Hallo Leute,
eigentlich wollte ich mich ja mit dem Thema Marketing-HP zurückmelden,
konnte mich da aber aufgrund zwischengeschobener Aufträge noch nicht
intensiv mit auseinandersetzen. Sorry. Werde ich in kurzer Zeit nachholen.
Den Thread hier habe ich aber so zwischendurch immer mal wieder
verfolgen können und gebe jetzt einfach mal meinen "Senf" dazu -
allerdings bitte berücksichtigen, dass ich erst seit rund drei Monaten
hier mitlese.
Also zunächst mal wurde mir beim Lesen aller Posts eines klar: Es fehlt
scheinbar tatsächlich ein Konzept (@Florian und Andre: Bitte erst
weiterlesen, dann evtl. antworten ;-)).
Allerdings habe ich den Eindruck, dass der Begriff "Konzept" in den
Postings hier etwas missbräuchlich oder zumindest missverständlich
eingesetzt wird.
Unter Konzept verstehe ich nämlich anscheinend etwas grundlegend anderes
als einige andere hier. Die gängige Auffassung des Begriffs "Konzept"
scheint hier nämlich diese hier zu sein:
Ein Zeitplan für die Realisierung von Aktionen, die wenigstens
mittelfristig definiert sein müssen - mehr nicht.
Dass diese Ansicht für Unmut bei Florian führt ist klar, denn er - und
einige die an seiner Seite stehen - hören immer wieder mehr oder weniger
gute Ideen für Aktionen und Maßnahmen, die dann jedoch nicht realisiert
werden können, weil zum Zeitpunkt der Umsetzung dann alle irgendwie
*verhindert* sind.
Ich habe da - bedingt durch meine Agenturtätigkeit - etwas andere
Ansichten von einem Konzept:
1. Am Anfang sollte dort zumindest einmal die Zielsetzung exakt
definiert und in Unterbereiche aufgebröselt sein: Teilziele abstecken.
2. Des Weiteren ist es notwendig die aktuelle Marktsituation mal genau
unter die Lupe zu nehmen und zu sehen, wo möglicherweise ganz allgemein
die Richtung, in die gearbeitet werden soll, überhaupt frei ist.
3. Zum Dritten ist es immer hilfreich, sich adäquate andere
(Konkurrenz?) Produkte anzusehen, die erfolgreich das geschafft haben,
was unserer Zielsetzung am nächsten kommt.
4. Aus den Punkten 1-3 ergibt sich in der Analyse dann eine Zielgruppe,
die angesprochen werden sollte - es gibt nun mal keine Maßnahmen, die
alle Zielgruppen gleichermaßen ansprechen; hier gilt es im Vorfeld zu
selektieren.
Diese 4 Punkte gehen nicht mal eben schnell. Auch der Ruf, "Dann lasst
doch mal Euer Konzept hören" (sinngemäß) ist so nicht haltbar (auch wenn
ich genau dem Aufruf mit meinem Posting hier eigentlich Folge leiste).
Ein Einzelner kann unmöglich ein Konzept aufstellen für eine derart
komplexe Situation, in der sich das Projekt befindet. Dazu benötigt es
(einen ausgiebigen Dialog zwischen den Leuten (und ich meine tatsächlich
reden, nicht posten): Gespräche, Analysen, Brainstorming, Rückschlüsse -
all das.
Sind dann nun die Punkte 1-4 irgendwann genau abgeklärt (vielleicht ist
das ja längst der Fall - dann bitte ich um Nachsicht im Hinblick auf
mein Informationsdefizit), dann geht es an das Thema Maßnahmen und ihre
Realisierung.
5. Basierend auf den Erkenntnissen der vorangegangenen Punkte sollten
jetzt zielgruppenausgerichtete Maßnahmen entwickelt werden. Diese
Entwicklung beinhaltet allerdings dann nicht nur die Ideenfindung
sondern auch die Umsetzung - anders gesagt: Ideen sammeln, bewerten und
die für gut befundenen der Mailingliste vorstellen. Dann wird sehr
schnell deutlich, wofür sich Helfer finden lassen und wofür nicht. Im
Regelfall ist es überraschend, dass sich oft welche finden, die mit
anpacken, wenn man ihnen genau sagen kann, wann sie wo was machen
können. Wichtig dafür ist natürlich eine Planung, die auch im Vorfeld
schon berücksichtigt, dass die meisten Ehrenamtlichen eben nicht während
der normalen Arbeitszeiten aktiv werden können, da sie dann ihren
Lebensunterhalt verdienen müssen.
6. Umsetzung der Aktionen gemäß der Resultate aus der "öffentlichen"
Diskussion.
7. Analyse und Bewertung jeder durchgeführten Maßnahme im Einzelnen und
innerhalb des Gesamtkonzepts.
So, wer sich jetzt bis hier durch meinen Text gequält hat, wird
natürlich sagen: noch mehr heiße Luft; alles blanke Theorie, wo ist nun
die Initiative?
Zum Thema: 48.000,-:
Ich stehe auf dem Standpunkt, dieses Geld in eine Anzeigenaktion zu stecken.
