Hallo zusammen,

am Freitag, den 9.2.07 hatte ich erneut die Gelegenheit, bei Sun in
Hamburg vorbeizuschauen. Wie bereits die letzten beiden Besuche vorher
war, auch dieser für mich sehr hilfreich und informativ. Vieles lässt
sich direkt in einem persönlichen Gespräch viel besser und schneller
besprechen als es über die Online-Kommunikation ginge. Auch wenn ich
sicher nicht die kompletten Gespräche wiedergeben kann, möchte ich doch
das (aus meiner Sicht) Wichtigste für euch zusammenfassen. Vielen Dank
an Rafaella, Berit, Joost, Stefan und Chris, die sich für mich Zeit
genommen haben!

## Lokalisierung / Übersetzung ##

Am Vormittag habe ich zusammen mit Berit Bonde und Rafaella Braconi über
Themen sprechen können, die die de-Lokalisierung betreffen. Insbesondere
wollten wir die beiden vergangenen Durchgänge der
Community-Hilfe-Übersetzung Revue passieren lassen. Wir besprachen die
aufgetretenen Hindernisse und Schwierigkeiten und wie wir die Arbeit für
zukünftige Runden einfacher gestalten können.

Viele unserer Schwierigkeiten lagen sicher in nicht ausreichender
Kommunikation und unserer fehlenden Erfahrung mit den Tools und dem
tatsächlichen Arbeitsprozess (was passiert mit den Dateien nach unserer
Übersetzung, wie werden sie ins Programm integriert, wer macht wann den
Review, wie und wann gelangen die Korrekturen in die Hilfe, etc.). Schon
seit der ersten Übersetzungsrunde wollte ich die kleine Wiki-Seite
erweitern und dort an zentraler Stelle alle wichtigen Infos sammeln, um
so auch späteren Mithelfern den Einstieg zu erleichtern. Ich möchte
gerne alle wichtigen Links (zum Glossar, etc.) zusammentragen und auch
eine FAQ beginnen. Rafaella will diese Idee auch für die anderen
Communities aufgreifen und eine Wiki-Seite ins Leben rufen, auf der alle
NL-Communities ihre Erfahrungen sammeln können. Insbesondere die
Holländer und Italiener haben in der letzten Zeit viel zu den
Übersetzungen beigetragen, so dass das sicher eine große Hilfe für uns
alle sein wird. Wie es andere NL-Communities schon vormachen, könnte
langfristig das Ziel sein, dass wir die regelmäßigen Übersetzungsrunden
komplett übernehmen (derzeit umfasst der übliche Umfang bei einem Update
ca. 5000-7000 Wörter).

Viele Kleinigkeiten haben wir noch besprochen, wie man z.B. für die
zukünftigen Übersetzungen das TM (Translation Memory) zur Verfügung
stellen kann. (Manche Dinge sind viel einfacher, als ich dachte: Der
Reviewer, der als letztes alle Übersetzungen nochmal durchgeht, kann aus
den übersetzten Texten einfach ein komplettes TM erstellen. Dort ist
dann alles drin, was man für die nächste Runde braucht).

Zudem haben wir darüber geredet, dass deutsch in Zukunft nicht mehr
Source-Sprache sein wird und dann genauso wie alle anderen
Übersetzungssprachen gehandhabt wird. Von großem Vorteil wird sein, dass
Übersetzungsissues deutlich schneller bearbeitet werden können und wir
(langfristig) selbst solche Änderungen durchführen können.

Konkret bedeutet das für uns schon eine Änderung: Übersetzungsfehler im
UI sollen im Issue-Tracker nicht mehr in der jeweiligen Modul-Komponente
aufgegeben werden, sondern unter l10n – UI. Issues, die für [DE] bereits
aufgegeben wurden, aber noch nicht gefixt sind, sollten wir beizeiten
auf l10n umschreiben. Wenn es soweit ist, werde ich dazu noch einen
entsprechenden Aufruf starten. Ich habe derzeit keinen genauen Überblick
darüber, wie viele Issues dieser Art noch offen sind und ob das ein
größerer „Akt“ wird.

