Hallo Jörg,
hallo Liste,

Am Sonntag  17 Juli 2005 21:26 schrieb Jörg Schmidt:

> Mein Beispiel:
> Ich veröffentliche unter LGPL, dann erwarte ich das Änderungen
> auch unter LGPL stehen. Ich sehe bei den "üblichen" Lizenzen keine
> Möglichkeit die umzuwidmen.

Nein, man kann nicht umwidmen. Das ist ja gerade das, was die 
Irritationen hervorgerufen hat. Ein Dokument wurde unter der PDL 
veröffentlicht, wanderte in der Community herum und mit einem Male 
stand es unter einer anderen Lizenz.

Du kannst nur für die Zukunft ändern. Also gleiches Thema, andere 
Variante und dann ausschließen. Ich glaube nicht, dass das wirklich 
realistisch ist. Schreiberei ist sowieso so gut wie immer ein 
Gemeinschaftswerk. 

> Einzige Möglichkeit ist das 
> Ursprungsdokument, ob geändert oder nicht, unter ursprüglicher
> Lizenz plus einem *vollständig unabhängigem* Zusatz.

Oder man stellt sein Werk unter eine Dual-Lizenz. Wolfgang Henderkes 
macht das ja so. Andere Autoren veröffentlichten hier gar keine 
Dokumente, schreiben aber sehr wohl über OOo.

Andreas Mantke hat hier in grauer Vorzeit mal angefangen, Erste 
Schritte Impress zu schreiben. Aus dieser Keimzelle heraus wird ein 
Buch entstehen. So weit ich weiß, wird ein Teil auch wieder hier 
zurückfliessen.

Langer Rede, kurzer Sinn: Man macht sich vorher Gedanken darüber, wie 
wird mein Werk verwertet. Will ich selbst die Kontrolle komplett 
behalten, dann nehme ich mir die Regeln des Urhebergesetzes, will 
ich, dass sich andere daran beteiligen und es im Wesentlichen frei 
geben, dann wähle ich eine mir geeignete Freie Lizenz.

Ich kenne kein Beispiel, wo ein Dokument, das unter einer Freien 
Lizenz veröffentlicht wurde, dessen Lizenz von den Autoren 
widerrufen wurde. Es ist viel leichter, einen neuen Text zu 
schreiben. Überlegt euch doch, wie schnell gerade ein Text in einem 
sich so sehr wandelnden Projekt veraltet oder unbefriedigend wird.

Gleichen Inhalt in verschiedene Texte plus/minus zusätzliche 
Informationen ist ein gängiges Verfahren von Autoren, das Fachwissen 
kommerziell zu verwerten.

Ein Beispiel kenne ich nur aus der Softwarewelt: Das XFree-Projekt 
hat seine Lizenz geändert, mit der Folge, dass erst nur die alten 
XFree-Versionen verbreitet wurden und heute nun Xorg mit einer 
Lizenz, die allen Distributoren annehmbar schien, das Rennen macht.

Ich kann mir eine so nahe Analogie zu PDL-Texten nicht vorstellen. 
(Juristen üben sich aber gerne in Gedankenspielen 'Was wäre wenn?' - 
Das sollten wir hier nicht unbedingt praktizieren, daher mein Satz 
in Klammern).

> Wenn ich eine offene Lizenz erteile ist ja mein Streben das das
> Dokument in bestimmter Art und Weise offen bleibt. Ich sehe weder
> eine allgemeine Klausel zur Umwidmung noch eine für spezielle
> Lizenzen. Ich sehe auch nicht das man eine Entscheidung für eine
> bestimmte Lizenz später interpretieren könnte als meine Zustimmung
> für eine Änderung in meinem Sinne, denn mein Sinn ist konkret
> erklärt durch die Lizenz.
>
> Also bitte gib mir ein Beispiel.

Ich habe Dir kein Dokumenten-bezogenes Beispiel. Die Idee einer 
Freien Dokumentationslizenz kam aus den Lizenzen für Freie Software. 
Wir haben die PDL, weil die Mechanismen aus der Software-Entwicklung 
eben nicht immer griffen oder zu unbefriedigenden Lösungen führten.

Wir sollten _praktisch_ denken. PDL gibt jedem das Recht, das 
Dokument weiterzuentwickeln. Das ist gewünscht und gewollt.

Wer Probleme damit hat, muss eine andere Art der Verwertung wählen; 
im für uns ungünstigsten Falle sind wir als Projekt aus einer 
Verwertung ausgeschlossen.


Helga

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