Liebe Jünger-Freunde,

am 20. 10. fand in Göttingen die Buchvorstellung von Heimo Schwilks 
Jünger-Biographie statt. Niels Penke hat dankenswerterweise für den 
Jünger-Rundbrief einen Bericht über den Abend verfasst. Dieser anbei.

Beste Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw





Niels Penke: Zwischen Grass und Antifa – Heimo Schwilk spricht in Göttingen 
über Ernst Jüngers Jahrhundertleben (20.10.2007)

Selten ist in Göttingen so viel los wie im Oktober. Traditionellerweise 
verwandelt der Literaturherbst die kleine Stadt in ein kulturelles Eldorado; 
altbekannt-klangvolle Namen locken zu gepflegter Langeweile die Massen, 
Newcomer und Geheimtipps bieten interessante Veranstaltungen für Eingeweihte - 
für gewöhnlich neben den Händel-Festspielen der Höhepunkt eines jeden Jahres. 
Doch im Jahre 2007 überschatteten die Feierlichkeiten anlässlich des 80. 
Geburtstags des noch altbekannt-klangvolleren Günter Grass den literarischen 
Herbst. Am Abend des 20. Oktober hatten NDR und Steidl-Verlag in die Lok-Halle 
zur großen Gala geladen, mit Hochprominenz aus Politik, TV und Kulturindustrie. 

All das schien Heimo Schwilk ebenso wenig zu interessieren wie die ca. 50 
Besucher im winterlich-frischen Saal des Alten Rathauses. Hier sollte es einzig 
um Ernst Jünger gehen, und Schwilks jüngst erschiene Biographie 
selbstverständlich. Prof. Dr. Franziska Meier vom Romanischen Seminar der 
Universität Göttingen schickte sich als Moderatorin an, durch den Abend zu 
führen. Nach einer knappen Vorstellung der Person, lenkte sie auch sogleich die 
Frage auf den zur Zeit kursierenden „Wettstreit“, der zwischen Schwilks 
Biographie und dem ähnlich gearteten Opus Helmuth Kiesels bestehe. Schwilk 
verweigerte eine eindeutige Stellungnahme, vielmehr wich er elegant aus, 
erzählte aus seinen früheren Studienzeiten in Heidelberg, wo er bei Kiesel ein 
Seminar zur „inneren Emigration“ besuchte und betonte den witzigen Zufall, daß 
man nun rund dreißig Jahre später zeitgleich mit einem Buch über Ernst Jünger 
an die Öffentlichkeit trete. Aus Schwilk sprach Zufriedenheit und 
Selbstbewusstsein, so als wisse er schon ganz genau, daß er das Duell um DIE 
Biographie zweifellos für sich entscheiden wird. Mit keinem Wort jedenfalls 
wurde auf das Werk des Lehrers Bezug genommen. Die Vorzüge des eigenen über die 
Defizite des anderen Buches zu profilieren, wie es die Frage hätte nahe legen 
können, ließ sich Schwilk nicht herab – Die im späteren Verlauf des Gesprächs 
zitierte Sentenz Ernst Jüngers „Wer sich selbst kommentiert, geht unter sein 
Niveau“ hatte scheinbar auch Schwilk zum Credo erhoben. Lieber ließ er da sein 
Geschriebenes für Qualität bürgen und las mehrere Passagen über das 
Jahrhundertleben Ernst Jüngers, besonders eindringlich jene über die letzten 
Jahre. Immer wieder schaltete sich Frau Prof. Meier ein und stellte (die 
üblichen) kritische(n) Fragen zu Leben und Werk des großen Schriftstellers: 
Über die Erfahrung des Ersten Weltkrieges und die verstiegenen 
Sinngebungsversuchen, über Jüngers Ästhetizismus, dessen Rolle im Dritten 
Reich, die „schwierige“ Beschäftigung mit einem so „umstrittenen“ Autor und 
schließlich – hier lag gewiß der größte Reiz dieser Veranstaltung – über die 
Beziehung Schwilks zu Jünger. Dieser gab bereitwillig Auskunft über die erste 
Bekanntschaft und weitere Auseinandersetzung mit dem Werk sowie seine spätere 
Annäherung an den Menschen Ernst Jünger, gab Anekdoten zum Besten und wusste 
noch so manches beizusteuern, das nicht im Buch steht. Gerne hätte man noch so 
manche Frage an den Autor gerichtet, die abschließenden Fragen des Publikums 
gingen im allgemeinen Aufbruchs- und Buchauspack-Getöse unter, das die 
Moderatorin leider nicht zu unterbinden versuchte. Überhaupt hatte man mit 
dieser keine allzu glückliche Wahl getroffen: Frau Meier konnte zu keinem 
Zeitpunkt ihre professorale Verhaltenheit ablegen, was dem Gespräch nicht eben 
dienlich war, es blieb die gesamte Zeit kühl und routiniert starr. 
Heimo Schwilk jedoch überzeugte die Zuhörer und stellte sich im Anschluß 
bereitwillig wie ausdauernd Nachfragen und Autographenwünschen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte im nahegelegenen Jungen Theater bereits das „Fire and 
Flames“-Festival der Antifa begonnen, sonst immer mit dabei, wo der Name Ernst 
Jüngers fällt, hatte diese heute offensichtlich besseres im Sinn. Oder hat der 
Name Jüngers im 21. Jahrhundert (endlich) seine Reizwirkung verloren? Wie auch 
immer. Dance Tonight, Revolution Tomorrow! Gute Nacht allerseits…

Niels Penke
Göttingen, 22.10.2007



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