. Einige Antworten sind aus einer anderen Orientierung entstanden. In einer zweiten Antwort will ich einige technische Aspekte behandeln, die allgemeiner Natur sind. Spezielle Kritiken und Fragen will ich speziell beantworten, soweit ich dazu in der Lage bin.

Der Hintergrund

Wir können 2 extremale Pole unterscheiden.
a) wir unterstützen den Wunsch nach freier Kommunikation aller Menschen.
b) wir benutzen das Bedürfnis nach Kommunikation, um unsere eigenen Interessen zu realisieren.

Zu a) stehe ich und viele Mitglieder dieser Liste.

Zu b) stehen all jene, für die die aktüllen Strukturen und Organisationen wichtig sind. Sei es, um sich ihren Job zu erhalten oder, um ihren Lebensunterhalt in anderer Form damit zu sichern. Aber es geht auch darum, Governance zu organisieren und alles zu versuchen, dass die Menschen in den Regionen sich nicht selbständig organisieren können. Und damit auch nicht in der lage sind, ihr Kommunikationssystem selbst zu gestalten. Als Teil der vielen Akteure weltweit.

Wie in allen Fragen konstruktiver Gestaltung fliessen auch in unsere Prinzipien zum Entwirf von Kommunikationssystemen unsere philosophischen Orientierungen mit ein und bestimmen letztlich unsere Methoden. Wir haben es immer mit Beschränkungen in den technischen Möglichkeiten zu tun. Aber aus dem Widerspruch zwischen Ziel und Zustand entstehen die Triebkräfte.

Dies gilt auch für jene, für die die Bedürfnisse zur Kommunikation nur ein Aufhänger sind für ihre geldorientierten Aktionen.

Generell formuliere ich folgende Entwicklungsprinzipien:
a) massiv dezentral
b) massiv parallel
c) massiv redundant

Daraus folgt direkt, dass unser weltweites Kommunikationssystem auf selbständigen lokalen Netzwerken ruht. Es folgt auch, dass die Menschen in den Regionen sich parallel mit der Entwicklung der technischen Instrumente beschäftigen, die sie für ihre Kommunikatiossysteme benötigen. Und es folgt auch, dass die Kapazitäten weit über dem maximalen Bedarf liegen sollten.

Die heutigen Beschränkungen liegen primär in der Monopolisierung des Wissens und einer gezielten Konzentration technischer Infrastrukturen. Aber diese Beschränkungen haben keine innere Legitimität. Sie sind Ergebnis konstruktiver Gestaltung.

Wo die Grenzen liegen für dezentrale und parallele Entwicklung der notwendigen technischen Komponenten, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass die Vielfalt eine wesentliche Vorraussetzung für eine starke Entwicklung ist.

Wir werden zwangsläufig mit der privaten Aneignung des menschlichen Wissens konfrontiert. Das ist aber für mich kein Problem, weil für mich Wissen immer Welterbe ist. Damit entfallen alle Legitimationen für Rechtssysteme zu den Patenten und Lizenzen. Dies, weil grundsätzlich unser individülles Wissen auf dem Wissen unserer Vorfahren und Zeitgenossen ruht.

Weil nicht die Bedurfnisse der Menschen zur freien Kommunikation die Grundlage sind in der technischen Entwicklung der Komponenten für Kommunikationssysteme, sondern die Interessen zur Kapitalverwertung, entstehen auch keine vernünftigen technischen Systeme. Deshalb können wir den heutigen Stand der Technik niemals zur Grundlage unserer Diskussion machen.

Kommunikation ist immer bidirektional. Daraus folgt auch, dass wir in unserer technischen Begrifflichkeit Client und Server als eine Einheit betrachten. In unserer direkten sprachlichen Kommunikation machen wir dies auch. Technisch betrachtet ist das kein Problem.

Wenn wir unsere Verbindungswege zum Datentransport wie die öffentlichen Strassen behandeln, die jeder nutzen kann, dann sehen wir sofort die massiven Einschränkungen. Auch hier gibt es keine technische Begründung. Immer haben die Menschen in den lokalen Regionen ihre Wege und Pfade Gästen zur Verfügung gestellt.

Kommunikation findet primär lokal und regional statt. In Familien, zwischen Freunde und Kollegen. Deshalb ist es natürlich, auch unsere technischen Kommunikationssysteme lokal und regional zu organisieren. Damit entfallen ein Grossteil der sinnlosen Datentransporte.

Ich will es kurz zusammenfassen. Wir orientieren uns an dem Bedarf. Wir dezentralisieren und parallelisieren unsere Aktivitäten zur Herstellung der Komponenten für unsere weltweiten Kommunikationssystems. Wir kooperieren weltweit. Wir helfen uns gegenseitig weltweit. Wir können dies tun, weil wir weltweit die gleichen Bedürfnisse nach einer freien Kommunikation haben.

Viele Gruesse in Solidaritaet, willi uebelherr
Quetzaltenango, Guatemala

_______________________________________________
WLANtalk mailing list
[email protected]
Abonnement abbestellen? -> 
http://lists.freifunk.net/mailman/listinfo/wlantalk-freifunk.net

Weitere Infos zu den freifunk.net Mailinglisten und zur An- und Abmeldung unter 
http://freifunk.net/mailinglisten

Antwort per Email an