Wow! Das ist mal ne ausführliche und sehr informative Antwort! Vielen Dank!
[email protected] schrieb: > Hallo, > > die Gemarkungen würde ich definitiv als wichtig bezeichnen. Ihre Grenzen > richten sich in der Regel nach den Grenzen der alten Dorffluren, die mit der > Eingemeindung zu Stadtteilgrenzen wurden. Ausnahme ist die Innenstadt, also > das "eigentliche Dresden". Dieses besteht aus vier Gemarkungen (Altstadt I, > Altstadt II, Friedrichstadt und Neustadt), in deren Gebiet wiederum zwölf > Stadtteile liegen. Mit Ausnahme der Innenstadt eignen sich Gemarkungsgrenzen > also sehr gut dafür, Grenzen von (historischen) Stadtteilen abzubilden. Gab es denn da früher nur die 4 genannten Stadtteile in der Innenstadt oder warum gibts da nur 4 Gemarkungen? Sind dann die Begriffe wie "Leipziger Vorstadt", "Albertstadt", "Pirnaische Vorstadt" etc. ausgedacht, weil nur statistischer Stadtteil oder hat das noch nen anderen historischen Bezug? > Die Dresdner Gemarkungen spielen eine wichtige Rolle in Katastern und > Grundbüchern. Ihre Rolle für die offizielle Stadtgliederung haben sie > faktisch eingebüßt. > > Die Gliederung deutscher Kommunen ist in der jeweiligen Hauptsatzung > festgeschrieben. Stadt- oder Ortsteile sind nicht Bestandteil der Dresdner > Hauptsatzung, sondern nur die Ortsamtsbereiche (faktisch Stadtbezirke) und > Ortschaften. Für statistische Zwecke gliedern diese sich in statistische > Stadtteile. Ein statistischer Stadtteil gehört immer komplett zu einem > Ortsamtsbereich. So weit ich das verstanden habe, stimmt das aber für Altfranken beispielsweise nicht. Das gehört zum statistischen Stadtteil Altfranken/Gompitz wird aber vom Ortsamt Cotta mitverwaltet. Ich hab das daher so eingetragen, dass Altfranken zum Ortsamtsbereich Cotta gehört. War das verkehrt? > Die Grenzen der Gemarkungen stimmen hingegen in den meisten Fällen nicht mit > den OA-Bereichsgrenzen überein. Bestes Beispiel hierfür ist die Gemarkung > Strehlen, an der vier OA-Bereiche Anteile haben. Grund hierfür ist, dass die > alten Dorfflur- und damit die aktuellen Gemarkungsgrenzen in vielen Fällen zu > verwinkelt sind, um zusammenhängende Gebiete nachvollziehbar abbilden zu > können. Grenzen statistischer Stadtteile richten sich daher bevorzugt nach > geraden Straßen, Bahnstrecken usw. Bei statistischen Stadtteilen handelt es > sich also zwar um eine offizielle Stadteinteilung, aber sie dient nur > statistischen Zwecken und spielt keine weitere verwaltungsmäßige Rolle. Verwinkelt bis zum geht nicht mehr sind übrigens auch die Postleitzahlenbereiche. > Es gibt also drei Stadtgliederungssysteme in Dresden: > a) Ortsamtsbereiche und Ortschaften für Verwaltungszwecke -> Admin-Level 9 > b) Gemarkungen für Grundbuchzwecke -> kommt dem "Stadtteil ohne > Selbstverwaltung" im Admin-Level 10 sehr nahe > c) Statistische Stadtteile für statistische Zwecke (auch Wahlkreise richten > sich bspw. nach diesen Grenzen) -> Admin-Level 11 > Na dann hab ich ja bisher alles richtig gemacht. > Leider wird keines der drei Systeme völlig der Wertigkeit eines echten > Stadtteils mit all seinen Facetten (ermittelbare Fläche und Einwohnerzahl, > verbindliche und klare Abgrenzung) gerecht. Für die teils seit Jahrhunderten > in ihren Ausdehnungen beständigen Gemarkungen (historische Stadtteile) werden > keine Einwohnerzahlen mehr ermittelt, sondern nur für statistische > Stadtteile. Diese jedoch sind Kunstprodukte, die jeder historischen Grundlage > entbehren, und spielen daher im Bewusstsein der Bevölkerung keine Rolle, > sondern nur in Ämtern. Und die Ortschaften und Ortsamtsbereiche haben zwar > den Verwaltungszweck, aber übersteigen in den meisten Fällen die Größe > einfacher Orts- oder Stadtteile und sind ebenfalls ein neuzeitliches, regen > Veränderungen unterworfenes Produkt. Und in der Innenstadt sind > Stadtteilgrenzen meist nicht anhand von Grenzen statistischer Stadtteile oder > Gemarkungen, sondern nur anhand uralter Festlegungen nachzuvollziehen (z. B. > Prießnitz = Grenze zwischen Radeberger VS und Äußerer NS; Innere AS sowie Innere NS = Gebiet im ehemaligen Festungsbereich + überbaute frühere Festungsanlagen; Südvorstadt = Teil der Gemarkung Altstadt II südlich der Bahnstrecke; Bürgerwiese = Grenze zwischen See-VS und Pirn. VS usw.). > Man ist das bekloppt in Dresden. Wer denkt sich denn so kompliziertes Zeuch aus? > Wohl oder übel notwendig und sinnvoll ist also, alle drei Systeme > nebeneinander abzubilden. Wie man an Gemarkungsgrenzen rankommt, ist im > Prinzip einfach und aufwendig zugleich. Das städtische Vermessungsamt bietet > dahingehend sehr exakte Karten an. Als ich für Wikipedia die Karten mit den > Grenzen der Gemarkungen und der statistischen Stadtteile basteln wollte, habe > ich einfach eine solche Karte abfotografiert und anschließend am PC die > Grenzen nachgezeichnet. An einer ähnlichen Vorgehensweise wird wohl auch hier > kein Weg vorbeiführen. > Wäre noch die Frage, ob man sowas überhaupt darf. Ich würde sagen moralisch ja, da ja Grenzen eigentlich ne offizielle Sache sind. Juristisch ist das ja aber immer alles anders als man so denkt. Hat da jemand ne Meinung, Idee oder sowas dazu? > Für Stadtviertel Grenzen festzulegen, geschweige denn überhaupt zu finden, > halte ich für schwierig. Der Begriff ist ebenso schwammig und fließend wie > die Grenzen, hat NULL offiziellen Charakter und kann bei Weitem nicht > flächendeckend in Dresden Anwendung finden. Und rein anhand städtebaulicher > Fakten ein Viertel abzugrenzen, wäre zwar eventuell sogar möglich > (insbesondere bei den drei von Dir gebrachten Beispielen), aber nicht > sinnvoll, weil dort auch andere (z. B. soziale) Komponenten mit reinspielen. Das versteh ich jetzt nicht so ganz. Soziale Komponenten bei der Abgrenzung von Stadtvierteln? Ich persönlich denke, die Stadtviertel sind real vorhanden, also sollten wir sie auch eintragen. Selbst wenn wir nicht so genau wissen, wo die lang gehen, so können wir das immerhin erstmal grob sagen und an der städtebaulichen Struktur abschätzen. Irgendwann trägts halt mal jemand genauer ein, der es besser weiß. Nur weils schwammig und ungenau ist - würde ich nicht von "nicht sinnvoll" sprechen. Danke und Grüße Christoph
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