Am 16.10.23 um 08:26 schrieb Ilu:
Joachim: Es geht hier nicht um Firmen, die IOT verkaufen oder irgendwas in Autos einbauen. Die nutzen nämlich freie Software nur, aber erstellen sie nicht. Und ihren Kunden gegenüber haften sie ohnehin. Das ist alles schon längst geregelt.


Das verstehe ich nicht: Wer entwickelt denn die Steuerungen von vernetztem Zeugs? AFAIK hat VW eine extra Tochter dafür. Und machen die alles selber? Oder gibts auf sourceforge ein klein wenig Quellcode (wie log4j), das Alle nutzen, aber keiner die Entwicklerin von dem Fetzen Quellcode bezahlt? Oder gibts ausgerechnet bei den Steuerungen nur hochbezahlte Entwicklerinnen, die ausschließlich proprietären Code schreiben?
Joachim, Du findest es ernsthaft angemessen, dass etwa der Programmierer von curl haften soll, wenn in einem Auto oder einem IOT-Gerät (wegen einem bug) das Update fehlschlägt und deshalb was schiefgeht?

Wer sollte denn sonst haften, wenn nicht die Entwicklerin, wenn durch ihren (fahrlässig) verursachten Fehler bei einem (Verkehrs-/Kraftwerks)Unfall Menschen verletzt werden?

Um im Beispiel zu bleiben: Bei VW hätte sicher auch die Tochter und der Konzern als Herstellerin zu haften -- das ändert aber an der Haftung für den kleinen Fetzen nix.


Und ja: Da könnte es Entwicklerinnen geben, die sich das nicht mehr leisten können. Dann wird die Industrie irgendwann feststellen: "Hoppla, die Geschenke bleiben aus!" Was werden die Verantwortlichen also tun??

Ich bin überzeugt, dass hier ganz fix neue Geschäftsmodelle entstehen werden -- einschließlich menschenwürdiger Bezahlung!


Am 15.10.23 um 17:41 schrieb Dr. Michael Stehmann:
Hallo,

die grundsätzliche Frage scheint mir zu sein: Wer soll haften, die Person, die Software herstellt, oder die, die Software einsetzt?

Ein einfaches Beispiel: Der Hersteller eines Datenbankmanagementsystems, das als Freie Software verbreitet wird, Kann nicht alle Zwecke kennen, für die es eingesetzt wird.

Wird es nur für die Verwaltung einer Briefmarkensammlung eingesetzt, ist ein möglicher Schaden durch ein "Leck" eher irrelevant. Wird es für die Verwaltung von Millionen Kreditkartendaten oder von einem Kranken- oder Sozialversicherer eingesetzt, ist dies evidentermaßen anders.

Wird das Programm nur auf einen "unvernetzten" Rechner eingesetzt, wäre ein solcher Fehler ebenfalls irrelevant, solange der unbefugte physische Zugang zum Rechner verhindert wird.

Daher ist es IMO die verwendende Person, die die Risiken der Nutzung einer solcher Software tragen sollte, denn sie hat erstens den Nutzen vom Einsatz der Software und zweitens ist sie am Besten in der Lage, die Risiken zu beherrschen und zu minimieren (von der Firewall bis zum Türschloss).

Bei Freier Software kommt noch hinzu, dass das Recht und die Möglichkeit zum Studium derselben eingeräumt wird, Warum sollen sich aus diesen erhöhten Rechten der verwendenden Person nicht auch erhöhte (Prüfungs-)Obliegenheiten derselben ergeben?

Ein weiteres Argument ist die Versicherbarkeit der Risiken. Das Risiko ist für das Projekt, welches ein freies DBMS herstellt, kaum kalkulierbar. Es ist aber viel besser kalkulierbar für die konkrete Verwendung desselben.

Oder um zum "Handgranatengeschenk" zu kommen: Software an sich ist ungefährlich. Erst ihr konkreter Einsatz kann riskant sein.

Aus guten Grund ist nach deutschem Recht auch der Haftungsmaßstab bei einer Schenkung ein anderer, als bei einem Verkauf.

Gruß
Michael


_______________________________________________
FSFE-de mailing list
[email protected]
https://lists.fsfe.org/mailman/listinfo/fsfe-de

Diese Mailingliste wird durch den Verhaltenskodex der FSFE abgedeckt.
Alle Teilnehmer werden gebeten, sich gegenseitig vorbildlich zu
behandeln: https://fsfe.org/about/codeofconduct

_______________________________________________
FSFE-de mailing list
[email protected]
https://lists.fsfe.org/mailman/listinfo/fsfe-de

Diese Mailingliste wird durch den Verhaltenskodex der FSFE abgedeckt.
Alle Teilnehmer werden gebeten, sich gegenseitig vorbildlich zu
behandeln: https://fsfe.org/about/codeofconduct

--
Joachim Jakobs          2048R/D5D1F6DD 2012-03-03
  fon: +49-6233-1259.181  [email protected]
  mob: +49-176-97325.333  [email protected]

PGP: D5D1F6DD

Attachment: OpenPGP_signature.asc
Description: OpenPGP digital signature

_______________________________________________
FSFE-de mailing list
[email protected]
https://lists.fsfe.org/mailman/listinfo/fsfe-de

Diese Mailingliste wird durch den Verhaltenskodex der FSFE abgedeckt.
Alle Teilnehmer werden gebeten, sich gegenseitig vorbildlich zu
behandeln: https://fsfe.org/about/codeofconduct

Antwort per Email an