Hallo,

Am Samstag, 18. August 2007 10:40 schrieb Eric Hoch:
> Hmm, wenn ich von Fedora und Co herunterlade ist Torrent für mich
> sehr seriös. Jeder Torrent hat einen Hashwert und kann nicht ganz
> so einfach mal eben manipuliert werden. Ich kann an einem
> Torrentdownload ebenso die md5sum prüfen wie an einem normalen
> Download und eventuelle PGP, SHA-1 Signaturen auch.

Wir bieten aber nur Prüfsummen (MD5) an. Mit einer Prüfsumme kann
bestenfalls die Integrität der Daten festgestellt werden, nicht aber deren
Authentizität. Dazu braucht man eine kryptografische Signatur. Und die
haben wir nicht. Im Gegensatz zu den diversen Linux-Distributionen, wo zwar
das herunterladbare CD-/DVD-ISO-Abbild selbst keine kryptografische
Signatur besitzt, dafür aber jedes einzelne enthaltene RPM-/DEB-Paket.

Natürlich könnte man auch Downloads von FTP-Servern manipulieren (z.B. durch
Man-in-the-Middle-Angriffe), aber das ist natürlich ungleich aufwändiger
als eine manipulierte Datei in ein Filesharing-Netzwerk einzuspeisen. Noch
dazu wo man sich wirklich fragen muss, wer wohl wenigstens die Prüfsummen
überprüft – und sei es nur, weil md5sum bei Windows nicht von Haus aus mit
dabei und in der "Standardausführung" ein Kommandozeilenwerkzeug ist.

Trotzdem wäre es natürlich wünschenswert, wenigstens die Möglichkeit eines
sicheren (Integrität, Authentizität, Vertraulichkeit) Downloads von
sicheren Dateien zu haben. Wobei es mir bewusst ist, dass verschlüsselte
Downloads mehr Ressourcen verbrauchen. Und während es zwar trivial wäre,
den RPM- und DEB-Paketen (Linux) kryptografische Signaturen hinzuzufügen,
ist mir völlig bewusst, dass es alles andere als trivial wäre, eine
entsprechende Infrastruktur aufzubauen (Verwaltung der Schlüssel usw.)

> Nur weil auch Downloads in der Grauzone mit Bittorrent durchgeführt
> werden können, musss nicht gleich eine ganze Technik als
> zweifelhaft dargestellt werden.

Habe ich auch nicht gemacht. Leider sind aber nur die wenigsten in der Lage,
zwischen der Technik an sich (Filesharing) und ihrem rechtswidrigen Einsatz
(Urheberrechtsverletzungen) zu unterscheiden. Die Tendenz geht ganz klar
dahin, dass die Verfahren an sich kriminalisiert werden. Und da ist dann
eben schon ein installierter BitTorrent-Client suspekt, selbst wenn man den
nur für OOo benutzt. Aber, wie gesagt, das sollte nicht mein Thema sein.

Aber wo wir es aber gerade mit Links und BitTorrent haben: Vielleicht findet
man bei der Gelegenheit auch eine Alternative zu den beiden prominenten
Links zu Wikipedia. Ich bin ja bekanntermaßen zwar ein großer Freund von
Wikis, aber an dieser Stelle finde ich diese Links trotzdem unangemessen.

> Du musst noch nicht mal unterschiedliche Mirrors akzeptieren. Auf
> jedem OOo Mirror sollte in /stable/<Versionsnummer> der Sourcode
> liegen und damit, wie der Mirror selbst über HTPP, FTP oder beides
> erreichbar sein.
> 
> Einzig die Links müssten in die deutsche Downloadseite eingefügt
> werden.

Ja, das war halt der Punkt. Das JavaScript ist aber schon aufwändig genug,
es so zu erweitern, dass auch noch gleichzeitig immer ein entsprechender
(zum selben Server zeigender) Link zum Quelltext eingefügt wird, hielte ich
für übertrieben.

Man müsste nur auf http://de.openoffice.org/downloads/mirror.html eine
zusätzliche Spalte für den Quelltext einfügen und dann eben unter
Quickdownload darauf verlinken. Etwa so: "OpenOffice.org ist unter den
Bedingungen der LGPL -> licenses/lgpl_license.html veröffentlicht. Den
Quelltext des Programms erhalten Sie über unsere Mirror-Server ->
downloads/mirror.html.

> Außer Du bist der Meinung, wir müssten den Sourcecode jetzt um ganz
> LGPL konform zu handeln auch in /localized/de legen bzw. in jede
> Sprache, da würden sich dann aber die Admins der Mirror freuen.

Nein, der Meinung bin ich nicht. Obwohl man das natürlich mit einem Symlink
lösen könnte. Ich verstehe die Lizenz so, dass sich niemand um die
Weitergabe des Quelltextes "drücken" darf. Zu verlangen, dass der Quelltext
nicht nur auf dem selben Server, sondern im selben Verzeichnis liegen, oder
nicht nur in der selben Distribution, sondern auf der selben CD-ROM
enthalten sein muss, wäre meiner Meinung nach eine Überstrapazierung.

> Du kannst den Sourcecode auch als Torrent anbieten. Wo ist das
> Problem?

Das Problem ist, dass eben dies nicht geschieht. Abgesehen davon, dass ich
die Klausel der Lizenz "Angebot zum Kopieren vom selben Ort" schlicht für
mit BitTorrent inkompatibel halte, wenn man sie wörtlich auslegt. Aber auch
wenn man hier nicht katholischer als der Papst sein möchte: Der Zweck der
Klausel liegt darin, den Zugang zum Quelltext zu garantieren. Deshalb muss
jeder, der Objektcode oder ausführbaren Code anbietet, auch immer zugleich
(in jedem Sinne des Wortes) den vollständigen Quelltext mit anbieten.

Wenn man hier die LGPL v.2 und die GPL v.2 miteinander vergleicht, fällt
auf, dass die LGPL in diesem Punkt sehr viel strenger ist als die GPL, die
z.B. die Möglichkeit vorsieht, sich davon "freizukaufen": „liefern Sie das
Programm zusammen mit einem mindestens drei Jahre lang gültigen
schriftlichen Angebot aus, jedem Dritten eine vollständige maschinenlesbare
Kopie des Quelltextes zur Verfügung zu stellen …“ (§3 GPLv2). Ich vermute
daher, dass die Verpflichtung zur Weitergabe des Quelltextes absichtlich in
der LGPL so streng ist. Vielleicht sollte so ein "Ausgleich" zum im
Vergleich zur GPL schwächeren "Copyleft" geschaffen werden, um wenigstens
auf diesem Wege die "Freiheiten" der Software-Nutzer zu schützen. Dann wäre
dieses Problem hier auch alles andere als ein akademisches, sondern es
ginge dann um den Kernbereich (nämlich die "Freiheit") der Lizenz.

Beste Grüße
-- 
## Martin Bayer
## Content Developer
## OpenOffice.org Germanophone Project
## http://de.openoffice.org

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