Hallo zusammen,

Vielen Dank für Eure Kommentare und Ansichten zu dem Thema.


> Wolfgang: Eingegriffen werden muß aus meiner Sicht nur, wenn etwas 
> rechtswidrig ist.

Ist das wirklich ausreichend? Es gibt einiges, was moralisch verwerflich aber 
nicht „strafbewährt“ ist.
Hier gefällt mir sehr die Aussage von 

> Alexander: Für mich sind nicht alle Meinungen zu tolerieren.  In einer 
> offenen, humanistischen Gesellschaft müssen wir menschenfeindlichen Aussagen 
> klar entgegen treten.

Aber: Die offene, humanistische Gesellschaft scheint sich bei uns zunehmend (in 
anderen Ländern rasant zunehmend) in diktatorische Verhältnisse zu wandeln.
Bundesinnenministerin Faeser, Alexander Dobrindt: Wir können Telegramm nicht 
kontrollieren, also sperren, abschalten, etc.

> Michael: die Meinung eines anderen zu ändern, nannte man früher einmal 
> "überzeugen“.

Es fällt mir gefühlt immer schwerer mit Mitmenschen zu disputieren. Bestimmte 
Themen mag ich gar nicht ansprechen, weil sie nicht mehr sachlich
besprochen werden können. Wie kommt es, dass da jeder zweite, dritte sofort in 
Aggression verfällt?

> Michael: Nicht die Medien (hier Telegram) sind das eigentliche Problem, 
> sondern das Problem ist, dass es Mitbürger gibt, die sich dort in einer Weise 
> äußern, die dem Gemeinwohl und der politischen Kultur äußerst abträglich ist.

Genau das meine ich. Und ich vermute, es liegt an der Distanz, die soziale 
Medien bieten. In den Chaträumen wird eine Kultur geübt, die
(Weil nicht sanktioniert) aggressives Verhalten überdurchschnittlich mehr Gehör 
und Aufmerksamkeit beschert. Diese Kultur des "sich
echauffieren" überträgt sich in die „analoge" Welt. 

"auf die Absender der Botschaften Einfluss nehmen“ könnte dann der genau 
falsche Ansatz sein, da diese Menschen dann ja wieder Aufmerksamkeit bekommen.

Das ist eine Zwickmühle. Ähnlich, wie Medien sich selbst auch beschränken 
müssen, wenn sie über Terrorakte berichten. Schließlich
Erfüllen sie damit ein Ziel der Terroristen, nämlich Aufmerksamkeit (um jeden 
Preis) zu bekommen.

Wenn ich es recht verstanden habe unterstützt hier keiner, dass Telegram 
eingeschränkt wird. So, wir Dirk es formuliert:
> Handelt es sich nicht viel mehr um ein gesellschaftliches denn ein 
> technisches Phänomen?
Und Alex:
> Es ist meiner Meinung nach nicht zielführend diese Verantwortung an die 
> Plattformen auszulagern, noch dazu wenn diese im Ausland sitzen.

Technisch, da sind wir uns glaube ich einig, wird es keine Lösung geben.
Gesellschaftlich Veränderung herbeizubringen, ist ein schwieriges Unterfangen.
Schule könnte da was leisten, denke ich. Und der Einzelne, in der Situation 
angemessen und mit Fingerspitzengefühl argumentierend. Auch, wenn es schwer 
fällt.

Viele Grüße,
Carsten


> Am 18.01.2022 um 20:52 schrieb Dr. Michael Stehmann 
> <[email protected]>:
> 
> Hallo,
> 
> die Meinung eines anderen zu ändern, nannte man früher einmal "überzeugen". 
> Heute soll ein solches Unterfangen Zensur und Unterdrückung sein.
> 
> "Überzeugungsarbeit", aber auch die Bereitschaft, die eigene Überzeugung in 
> Frage zu stellen und gegebenenfalls seine Meinung zu ändern, war einmal der 
> Preis, den alle Bürger für eine funktionierende Demokratie aufbringen sollten.
> 
> Daher kann man schon die Frage stellen, in welcher Ordnung die leben wollen, 
> die sich das "Recht" zum Mobbing nicht nehmen lassen wollen. Die der 
> Überzeugungskraft der eigenen Argumente so wenig trauen, dass sie zur 
> Vernichtung  oder zumindest zum Zum-Schweigen-Bringen Andersdenkender 
> aufrufen und versuchen, diese entsprechend einzuschüchtern.
> 
> Zurück zum Thema: Nicht die Medien (hier Telegram) sind das eigentliche 
> Problem, sondern das Problem ist, dass es Mitbürger gibt, die sich dort in 
> einer Weise äußern, die dem Gemeinwohl und der politischen Kultur äußerst 
> abträglich ist.
> 
> Also nicht den Boten "köpfen", sondern auf die Absender der Botschaften 
> Einfluss nehmen! Diese sind, wie schon geschrieben worden ist, das Problem 
> und würden sich unweigerlich andere Kommunikationskanäle suchen.
> 
> Gruß
> Michael
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