Ich sehe die Insertion aber weniger dort, wo Unternehmer angesprochen
werden, sondern da wo Endverbraucher lesen.
Die Begründung für meine Meinung liefere ich gleich mit:
Wer sich erfolgreiche Projekte der Vergangenheit ansieht, sollte merken,
dass die Massenverbreitung immer erst zustande gekommen ist, wenn die
"Masse" mit ins Boot geholt wurde.
Beispiel Firefox: Die Steigerung der Verbreitung des Browsers gerade im
Unternehmensumfeld war nicht primär eine Folge der Akzeptanz durch die
Nutzer aufgrund der "besseren Verarbeitung", sondern die Akzeptanz in
Unternehmen war eine Folge der gestiegenen Verbreitung die sich
hauptsächlich bei den - zunächst nur technisch interessierten -
Endnutzern steigerte.
Ergebnis: Firefox konnte genügend breit gestreute Marktanteile gewinnen,
um einfach nicht mehr ignoriert zu werden. Das erhöhte weiterhin die
Aufmerksamkeit der Allgemeinheit, was zu einer weiteren
Verbreitungssteigerung führt, so nicht irgendwann qualitative Kriterien
dem entgegensprechen.
Beispiel MS Office: Auch hier wurde die Marktposition des MS-Produktes
erst richtig dadurch zementiert, dass früher praktisch bei jedem neuen
Komplett-PC das Office von MS (oder zumindest Word) dabei und
vorinstalliert war. Dadurch konnte eine unglaubliche Marktdurchdringung
erzielt werden, die zur Folge hatte, dass auch in gewerblichen Büros der
MS-Anteil in dieser Sparte immer mehr anstieg, weil die Unternehmen -
und auch Behörden - das einkauften, wobei sie die geringsten Hürden
(Schulungen) sahen bzw. was auch der Unternehmer von zu Hause aus schon
kannte (Sprichtwort: "Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht."). Dies
basierte ebenfalls zu großen Teil auf der Verbreitung des Produktes
unter den Endnutzern (natürlich gab und gibt es auch andere Faktoren,
die aber eben bei der Betrachtung der Entwicklung der MS Office
Marktdurchdringung nicht dieses Ausmaß annahmen). Großunternehmen und
Global Player habe ich hier bewusst nicht einfließen lassen, da hier die
Produktauswahl anders verläuft als im breiten Markt.
Die Marktdurchdringung geht sogar heute so weit, dass man sogar von
einer Excel-Tabelle spricht, auch wenn man eine Kalkulationstabelle
meint, die in einem beliebigen anderen Programm erstellt wurde (vgl.
Papiertaschentücher und Tempo).
Ich habe diese Beispiele herangezogen, weil sie den Endkundenbereich
ebenso betreffen wie den B2B-Sektor. Das gleich gilt ja nunmal auch für OOo.
OOo hat aber nun das Problem, nicht nur gegen ein Produkt aufgestellt zu
sein, sondern gegen eine sprachliches Synonym: Wenn im gewerblichen
Umfeld heute (die Mehrheit) jemand sagt "schick mir den Text als Datei"
meinen die meisten ein *.doc oder *.xls bei Tabellen. Hier hat zwar -
Gott sei Dank - das PDF-Format schon ein wenig gegengesteuert, doch wir
sollten davon ausgehen, dass MS's neues OOXML hier das klassische *.doc
verdrängen wird und nicht ODF - ISO hin oder her.
Warum: Weil der Mehrheit der Endnutzer - und _das_ ist die kritische
Masse - sich überhaupt nicht dafür interessiert, welches Format unter
der Haube werkelt; sie wollen es nur *problemlos* mit anderen
austauschen können. Daher wird OOXML diesen Kampf - zumindest vorläufig
- für sich entscheiden, weil MS Office verbreiterter und viel bekannter
ist. Das Dokumentenformat ODF ist also für die Masse der Nutzer sicher
keine Wechselkriterium.
Stichwort OSS: Die Mehrheit der Masse interessiert sich nicht dafür, ob
eine Produkt OSS oder CS ist - es soll laufen und zwar so einfach wie
möglich! Das macht OOo mindestens genausogut wie MS Office, aber das
wissen leider nur vergleichsweise wenig Endanwender.
Stichwort Kosten: Hier wirds langsam interessant. Hier kann OOo
natürlich punkten, weil es das - legal - für Umme gibt. Das hat
Microsoft erkannt und hat hier seine Lizenzpolitik für den Privatbereich
- unsere viel beschhworene Masse - mittlerweile deutlich moderater
gestaltet.
Plattformunabhängigkeit: spielt für die Mehrheit der Endnutzer keine Rolle.
Usability: Ich denke, dass sich gängige Produkte hier nicht mehr
allzuviel tun. Eingewöhnungsphasen sind immer nötig und somit auch kein
Kriterium. Wer sich nicht umgewöhnen will, bleibt bei der Software die
er bereits hat - das kann auch MS Office 97 sein; warum auch nicht, wenn
es doch für den Heimbereich absolut ausreichend ist. Usability ist also
auch keine Killermerkmal für das eine oder das andere Produkt.
