Liebe Jünger-Freunde, nachstehende Rez. zu Kiesel/Schwilk/Blumenberg ist im aktuellen Heft von CICERO abgedruckt. Beste Grüsse rundum, Ihr /Euer tw
http://www.cicero.de/259.php?ress_id= &item= 10463 Cicero. Magazin für politische Kultur Ausgabe October 2007 Über Ernst Jünger von Jürgen Busche Über keinen der weithin bekannten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ist so viel Verfehltes und Verfehlendes geschrieben worden wie über Ernst Jünger. Ja, man würde bei dem einen oder anderen Stück leicht von schierem Unsinn sprechen, drängte sich nicht bei den meisten Autoren das Motiv des Schreibens hinein, das nicht so grob abzutun ist. Im Gegensatz dazu zeigen philologische Bemühungen um das Werk - und gerade die bekanntesten oft eine bessere Kenntnis der Literatur und Sekundärliteratur, in die es einzuordnen wäre, als der Texte Jüngers aus den vielen Jahrzehnten. Ein Jahr, bevor sich Ernst Jüngers Todestag er starb 1998 zum zehnten Mal jährt, sind nun drei Bücher erschienen, die Jüngers Bild groß auf dem Cover zeigen und dazu einladen, sich wieder mit dem Mann zu beschäftigen. Diese Bücher könnten unterschiedlicher nicht sein. Es reicht nicht, nur eines zu lesen, wenn man Antwort auf die Frage erhalten , vielleicht auch sie selber formulieren will: wer war Ernst Jünger, was wollte er, was konnte er, wo ist sein Platz in unserer Geschichte? Die professorale Antwort kommt aus Heidelberg, wo Jünger 1895 geboren wurde. Helmuth Kiesel hat eine Biographie vorgelegt, in der die großen Bücher den Eindruck beherrschen, den man von ihrem Autor erhält, ohne es mit ihrem Rang zu übertreiben. Jüngers nächst dem Kriegsbuch In Stahlgewittern bedeutendstes Buch Auf den Marmorklippen wird mit einem Wort Thomas Manns maliziös als das Renommierbuch der 12 Jahre bezeichnet, womit immerhin gesagt ist, dass es das auffallendste Zeugnis regimekritischer Literatur in der Nazi-Zeit war, das erscheinen konnte und einige Verbreitung fand. Hierzu trägt der Professor für Neuere Deutsche Literatur einige Beobachtungen bei, die bemerkenswert sind. So ist einmal die Rede von jenen Polytechnikern der Macht , nun zum Widerstand gegen die Macht der Barbarei bereit, die Sagunt zu Asche brannten. Hier weist Kiesel darauf hin, dass das Sagunt des Altertums für das nicht weit entfernt liegende Guernica der Gegenwart stehen könnte, zwei Jahre vor Erscheinen des Romans von deutschen Fliegern bombardiert, zumal da dies im Zusammenhang mit dem großen Aufstand in den Iberischen Provinzen geschah, den sie mit ihrem Maschinen erledigt hätten. Das bekräftigt die Einschätzung des Buchs als Dokument des Widerstands das geben zu wollen Jünger allerdings stets bestritten hat. Für wen Kiesel sein Buch geschrieben hat, bleibt unklar. Offenkundig legt er Wert darauf, bei seinen Studenten politisch korrekt zu erscheinen. So spart er einerseits nicht mit Exclamationen des Entsetzens, wenn er besonders abstoßende Wendungen aus Jüngers politischer Publizistik zitiert, andrerseits führt er den Leser aber immer wieder geduldig zur Anerkennung von Jüngers untadeliger Haltung in diesem oder jenem Fall. Schreibende Professoren sind stets auch Notare des Zeirtgeistes. Dem zu huldigen hat der Journalist Heimo Schwilk nicht nötig. Das Verdienst seiner Biographie liegt darin, dass er zum ersten Mal die Kriegsjahre Jüngers mit großer Ausführlichkeit behandelt und dabei auf bisher unveröffentliche Texte zurückgreift. Dass Jünger nicht verstanden kann, wenn man nicht seine Zeit als Soldat des Ersten Weltkriegs, die ihn prägte, begreift, sollte selbstverständlich sein, war es aber für etliche seiner bisherigen Exegeten nicht. Über Literatur zu schreiben, ist unübersehbar die Leidenschaft Schwilks nicht, er bevorzugt die Zuspitzung des Urteils darüber, wenn ihm etwa in dem