Hallo Bernhard,

Am 29.03.2019 11:42 schrieb Bernhard E. Reiter:
Ein Punkt ist mir jedoch noch wichtig: Die FSFE ist **keine**
Lobbyorganisation, da wir primär Aufklärung ("Volksbildung") betreiben.

Am 01.04.2019 11:13 schrieb Bernhard E. Reiter:
Bei Verhandlungen wäre es oft unklug, wenn wir unsere Strategie und Taktik
vorher veröffentlichen würden. Auch im Nachhinein geht das häufig nicht
vollständig , da es einige Leute gibt, die sich erstmal vertraulich aufklären
lassen wollen

Diese beiden Aussagen von dir widersprechen sich in meinen Augen. Entweder möchten wir über Freie Software aufklären und dafür kämpfen oder vertrauliche Gespräche als eine mögliche Lobby-Organisation führen. Beides geht meiner Meinung nach nicht. Ich finde, dass man diesen Widerspruch auch sehr gut an unserer aktualisierten Pressemitteilung sehen kann (die ich auch in der 2. Version noch schlecht finde):

Das freie Internet wird für die nächsten 20 Jahre in Europa kaputt gemacht. Freie und Open-Source-Plattformen wie z.B. Mastodon-Instanzen werden Probleme haben, sich gegen Uploadfilter zu wehr zu setzen. Der "freie" Meinungsaustausch wird nur noch innerhalb geschlossener Gruppen auf Internetplattformen stattfinden. Die europäische Kommission entwickelt schon jetzt erste staatliche Eingriffsmöglichkeiten bei Uploadfiltern, z.B. um uns vor Terrorismus zu schützen. Und alles was der Free Software Foundation Europe dazu einfällt ist: Hey, toll, immerhin bleiben Plattformen fürs Codesharing davon ausgenommen. Das sei ein Zeichen dafür, dass die EU die Entwicklung Freier Software in Europa gesund, solide und lebendig halten will.

Nein, das ist es nicht. Es wird in Zukunft noch schlechter um Freie Software in Europa bestellt sein. Die EU Copyright Directive macht es für die nächsten Jahrzehnte unmöglich, dass es eine ernsthafte FOSS-Alternative zu Facebook, YouTube und Co. auch nur geben könnte. Der nächste Schritt wird die vom Bundestag beschlossene Kriminalisierung von Nutzerinnen und Nutzern der Open Source Software Tor und VPN-Anbietern und damit von Freifunker*innen sein.

Am 01.04.2019 11:13 schrieb Bernhard E. Reiter:
und dass Freie Software immer die Freie Rede mitmeint.

Das ist leider nicht so, da Freie Software ja für jeden Zweck verwendet werden darf. Wenn wir das verschwiegen, dann klärten wir nicht richtig auf. >:)

Freie Rede darf auch für jeden Zweck verwendet werden. Genau das hat Stallman in die DNA des Konzepts von Freier Software geschrieben: "To understand the concept, you should think of "free" as in "free speech," not as in "free beer"."

Oder wie Roy Schestowitz sagt: "Free as in freedom means free speech, too."


Viele Grüße
Christian Imhorst
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