Hallo,

eigentlich wollte ich mich nicht mehr äußern, aber diese Punkte können nicht
unkommentiert stehen bleiben.

Am Donnerstag, 9. November 2006 12:21 schrieb Florian Effenberger:
>> WINE ist eine unter LGPL lizenzierte API. Wo ist das Problem?
> 
> dass das Design wohl von Windows "geklaut" ist (bitte nicht als
> juristischen Fachterminus verstehen) und wir mit Screenshots unter WINE
> eher noch größere Probleme bekommen als unter reinem Windows.

Ich möchte dich bitten, keine Gerüchte in die Welt zu setzen. Schon das
Lesen der ersten 3 Sätze auf der ersten Seite von www.winehq.org hätten
noch mehr Verunsicherung und unnötige Diskussionen vermeiden können:

| Wine is an Open Source implementation of the Windows API on top of X and
| Unix. Think of Wine as a compatibility layer for running Windows programs.
| Wine does not require Microsoft Windows, as it is a completely free
| alternative implementation of the Windows API consisting of 100%
| non-Microsoft code, however Wine can optionally use native Windows DLLs if
| they are available.

Es ist also genau das Gegenteil richtig von dem, was du schreibst: Mit unter
WINE aufgenommenen Screenshots bekommt man nicht "eher noch größere
Probleme". In Bezug auf die Kompatibilität von Inhalt und Lizenz (um
nochmals daran zu erinnern, dass dies der Punkt ist, den ich als kritisch
ansehe) bekommt man nämlich gar keine Probleme, wenn man von einem unter
WINE laufenden OOo Screenshots aufnimmt und diese unter eine freie (mit der
LGPL kompatiblen) Lizenz stellt.

> Ich halte dagegen. Das Logo ist von Microsoft und Bestandteil des
> MSI-Installers, vermutlich ist auch das in WINE eingebettet. Frei ist es
> dennoch nicht.

Der MSI-Installer ist nicht in WINE eingebettet, auch nicht "vermutlich".
Wenn du vom Gegenteil überzeugt bist, dann zeige mir die Stelle im
Quelltext.

Und die Grafik ist "frei" in dem Sinne, als dass jemand, der einen
Screenshot aufnehmen möchte, sich für dessen Nutzung auf die LGPL berufen
kann, statt auf die ganz zu Anfang der Diskussion zitierten, jederzeit
widerruflichen, mit freien Lizenzen inkompatiblen Bedingungen von
Microsoft, weil sowohl WINE als auch OOo unter dieser Lizenz laufen. (Ggf.
sind Desktop-Managers, -Theme usw. mit in die Betrachtung einzubeziehen,
die aber in der Regel unter GPL oder LGPL lizenziert sind.)

Es geht mir, wie bereits mehrfach gesagt, nur um die korrekte Verwendung der
Lizenzen, nicht um die Wahrung der Rechte von Microsoft. Und wenn ich einen
Screenshot unter GFDL lizenzieren möchte, dann verwende ich dafür nur
Programme usw. unter LGPL oder GPL (auch wenn die Kompatibilität zwischen
GPL und GFDL teilweise angezweifelt wird). D.h. ich berufe mich für deren
Nutzung auf die mir von dem/den Lizenzgeber/-n gewährten freien Lizenzen.
Ob der Lizenzgeber seinerseits berechtigt war, diese Lizenz zu gewähren,
ist ein anderes Problem, das aber erstens nicht meines ist und zweitens zu
der Frage der Kompatibilität von Inhalt und Lizenz von dem, was ich
lizenziere, (also meine Dokumentation mit Screenshots) nichts dazu tut.

> Das nächste Problem steht uns schon ins Haus: Was machen wir mit unserem
> Logo in den Dokumentationen? Das ist *nicht* frei, also können wir es
> ebenso wenig einfach weiterlizenzieren...

Richtig, ich wies bereits vor vielen Tagen darauf hin, dass auch die Inhalte
der geöffneten Fenster keine geschützten Inhalte wie Bild- oder
Wortbildmarken zeigen dürfen. Natürlich gilt das auch, wenn Marken
außerhalb von Screenshots zu sehen sind.

>  > Richtig. Unter Linux gibt es aber keine MS-Icons und keine
>  > MS-Schriften. Lediglich die Fonts kann man unter Beachtung ihrer
>  > besonderen Nutzungsbestimmungen theoretisch nachinstallieren.
> 
> Deswegen darfst du sie trotzdem ebenso wenig weiterlizensieren...

Wo habe ich das behauptet?

Nicht nur gegen eine mangelnde Sensibilität im Umgang mit Lizenzen, sondern
auch noch eine Gerüchteküche ankämpfen zu müssen, die einmal mit höchst
fahrlässige Sorglosigkeit sagt, es wird schon nichts passieren, dann aber
gegen jede Evidenz sagt, wenn wir es anders machen, wird es ja noch
schlimmer, macht die Diskussion nicht einfacher. Dies ist für eine
Community, die eines der größten Open-Source-Projekte unterstützt, keine
sehr professionelle Handhabung eines Lizenzproblems.

Beste Grüße
-- 
Martin Bayer

[EMAIL PROTECTED]
http://www.mbayer.de

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