Handhabbarkeit: Hier könnte es interessant werden, bietet OOo doch als
portable App auf dem USB-Stick ein interessantes Feature, dass MS Office
verwehrt bleibt.
Und genau da gibt es Aufmerksamkeitswert.
Hier spezifisch mein Vorschlag für eine vergleichsweise kurzfristige Aktion:
Lasst mal kurz die Unternehmer Unternehmer sein. Richten wir uns einmal
an die Endkunden. Anzeigen in Medien die hier ihre Zielgruppe sehen sind
in ComputerBild, PC Welt, Chip etc zu platzieren. Ich kenne jetzt
natürlich nicht die Insertionspreise, aber wenn sich das machen ließe,
hier mit OOo Portable zu werben (und zwar nicht sachlich nüchtern,
sondern auf der emotionalen Schiene), denke ich, könnte man etwas
erreichen: Die Masse würde uns - zunächst nur gering, aber wenigstens -
wahrnehmen.
Mögliche Aussage: "Ihr Office ist, wo Sie sind" (Achtung: nur
gedanklicher Schnellschuss ohne wirkliche Überlegensphase ;-)).
Das Statement ist einfach und gut zu untermauern: Auf Windowsrechnern
kann OOo Portable angestöpselt werden und Linuxe haben unser Paket
sowieso größtenteils installiert (nicht alle, aber viele). Fehlt leider
nur noch die Mac-Schiene, aber die ist im Hinblick auf die o.a. Medien
nicht wirklich interessant und grundsätzlich erst einmal auch nicht
unsere Zielgruppe - dazu sind viele Macianer zu sehr auf die
mtigelieferte Software aus Cupertino fixiert (soll kein Flame sein, ist
aber meine Einschätzung).
Ergänzen könnte man das Ganze dann auch noch mit einem schicken kleinen
Gewinnspiel, bei dem wir dann insgesamt X (Anzahl Eures Vertrauens
einsetzen) OOo Portable USB Sticks verlosen. Auf die Art bekommt man
dann auch u.U. ein kleines Feedback und kann die Kontaktleistung der
jeweiligen Anzeige einschätzen.
Parallel zur Anzeigenaktion kann man möglicherweise auch mit den
Redaktionen verhandeln, ob die nicht eine OOo Portable auf die
obligatorischen Heft-CDs bannen können, damit Neugierige dann auch
sofort die Möglichkeit haben, OOo ohne Installation auszuprobieren
(falls technisch oder lizenzrechtlich nichts dagegenspricht).
Und um einem Argument (persönlicher Einsatz) *gegen* eine solche Aktion
entgegenzutreten: Die Anzeigengestaltung würde ich (falls gewünscht,
natürlich im Dialog mit anderen) bis zur Druckfertigkeit übernehmen und
mich auch um die Zustellung der Daten an die Verlage kümmern.
Wo aber noch jemand ins Boot muss: Die Anzeigenaufträge müsste
logischerweise jemand stellen, der zeichnungsbefugt ist, wenn es darum
geht, Geld der Community einzusetzen.
Wie gesagt, ich weiß nicht, was das ganze an Kosten produziert - dazu
müssen dann die Mediaunterlagen herangezogen werden; evtl. muss man sich
auf ein oder wenige Medien beschränken. Ich recherchiere jetz aber auch
noch nicht stundenlang, wenn da nicht eine gewisse Zustimmung zu diesem
Vorgehen Eurerseits signalisiert wird.
Unternehmen ansprechen:
Um Unternehmen anzusprechen, ohne gleich horrende Summen für Anzeigen in
FAZ und Co. auszugeben, gibt es Alternativen. Eine Alternative sind so
genannte Multiplikatoren. Und ein wesentlicher Multiplikator sind - wenn
es um KMU und Freiberufler geht - die Steuerberater / Wirtschaftsprüfer.
Hier könnte man auch die Ansprache vorantreiben.
Konkret: Steuerberater (StB) sind in Verbänden organisiert, und diese
Verbände geben turnusmäßig Zeitschriften (Verbandsnachrichten) heraus.
Hier kann man durchaus auch inserieren und somit möglicherweise die
Unternehmer via Steuerberater erreichen.
Da auch die DATEV bereits im letzten Jahr angekündigt hat, künftig OOo
zu berücksichtigen, könnte hier evtl die Kontaktaufnahme zur bzw. eine
Kooperation mit der DATEV nützen.
U.U. lassen sich auch redaktionelle Beiträge hier unterbringen, die
einen möglichen Einsatz von OOo im gewerblichen Umfeld unter
Berücksichtung der Kostenersparnis aufgrund der Lizenzsituation im
Vergleich zu MS Office darlegen.
Gleiches gilt dann auch für Publikationen der Industrie- und Handels-
sowie der Handwerkskammern.
Das sind mal so meine Anregungen zu dem Thema - ist doch deutlich mehr
geworden als geplant, aber vielleicht ist ja die ein oder andere
Sichtweise nachvollziehbar.
Ich muss jetzt an die Arbeit.
Bis dann
Thomas
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