> Wow! Das ist mal ne ausführliche und sehr informative Antwort! Vielen Dank!
> 
Gern, keine Ursache.
> 
> Gab es denn da früher nur die 4 genannten Stadtteile in der Innenstadt
> oder warum gibts da nur 4 Gemarkungen? Sind dann die Begriffe wie
> "Leipziger Vorstadt", "Albertstadt", "Pirnaische Vorstadt" etc.
> ausgedacht, weil nur statistischer Stadtteil oder hat das noch nen
> anderen historischen Bezug?
>
In der Innenstadt liegt die Sache, wie schon angedeutet, etwas anders. Die in 
diesen vier Gemarkungen gelegenen Teile der Stadt gehörten schon vor den großen 
Eingemeindungswellen des 20. Jahrhunderts zu Dresden. Die Innere Neustadt sowie 
das Gebiet der beiden Altstädter Gemarkungen, also auch der Bereich der 
späteren Stadtteile Johannstadt und Südvorstadt, gehörten schon ab Mitte des 
16. Jahrhunderts zum Weichbild der Stadt (siehe 
http://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklung_des_Stadtgebiets_von_Dresden). Dazu 
kamen 1835/36 die Friedrichstadt und weitere Teile der (heutigen Äußeren) 
Neustadt. Mitte des 19. Jahrhunderts dehnte sich das Stadtgebiet bereits vom 
Waldschlösschen bis zum Flügelweg und von der Uni bis zum St.-Pauli-Friedhof 
aus. Das bebaute Gebiet bestand damals im Wesentlichen aus der Altstadt (Innere 
Altstadt), der Neustadt (Innere Neustadt) und einigen Vorstädten auf Altstädter 
Seite. Dazu zählten die planmäßig angelegte Friedrichstadt und einige 
gassenartige Dörfer, die nach und nach zu den Stadtteilen Pirnaische, 
Wilsdruffer und Seevorstadt zusammenwuchsen. Bereits in dieser Zeit bekamen die 
Vorstädte ihre Namen. Die Pirnaische Vorstadt dehnte sich weiter nach Osten 
aus, wodurch die heute als Johannstadt bekannte Äußere Pirnaische Vorstadt 
entstand. Auch nach Süden setzte sich das Wachstum fort, es entstand die 
Südvorstadt. Auf Neustädter Seite bildete sich zunächst die Antonstadt heraus, 
also die Äußere Neustadt, später die Leipziger Vorstadt. Ab etwa 1860/1875 
wuchsen die Radeberger Vorstadt und die planmäßig angelegte Albertstadt (siehe 
http://de.wikipedia.org/wiki/Dresdner_Vorstädte). Das sind alles alte Begriffe. 
Zusammenfassend kann man also sagen, dass es einen Stadtkern mit großen 
zugehörigen und anfänglich unbebauten Ländereien in seiner Umgebung gab, in 
deren Gebiet nach und nach neue Stadtteile entstanden. Sie liegen zwar teils in 
der gleichen Flur, werden aber dennoch wegen ihrer Lage und/oder 
Entstehungsgeschichte unterschieden. Und die Stadtteilnamen sind keineswegs 
ausgedacht, sondern haben allesamt Jahrhunderte alte, historische Gründe. Die 
innenstädtischen Stadtteile mit Personennamen als Bestandteil (Friedrich, 
Anton, Albert, Johann) sind alle nach sächsischen Kurfürsten/Königen benannt 
(und zwar nach denen, in deren Regierungszeit sie gegründet wurden). Die 
Vorstädte innerhalb des 26er Rings, also Wilsdruffer, See- und Pirnaische 
(Klingt das wie eine neuzeitliche Benennung? Heute würde man wohl "Pirnaer" 
sagen, oder?) Vorstadt, haben ihren Namen von dem Stadttor, vor dem sie lagen 
(Pirn. Tor am heutigen Pirnaischen Platz, Wilsdruffer Tor am Postplatz, Seetor 
an der Seestr./Ecke Dr.-Külz-Ring). Und die anderen gehen ebenfalls auf 
Richtungen zurück (Südvorstadt selbsterklärend, die anderen liegen von der 
Innenstadt aus in Richtung der jeweiligen Städte Radeberg bzw. Leipzig und 
heißen auch "schon immer" so). 
> 
> So weit ich das verstanden habe, stimmt das aber für Altfranken
> beispielsweise nicht. Das gehört zum statistischen Stadtteil
> Altfranken/Gompitz wird aber vom Ortsamt Cotta mitverwaltet. Ich hab das
> daher so eingetragen, dass Altfranken zum Ortsamtsbereich Cotta gehört.
> War das verkehrt?
> 
Das ist aus heutiger Sicht verkehrt. Altfranken wurde zwei Jahre eher als 
Gompitz eingemeindet und anschließend gemeinsam mit dem Ortsamtsbereich Cotta 
verwaltet. Sitz der gemeinsamen Verwaltung war das OA im Rathaus Cotta. 
Altfranken hatte trotzdem die ganze Zeit einen eigenen Ortschaftsrat. Nur der 
Verwaltungsapparat saß in Cotta. Heute sitzt die Altfrankener Verwaltung in 
Gompitz (siehe http://www.dresden.de/de/02/080/c_111.php) bzw. genauer in 
Pennrich. Dass sie noch immer in Cotta säße, geistert an verschiedenen Orten im 
Internet herum, entspricht jedoch längst nicht mehr den Tatsachen.
> 
> Das versteh ich jetzt nicht so ganz. Soziale Komponenten bei der
> Abgrenzung von Stadtvierteln?
> Ich persönlich denke, die Stadtviertel sind real vorhanden, also sollten
> wir sie auch eintragen. Selbst wenn wir nicht so genau wissen, wo die
> lang gehen, so können wir das immerhin erstmal grob sagen und an der
> städtebaulichen Struktur abschätzen. Irgendwann trägts halt mal jemand
> genauer ein, der es besser weiß.
> Nur weils schwammig und ungenau ist - würde ich nicht von "nicht
> sinnvoll" sprechen.
> 
Das, was ich meine, geht ähnlich auch aus dem entsprechenden WP-Artikel über 
Stadtviertel hervor (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Stadtviertel). Die 
Abgrenzung lässt sich oft eben nicht exakt machen, z. B. im Falle Wilder Mann 
(siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Wilder_Mann_(Dresden), ein "typisches" 
Stadtviertel).

Das soll's erstmal wieder gewesen sein. Viele Grüße!
DynaMoToR
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