pfeifenden Männchen an der mit Menschenhaut gespannten Schinderbank aus den Marmorklippen ein vorweggenommener Doktor Mengele begegnen will. Den Soldaten Jünger im Zweiten Weltkrieg behandelt Schwilk zurückhaltend. Der zu Anfang zum Hauptmann und hernach nie weiter beförderte Schriftsteller fragte beim Vormarsch in Frankreich einen am Straßenrand stehenden General: Darf man hoffen, noch ins Gefecht zu kommen? So steht es korrekt in der Inhaltsangabe zum Vierzehnten Kapitel. Im Buchtext selber liest man die Frage, in indirekter Rede ob man denn noch ins Feuer komme? Das darauf Hoffen ist gestrichen. Überhaupt mutet dergleichen etwas befremdlich bei einem 45 Jahre alten Familienvater an, der wahrlich weiß, wovon er redet. Hier müsste aber das Biographische ansetzen. Die Unentschiedenheit, wie denn Ernst Jünger zu sehen ist, prägt die Aufzeichnungen, die der Philosoph Hans Blumenberg, der als rassistisch Verfolgter diese 12 Jahre nur knapp überlebte, von den frühesten Gelehrtenjahren an zu Papier gebracht hat. Es ist kaum überraschend, dass Blumenberg, der anfang der 50er Jahre im katholischen Hochland vorzügliche Literaturkritiken schrieb, hier nicht zögert, Jünger Schwächen als Schriftsteller, als Stilist vorzuhalten, wobei Geschmacklosigkeit nicht immer auf Schwächen im Stil zurückzuführen ist. Die Lektüre Jüngers hat Blumenbergs Leben begleitet: Wenn einer wie ich 1950 angesichts von `Heliopolis` erklärte, nie wieder ein Buch dieses Autors in die Hand zu nehmen, geschah es wegen der Unvermeidlichkeit, jedes weitere an der 1939er Erfahrung von `Auf den Marmorklippen`zu messen. Jahrzehnte darauf notiert er: Die späten Reisenotizen gehören zum Kostbarsten der Gattung. Auch der Skeptiker gegen alles Jüngerische wird da hineingezogen und mitgerissen. Mit dem Alter kommt auch die Übereinstimmung in gleichgelagerten Erfahrungen. Da zitiert Blumenberg in dem Artikel Jahrhundertgestalt (1995 für die NZZ) eine Selbstkritik Jüngers aus den Tagebüchern von 1987 Siebzig verweht: Übrigens würde ich mich heute nicht mehr in der Art profilieren, die ich während des Zweiten Weltkriegs noch für richtig hielt. Man hat weniger die Tyrannen am Halse als rundum die Masse, die sie schuf. Der Weg zum Bild Ernst Jüngers in der Geschichte wird in die Richtung gehen, in der Blumenberg nach Orientierung suchte. Hans Blumenberg: Der Mann vom Mond Über Ernst Jünger. Herausgegeben von Alexander Schmitz und Marcel Lepper. Suhrkamp Verlag Frankfurt a.M. 2007. 186 Seiten, 19,80 Euro. Helmuth Kiesel: Ernst Jünger Die Biographie Siedler Verlag München 2007. 717 Seiten, 24, 95 Euro. Heimo Schwilk: Ernst Jünger Ein Jahrhundertleben. Die Biographie, Piper Verlag München 2007. 423 Seiten, 24,90 Seiten. -- Tobias Wimbauer | Wimbauer Buchversand Waldhof Tiefendorf Tiefendorfer Str. 66 58093 Hagen-Berchum 02334-502826 http://www.waldgaenger.de/fragebogen.html USt-IdNr.: DE251720280 unsere Angebote (ZVAB, AbeBooks, Amazon, Booklooker, Antbo, Antiquario, Antikbuch24, Guthschrift, Buchfreund und Allstores) finden Sie hier: http://www.waldgaenger.de/wimbauerbuchversand.html http://www.waldgaenger.de/tiefendorf.JPG einen Büchergruß an TW senden: http://www.amazon.de/gp/registry/IBSBOT1B0 Yahoo! Groups Links <*> Besuchen Sie Ihre Group im Web unter: http://de.groups.yahoo.com/group/juenger_org/ <*> Ihre Mail-Einstellungen: Einzelne Mails | Klassisch <*> Wenn Sie die Einstellungen online ändern möchten, gehen Sie zu: http://de.groups.yahoo.com/group/juenger_org/join (Yahoo!-ID erforderlich) <*> Zum Ändern der Einstellungen per Mail: mailto:[email protected] mailto:[email protected] <*> Um sich von der Group abzumelden, senden Sie eine Mail an: [email protected] <*> Mit der Nutzung von Yahoo! Groups akzeptieren Sie unsere: http://de.docs.yahoo.com/info/utos.html