Bereits im letzten Jahr haben wir uns als Aufgabe einen „UI-Review“
vorgenommen, wegen vieler anderer Projekte bisher aber noch nicht die
Zeit gefunden. Ist der Umbau im Programm erfolgt, dass deutsch nicht
mehr Source- sondern Übersetzungssprache ist, können wir gezielt die UI
nach Schreibfehlern / falschen Begriffen etc. durchkämmen, die
Änderungen direkt in den sdf-files vornehmen, damit diese dann
integriert werden können.

Für diese Aufgabe werden wir einen sogenannten keyid-build bekommen,
damit wir die jeweiligen zu korrigierenden Stellen auch leicht in den
sdf-files finden. Kombiniert mit der Möglichkeit, mit Hilfe des
testtools automatisch Screenshots zu erstellen, sollte das dann eine
überschaubare Aufgabe sein. Idealerweise steht dieser besondere Build
bereits zum nächsten QA-Wochenende zur Verfügung, vielleicht können wir
dann mit solchen Arbeiten schon beginnen oder zumindest die
Vorbereitungen dafür treffen (zum QA-Wochenende gibt es bald weitere Infos).

## QA ##

Nach dem Mittagessen sprach ich mit Joost Andrae, Stefan Baltzer und
Chris Lukasiak. In diesem Gespräch sollte es von meiner Seite zunächst
um das nächste geplante QA-Wochenende gehen, das wieder im LinuxHotel
stattfinden soll (wahrscheinlich Anfang Mai). Mir ging es vor allem
darum, ob wieder jemand von SUN dabei sein kann und welche Themen dort
angegangen werden können. Aufgrund des wirklich produktiven letzten
Treffens wird Sun die Veranstaltung auch wieder mitgestalten. Ich freue
mich sehr, dass Stefan und Joost auch dieses Jahr wieder dabei sein
wollen und vielleicht noch weitere aus dem Sun-Team mitkommen. Genaueres
zum QA-Wochenende (wann, wer, was und vor allem warum :-) ) werde ich in
den nächsten Tagen zusammenstellen, sobald ich genauere Infos habe.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs ging es um ein Anliegen, das
insbesondere Chris und Stefan auf ihrem Programm haben und dazu ein
erstes Feedback aus der Community hören wollten. Generell wird von Sun
angestrebt, die Community noch stärker in die eigentlichen QA-Arbeiten
einzubinden. Während zum Beispiel bei Issues aufgeben die Community
bereits einen enormen Anteil von derzeit ca. 86 % hat, liegt in anderen
Bereichen der Hauptanteil nach wie vor bei Sun. Langfristig wird
angestrebt, dass sich zum Beispiel auch beim CWS-Testen oder beim
Verifizieren von gefixten Issues im Master mehr Community-Mitglieder
einbringen.

In einem ersten Schritt wird derzeit an einer Neuausrichtung der
QA-Webseiten gearbeitet. Bei den Überlegungen, wie die Seiten sinnvoll
aufgebaut werden sollen, will man sich auch an den gewachsenen
Strukturen der de-Community orientieren und diese sozusagen exemplarisch
betrachten. Insbesondere steht die Idee im Raum, QA-Teams zu bilden, die
den einzelnen Modulen bzw. speziellen Bereichen zugeordnet werden.
Sun-intern wird das bereits so gehandhabt und ich kann auch von der
de-Community sagen, dass wir das intuitiv so machen. Da man sich bei
einem so komplexen Programm nicht mit allem befassen kann, sucht sich
jeder den Teil heraus, der ihm am besten liegt bzw. mit dem er am
meisten zu tun hat (ich spreche da aus eigener Erfahrung, ich kümmere
mich auch am liebsten um Writer- oder Impress-relevante Dinge und weiß
zum Beispiel, dass ich beim Überprüfen von Base-Issues am besten mal bei
Mechtilde nachfrage :-) ).

Die Webseiten sollen solche Strukturen auch nach außen hin transparent
machen, so dass man leichter einen passenden Ansprechpartner findet und
dass die entsprechenden Aufgaben effizienter erledigt werden können.

