Dennis Heidsiek wrote:

>> und am Rechner von anderen nicht arbeiten kann
> 
> Das ist natürlich die praktische Seite und auch der größte und
> bedeutendste Punkt, der gegen so einen Vorschlag spricht. 

Das ist für mich auch der Hauptgrund – die Lektion von Emacs und Lisp. 

Lisp als Programmiersprache lässt sich selbst in der Syntax sehr 
weitreichend anpassen, so dass ein Programmierer im Code eines anderen kaum 
etwas verstehen kann, und Emacs wurde geschaffen, um die hochgradig 
individualisierten Editier-Makros, die Hacker damals nutzten, wieder in 
einem System zusammenzuführen. 

Idealerweise sollten wir also ein Layout finden, das für jeden gut genug 
ist, dass er damit gut arbeiten kann. 

Vielleicht wäre es ja möglich, Varianten für verschiedene Arbeitsgebiete zu 
haben, aber auch das bewirkt das Problem, dass man immer im Kopf haben muss, 
in welcher Variante man gerade ist. 

Vergleichbar ist das vielleicht mit dem Vergleich zwischen einem 
Betriebssystem, in dem jedes Programm seine eigenen Kurzbefehle hat und 
einem, in dem es einheitliche Richtlinien gibt – z.B. xcvz. 

Aber das gilt nur für die Standardbelegung. Die zweite Lektion von Emacs ist 
nämlich: Ein Editor kann gleichzeitig auch Mailprogramm, Newsreader, 
Programmier-IDE und schlankes Tagebuchsystem sein, und er kann vollständige 
Anpassung bieten, solange diese Anpassung nur einfach mitzunehmen ist (bei 
emacs eine lisp-Datei (die allerdings weitere mitnutzen kann): ~/.emacs :) )

> Um eine Analogie zu bringen: Anstatt einem von allen
> verwendeten Windows hätten wir dann viele lustige und unterschiedliche
> verbreitete Linux-Distributionen, die aber alle auf einem gemeinsamen
> Kernel aufbauen würden.

Um die Analogie etwas weiter zu treiben: Sie bauen auch fast alle auf den 
GNU tools auf, die eine gemeinsame Benutzerschnittstelle liefern. Deswegen 
kann ich ein Ubuntu fast genauso nutzen wie ein Gentoo oder ein SUSE. 

Obendrauf laufen meist Gnome oder KDE mit nur kleinen Anpassungen. Je nach 
Distribution können die Nutzer aber mit nicht allzuviel Aufwand völlig 
andere Umgebungen aufsetzen (z.B. dwm, oder sogar ein Vollbild-Emacs als 
Desktop :) ). 

Entsprechend würde ich es zwar sehr begrüßen, leichter anpassbare 
Layoutbeschreibungen und einheitliche Austauschformate zu haben, denke aber 
gleichzeitig, dass es wichtig ist, einen Standard für neue Benutzer zu 
erarbeiten, der für die meisten Nutzer sinnvoll ist und mit dem die meisten 
deutlich besser arbeiten können als mit Qwertz (vergleichbar mit KDE und 
Gnome – oder den GNU tools). 

Dazu ein paar Standardvarianten (z.B. coole Unicode-Bilder für Foren, 
griechische und Mathematische Zeichen oder Vim- und Emacs-Modi mit besserer 
Erreichbarkeit von ESC, bzw. Alt und Strg) für spezialisierte Umgebungen. 

Und schlussendlich halt das Austauschformat für vollständige Anpassbarkeit. 

(wichtig auch: einen einfachen Weg, die Anpassungen zu veröffentlichen, 
damit Netzwerkeffekte entstehen können)

Damit hätten wir auch eine rudimentäre Vision für die Treiberentwicklung. 

Dazu brauchen wir eine Vision für die Hardware und eine Vision für die 
Standardbelegung. 

Und mit allen drei Teilen haben wir dann eine Vision dazu, was Neo 3 den 
verschiedenen Typen von Anwendern bringen kann. 

… 

Zumindest wäre das mein aktueller Ansatz. 

Liebe Grüße, 
Arne

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