Hallo Raphael,

Raphael Bircher schrieb:
> So ein grosser Unterschied ist da nicht zu den Abzocker
> fallen. Denn die
> Idee ist die selbe. Mit wenig tun jede menge Geld verdienen.

Hier werden RECHTE genutzt die sich aus einer OpenSource-Lizenz ergeben,
die derjenige der Urheber war vergeben hat weil er sich so entschieden
hat! Hier wird dem potentiellen Käufer ein klares, sauberes Angebot
gemacht, ohne Kostenfallen, ohne Abzocke und ohne Hintertüren.

Wieder einmal hier gerne ein paar Zitate dazu:

"Viele Leute glauben, dass es im Sinne des GNU-Projektes wäre, dass man
kein Geld für den Vertrieb von Kopien von Software verlangen dürfe, oder
dass man so wenig wie möglich verlangen solle -- gerade genug, um die
Kosten zu decken.
[...]
Tatsächlich aber ermutigen wir Leute, die Freie Software
weitervertreiben, sogar, so viel Geld zu verlangen wie sie wollen bzw.
können.
[...]
Freie Programme werden manchmal kostenlos weitergegeben, und manchmal
für einen beachtlichen Preis vertrieben. Oftmals steht das selbe
Programm auf beide Arten von unterschiedlichen Anbietern zur Verfügung.
[...]
Freie Software zu vertreiben ist etwas Gutes und legitimes; wenn Sie es
tun, dürfen Sie damit also auch Profit machen."

siehe:
http://www.gnu.org/philosophy/selling.de.html

> Das einzige
> was der macht ist, den Namen zu ändern und das ganze selbst
> kompilieren.
> Mit technischem Vorwissen ist das keine Hexerei, und
> innerhalb ein paar
> Stunden gemacht. Die Werbung läuft über GoogleAd, da hat er
> auch nicht
> viel damit zu tun. und die Seite zu bauen ist auch nicht so
> ne hexerei.
> Nach aussen scheint der Preis extrem billig, da ja ein unbedarfter
> Benutzer damit rechnet, dass er das alles selbst geschrieben
> hat. Wenn
> dieser Typ sich aktiv an der Community beteiligen würde, fände ich es
> ok. Sich aber mit Arbeit anderer das Geld zu verdienen finde
> ich nicht
> in Ordnung.

Ich sehe das anders:
Wenn jemand (insbesondere jemand wie Sun) etwas unter OSS-Lizenz stellt
weiß er was er tut und er weiß um die Konsequenzen.
Wenn im Nachhinein ein Anderer kommt und erklären will das kommerzielle
Verwertung von LGPL-Software durch Dritte ja eigentlich doch irgendwie
nicht in Ordnung gegenüber dem Urheber ist, ist das für mich nichts
Anderes als dem Urheber zu erklären er sei zu blöd seine eigenen
Interessen angemessen wahrzunehmen und das Tun seiner eigenen
Lizenz-Entscheidung zu überschauen.

> Das sehe ich anders. Wir könnten die "Kostet nix, taugt nix"
> Zielgruppe
> ansprechen.

+1, ich tue das sogar praktisch

> Ich verstehe wirklich nicht, warum wer "Gratis"
> immer noch
> an die Front kleben.

+1, ich habs noch nie verstanden und habe mich auch immer, soweit es in
meinen Kräften stand, dagegen ausgesprochen.

(Ich glaube andererseits auch nicht das wir, soweit es offizielle
Projektaktivitäten von DE betrifft, das "gratis"-Argument allzusehr
überstrapazieren.
Zwar könnte ich mir sehr gut vorstellen es nirgens mehr zu nutzen, bin
aber Realist genug zu wissen das manche es als Argument sehen und man
denen auch Rechnung tragen muß, zumindest insoweit das wir wohl nicht
wegen eines Prinzipienstreites zum Wortgebrauch von "gratis" riskieren
sollten aktive Mitstreiter zu verlieren.)

> Das "Gratis" war für Open Source mal extrem
> wichtig.

Es war evtl. wichtig für freie Software (nicht einmal da glaube /ich/ es
wirklich), niemals jedoch für OpenSource, denn  diese sprachliche
Unterscheidung entstand ja im Wesentlichen um sich von Freier Software
abzuheben weil man erkannt hatte das der Begriff 'Freie Software' sich
wenig eignet um auf kommerziellen Gebiet voran zu kommen weil er für die
dann relevant anzusprechenden Marktteilnehmer einen nicht so
förderlichen KLang hatte.

