> Joah kewl,
> könntest du dir vorstellen, ob es für OSM einen Weg gibt, an die 109
> Gemarkungen der Stadtteile Dresdens ranzukommen? Das wär natürlich der
> Knaller! Oder sind die eigentlich gar nicht wichtig? Ich hatte den
> Eindruck, dass die den Stadtteil festlegen, also nicht den statistischen
> sondern eher den historischen und der ja oft verwendet wird.
> 
> Und dann wollt ich noch fragen, ob du vielleicht ne Liste oder irgendne
> Möglichkeit kennst den Verlauf von Stadtvierteln in Erfahrung zu bringen
> (z.B. Hechtviertel, Waldschlösschenviertel, preußisches Viertel...)
> 
> 
> Die Ortschaftsbereiche und Ortschaften hab ich erstmal mit ihrer OSM-ID
> im osm-wiki auf der Statusseite Dresdens verlinkt:
> 
> http://wiki.openstreetmap.org/wiki/Dresden/Status#Ortsamtsbereiche_und_Ortschaften
> 
> Des Weiteren hab ich mal auf der Seite mit den Grenzen im OSM-Wiki
> Dresden eingetragen:
> 
> http://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Grenze#Kommunale_Ebene_-_Ortsteile_-_admin_level.3D9-11
> 
> Ob die 109 Gemarkungen (so wir sie denn hätten) wirklich admin_level=10
> wären, weiß ich nicht und hab ich auch eher so nach Gefühl eingetragen.
> 
> Grüße
> Christoph

Hallo, 

die Gemarkungen würde ich definitiv als wichtig bezeichnen. Ihre Grenzen 
richten sich in der Regel nach den Grenzen der alten Dorffluren, die mit der 
Eingemeindung zu Stadtteilgrenzen wurden. Ausnahme ist die Innenstadt, also das 
"eigentliche Dresden". Dieses besteht aus vier Gemarkungen (Altstadt I, 
Altstadt II, Friedrichstadt und Neustadt), in deren Gebiet wiederum zwölf 
Stadtteile liegen. Mit Ausnahme der Innenstadt eignen sich Gemarkungsgrenzen 
also sehr gut dafür, Grenzen von (historischen) Stadtteilen abzubilden. Die 
Dresdner Gemarkungen spielen eine wichtige Rolle in Katastern und Grundbüchern. 
Ihre Rolle für die offizielle Stadtgliederung haben sie faktisch eingebüßt.

Die Gliederung deutscher Kommunen ist in der jeweiligen Hauptsatzung 
festgeschrieben. Stadt- oder Ortsteile sind nicht Bestandteil der Dresdner 
Hauptsatzung, sondern nur die Ortsamtsbereiche (faktisch Stadtbezirke) und 
Ortschaften. Für statistische Zwecke gliedern diese sich in statistische 
Stadtteile. Ein statistischer Stadtteil gehört immer komplett zu einem 
Ortsamtsbereich. Die Grenzen der Gemarkungen stimmen hingegen in den meisten 
Fällen nicht mit den OA-Bereichsgrenzen überein. Bestes Beispiel hierfür ist 
die Gemarkung Strehlen, an der vier OA-Bereiche Anteile haben. Grund hierfür 
ist, dass die alten Dorfflur- und damit die aktuellen Gemarkungsgrenzen in 
vielen Fällen zu verwinkelt sind, um zusammenhängende Gebiete nachvollziehbar 
abbilden zu können. Grenzen statistischer Stadtteile richten sich daher 
bevorzugt nach geraden Straßen, Bahnstrecken usw. Bei statistischen Stadtteilen 
handelt es sich also zwar um eine offizielle Stadteinteilung, aber sie dient 
nur statistischen Zwecken und spielt keine weitere verwaltungsmäßige Rolle.

Es gibt also drei Stadtgliederungssysteme in Dresden:
a) Ortsamtsbereiche und Ortschaften für Verwaltungszwecke -> Admin-Level 9
b) Gemarkungen für Grundbuchzwecke -> kommt dem "Stadtteil ohne 
Selbstverwaltung" im Admin-Level 10 sehr nahe
c) Statistische Stadtteile für statistische Zwecke (auch Wahlkreise richten 
sich bspw. nach diesen Grenzen) -> Admin-Level 11

Leider wird keines der drei Systeme völlig der Wertigkeit eines echten 
Stadtteils mit all seinen Facetten (ermittelbare Fläche und Einwohnerzahl, 
verbindliche und klare Abgrenzung) gerecht. Für die teils seit Jahrhunderten in 
ihren Ausdehnungen beständigen Gemarkungen (historische Stadtteile) werden 
keine Einwohnerzahlen mehr ermittelt, sondern nur für statistische Stadtteile. 
Diese jedoch sind Kunstprodukte, die jeder historischen Grundlage entbehren, 
und spielen daher im Bewusstsein der Bevölkerung keine Rolle, sondern nur in 
Ämtern. Und die Ortschaften und Ortsamtsbereiche haben zwar den 
Verwaltungszweck, aber übersteigen in den meisten Fällen die Größe einfacher 
Orts- oder Stadtteile und sind ebenfalls ein neuzeitliches, regen Veränderungen 
unterworfenes Produkt. Und in der Innenstadt sind Stadtteilgrenzen meist nicht 
anhand von Grenzen statistischer Stadtteile oder Gemarkungen, sondern nur 
anhand uralter Festlegungen nachzuvollziehen (z. B. Prießnitz = Grenze zwischen 
Radeberger VS und Äußerer NS; Innere AS sowie Innere NS = Gebiet im ehemaligen 
Festungsbereich + überbaute frühere Festungsanlagen; Südvorstadt = Teil der 
Gemarkung Altstadt II südlich der Bahnstrecke; Bürgerwiese = Grenze zwischen 
See-VS und Pirn. VS usw.).

Wohl oder übel notwendig und sinnvoll ist also, alle drei Systeme nebeneinander 
abzubilden. Wie man an Gemarkungsgrenzen rankommt, ist im Prinzip einfach und 
aufwendig zugleich. Das städtische Vermessungsamt bietet dahingehend sehr 
exakte Karten an. Als ich für Wikipedia die Karten mit den Grenzen der 
Gemarkungen und der statistischen Stadtteile basteln wollte, habe ich einfach 
eine solche Karte abfotografiert und anschließend am PC die Grenzen 
nachgezeichnet. An einer ähnlichen Vorgehensweise wird wohl auch hier kein Weg 
vorbeiführen. 

Für Stadtviertel Grenzen festzulegen, geschweige denn überhaupt zu finden, 
halte ich für schwierig. Der Begriff ist ebenso schwammig und fließend wie die 
Grenzen, hat NULL offiziellen Charakter und kann bei Weitem nicht 
flächendeckend in Dresden Anwendung finden. Und rein anhand städtebaulicher 
Fakten ein Viertel abzugrenzen, wäre zwar eventuell sogar möglich (insbesondere 
bei den drei von Dir gebrachten Beispielen), aber nicht sinnvoll, weil dort 
auch andere (z. B. soziale) Komponenten mit reinspielen.

Viele Grüße!
DynaMoToR
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