An dieser Stelle möchte ich erstmal ein Kompliment an euch weitergeben,
das ich von den dreien im Gespräch aufgeschnappt habe: Die de-Community
macht hervorragende QA-Arbeit, was sich auch international
herumgesprochen hat. Wir haben in den letzten Jahren enormes Know-How
aufgebaut und haben nicht nur vereinzelt Community-Mitglieder, die sehr
regelmäßig, konsequent und auf hohem Niveau im Bereich QA mitarbeiten.
Ich gebe aber das Kompliment auch gerne an Sun zurück: Der Aufbau dieses
Wissens war und ist insbesondere deswegen möglich, weil wir von Sun
entsprechend unterstützt werden, sei es durch die Teilnahme an unseren
QA-Veranstaltungen oder dadurch, dass sich immer mehr von den Sunies auf
auf den Mailinglisten einbringen und dort mit Rat und Tat zur Seite
stehen. Diese Mithilfe wird deutlich wahrgenommen und sehr geschätzt
(auch wenn so manche Mailinglisten-Reaktion manchmal etwas anderes
vermuten lässt).

Zwei Aspekte fand ich an diesem Gespräch noch sehr interessant. Zum
einen wurde während des Gesprächs sehr deutlich, dass Qualitätssicherung
sicher nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern dass viele andere
Bereiche direkten Einfluss auf die QA-Arbeit haben. So halte ich es zum
Beispiel für sehr sinnvoll, die Community bereits während der Definition
der Spezifikationen einzubinden. Damit kann man auf die mE immens
wichtige Praxis-Erfahrung der Leute bauen und spätere Probleme bereits
im Vorhinein verringern – die üblicherweise in Form von Defects oder
Enhancements später auch wieder erstmal am QA-Team hängen bleiben. Wenn
man also später eine Teambildung nach Modulen mit entsprechend
zugeordneten Community-Mitgliedern hat – wäre es doch nicht schlecht,
wenn zu jedem „i-Team“ auch ein Community-Mitglied gehören soll.

Auch die Arbeit mit dem Issue-Tracker, in dem ja eigentlich alles
zusammenläuft wird direkt mit dem QA-Team und den als erstes zuständigen
Leuten in Verbindung gebracht. Hier gilt es, auch mal gesammelt die
„Karteileichen“ bzw. größere zusammenhängende Blöcke zu bearbeiten, die
im Einzelnen vielleicht nicht so relevant sind, die aber trotzdem
angegangen werden müssen.

Und damit komme ich auf einen weiteren interessanten Aspekt, den wir
besprochen haben. Nämlich ging es um die Frage, wie man die Community
für bestimmte Aufgaben motivieren kann, die vielleicht nicht so
„spannend“ sind. Ich konnte ein bisschen über meine Erfahrungen aus dem
de-Projekt erzählen. Es ist eben was anderes, ob man beruflich mit einer
Aufgabe befasst ist oder das in seiner Freizeit tut. Das ist auch
relevant, ob ich als Freiwilliger mich einer Verantwortung überhaupt
stellen kann (nicht nur inhaltlich sondern auch zeitlich – die meisten
von uns wissen nicht, ob sie auch in einem halben oder in einem Jahr
noch genauso viel Zeit haben, bei OOo mitzuarbeiten). Insofern ist es mE
immer wichtig, überschaubare Aufgaben zu definieren, die keine
langfristige Bindung mit sich bringen.

So kamen wir auf die Idee, vielleicht jedes Release unter ein „Motto“ zu
stellen, wo eines dieser Themen aufgegriffen und so aufbereitet wird,
dass es zusammen mit der Community auch bearbeitet werden kann. Wenn man
kleine überschaubare „Päckchen schnürt“, ist es viel leichter die
entsprechenden Mithelfer zu finden, da sie für die konkret anstehende
Aufgabe entscheiden können, ob sie -jetzt- Zeit und Lust haben. Kaum
jemand von uns kann und will langfristige Verpflichtungen eingehen.

In den kommenden Wochen soll die geplante Umstrukturierung der QA-Seiten
Formen annehmen, dann werden die Infos sicher nochmal in aufbereiteter
Form weitergegeben und diskutiert. Auch am QA-Wochenende wünschen sich
die Sunies von uns ein entsprechendes Feedback.

So, das war es erstmal von mir (war ja auch lang genug :-) ),

Jacqueline

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