Hallo Ulrich, ich verwende systemd produktiv bei Kunden und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Gerade, wenn man Eigenentwicklungen schnell in ein systemd-basiertes Linux integrieren will, tut man sich schon deutlich leichter als vorher.
Das Krakenimage kann ich zwar nachvollziehen, ist aber auch nur eine der beiden Medaillen-Seiten. Am Hochfahren eines Systems hängt nun mal sehr viel dran. Außerdem habe ich das Gefühl, dass dieser "Bruch" zum System V Bootprozess eine deutlichen Professionalisierungsschub gebracht hat. Ich bin ein großer Fan vom Gentoo-Bootprozess, der sich aber leider nie größeren Kreisen bekannt gemacht hat. Auch hier ist es relativ leicht, eigene Dienste etc. zu integrieren, aber das ist eine andere Geschichte. Systemd versucht aus meiner Sicht den Spagat des Kiss-Prinzips (ich bin für den Boot-Prozess zuständig), der umfassenden Integrations des (fälschungssicheren!) Loggings und der massiven Beschleunigung des Hochfahrens. Dabei wurden mit ein paar Paradigmen gebrochen: - Compilierte Sprache (C) statt script - Ersetzen des heiligen Prozesses init (PID 0) - Übernahme von bestimmten Diensten, die bisher separat liefen - möglichweise noch ein paar mehr .. Was bekommt man dafür: - Einfache Integration von neuen Programmen - Zentrales Konfigurationswerkzeug (systemctl) für den Bootprozess - Volle Parallelisierung des Bootprozesses / Sehr schnelles Starten des Systems Was verliert man: - 25 Jahre Know How, wie man sowas früher gelöst hat (das sehe ich als Hauptproblematik: Die ganzen alten Hasen müssen neu lernen) - Die leichte/schnelle Lesbarkeit / Änderbarkeit wie bei Skripten - Das leichtere Finden von Fehlern, wenn alles seriell hintereinander abläuft (ist nicht mehr deterministisch durch die Parallelisierung) Darüber kann man jetzt geteilter Meinung sein, aber nachdem mehr oder weniger alle Distributionen nennenswerten Distributionen auf den Zug aufgesprungen sind, muss an den Vorteilen imho schon was dran sein. Den größten Kritikpunkt, den ich immer höre, ist, dass man das alles für Server gar nicht braucht, da hier die Startzeit unerheblich ist. Da kann ich aber auf der anderen Seite sagen, dass es auch nicht stört, wenn es etwas schneller abläuft. Ich sehe systemd mehr als ein Gehäuse für einen leistungsfähigen Baukasten, wo man sich jetzt nicht mehr alle Klötze selber schnitzen muss. Was ich mir noch wünschen würde, ist die Integration in die Busybox (wurde leider in 1.24.1 entfernt). Desweiteren wäre eine Standard-API für eigene Module sicherlich sinnvoll, aber dafür ist es vermutlich zum aktuellen Zeitpunkt noch zu früh. Was ich auch mitbekomme, ist des öfteren der angebliche "Unwillen" der Systemd-Entwickler (allen voran vermutlich Lennard Pöttering), mit den etablierten OSSler konstruktiv zusammenzuarbeiten. Ich kann nicht beurteilen, was da dran ist, Da wäre es interessant, um welche Streitpunkte es da geht und wie die jeweilige Seite Ihre Ansicht begründet. Dazu findet man leider nicht viel. Just my 2ct Oliver Am 02.09.2016 um 07:16 schrieb Ulrich Lehmkühler: > Hallo, > > es kann schon sein, daß Nils Recht hat, die Diskussion über die Krake > systemd sei nicht gerade aktuell. Doch andere Wortmeldungen lassen > darauf schließen, daß sie noch abgeschlossen sei. Als ich darauf stieß, > war ich zu sehr mit dem Eselspinguin beschäftigt um mich darum zu kümmern. > > Ich wiederum hätte beim Thema systemd noch ein Interesse, mich mal mit > den Reparaturmodi auf unterster Ebene zu beschäftigen, weil ich aktuell > mit einem Festplattenabbild zum Praxisteil beitragen könnte... ;-( > > Aber mit derartigen Dinge beginnt man nicht und so ist mindestens eine > einführende Lektion angesagt. > > Und in dem Zusammenhang könnte man das Thema "Krake" auch abhandeln, > tendenziell eher am Schluß, weil es sehr schnell politisch wird ... > > Stellt sich nur die Frage, ob man es weg. des Kraken-Themas eher auf die > freitäglichen Abende legt und aufgrund des Umfanges auf mehrere Termine > verteilt oder es zusammen in einem Workshop (an dem ich mich auch als > Vortragender beteiligen würde) abhandelt. > > Gruß > > Ulrich > > -- Abmelden und Archiv: https://lists.opensourcetreffen.de/mailman/listinfo/discuss Alle E-Mails an diese Liste werden unlöschbar öffentlich archiviert