Siehe z.B.:
http://www.gnu.org/philosophy/open-source-misses-the-point.de.html

> Wir lügen, wenn wir behaupten, OOo wird ehrenamtlich
> entwickelt.

Ich sehe niemanden der hier lügt!
Unsere Aussage war stehts das die Code-Entwicklung im Wesentlichen von
bei Sun angestellten(!) Programmierern geleistet wird.
Für mögliche Aussagen Dritter hingegen sind wir hier nicht
verantwortlich.

> Wenn jemand bei uns genau ins Projekt schaut, wird er bald
> feststellen,
> dass die Weiterentwicklung nicht wirklich garantiert ist.

Das ist in gewisser Hinsicht wahr, nur ist das schon immer wahr, und das
wußten/wissen alle und trotzdem vertraut man uns.

OpenSource setzt (wie auch andere auf anderen Gebieten, auch im realen
Leben) auf das dynamische Handeln der Akteure indem es deutlich macht
das eine offene Lizenz und aktiv handelnde Personen/Projektmitglieder
(die mitarbeiten weil die offene Lizenz auch für ihre eigenen Interessen
attraktiv ist) viel mehr Sicherheit bieten als statische mönetäre
Faktoren.
Und dieses wesentliche und sinnvolle Prinzip unseres Handelns, sollen
wir nun Deiner Meinung nach selber zerreden?

> Das ist nämlich der
> Hauptunterschied zur MS Philosophie.

Lies einmal die Aussagen von MS zu OpenSource und lerne die aktuelle MS
Philosophie zu FOSS kennen.

Steige z.B. hier ein:
http://www.heise.de/open/Die-Woche-Microsofts-Position-zu-Open-Source--/
artikel/135289

('Einsteigen' heißt ausdrücklich nicht das dieser Artikel, in Summe mit
den dort verlinkten Dingen, bereits ausreichend wäre um über die
MS-Strategie zu FOSS hinreichend genau informiert zu sein.)

> Und eine Beteiligung
> kann auch ein
> finanzieller.

Auch das ist ein längst gedachter Gedanke (Stichwort: Stiftung) und fand
gerade vor Kurzem wieder Erwähnung hier auf der Liste.

> So liese sich auch die "kostet nix, taugt nix Gruppe"
> knacken. Denn das einzige was die wollen, ist sowas wie eine
> Garantie,
> dass das Produkt nicht plötzlich verschwindet.

Wenn Garantie das einzige Streben in dieser Hinsicht wäre, warum nutzen
dann bereits derzeitig so auffällig zunehmend viele Firmenkunden OOo (wo
sie die Garantie durch Sun allenfalls indirekt haben) statt StarOffice?

> Mit einer
> selbstbeteiligung haben sie die,

wenn das so wäre könnten ja Unternehmen wo die Angestellten
Firmen-Anteile halten auch nicht Pleite gehen - können sie aber.

> Das ist nun etwas lang geworden.

dito

> danke für alle die die es lesen

done


insgesamt:
Den teils sichtbaren Pessimismus in Deinen Ausführungen teile ich /so/
nicht.

OOo ist ein Projekt das zusammen mit anderen FOSS-Projekten, zusammen
mit ehrenamtlichen wie kommerziellen Partnern, einen neuen Weg der
Softwareentwicklung beschreitet und gleichzeitig gestaltet.
Wer aber neue Wege beschreitet braucht Visionen, braucht auch Mut und
Glauben an die eigene Kraft und die Richtigkeit des eigenen Tuns.
Nicht jedoch braucht er zu unpassenden Zeiten öffentliche Mutmaßungen
darüber was theoretisch schlimmstenfalls passieren könnte.

Ganz im Gegenteil ist manchmal eine nüchtern sachliche oder auch
emotionale Ermutigung sinnvoll, wie ich sie aktuell beispielsweise in
Beiträgen wie dem Interview mit Mechtilde:
http://www.gulli.com/index.php?id=17&tx_ttnews[tt_news]=10195
oder in aktuellen Aussagen von John McCreesh (z.B.:
http://community.zdnet.co.uk/blog/0,1000000567,10012613o-2000331761b,00.
htm ) finde.

Stimmt ... mit Visionen allein gestaltet man keine Zukunft, und Glaube
der Realität ignoriert kann auch zum Irrglauben mutieren, allein wenn
man auf OOo in Gesamtheit blickt ist Beides nicht zu erkennen.



Gruß
Jörg



---------------------------------------------------------------------
To unsubscribe, e-mail: [email protected]
For additional commands, e-mail: [email protected]

Antwort per Email an