Zu Stefan Lutschingers Ausfall gegen meine zugegebenermassen etwas emotional artikulierten Kritik fällt mir wieder ein, dass am Anfang von netznetz die Rede war, die Gemeinde Wien erwarte sich eine Hochleistungsförderung (mir scheint, der Stefan war damals dafür).
Das ist natürlich mit einem Communityansatz völlig inkompatibel. Eine Community muss zuerst dafür sorgen, dass das Werkl der Community als Ganzes halbwegs funktioniert, bevor Schwerpunktsetzungen, die auch in Richtung Elitenförderung gehen können, möglich sind. Weiters war auch zu erwarten, dass der weite, multidisziplinäre Ansatz der sich bei netznetz tendenziell entwickelt hat, die bürokratischen Grenzen der Gemeinde Wien sprengt und das ganze Ding einfach nicht mehr bloss aus dem Kulturbudget gefördert werden kann. Bloss: Die anderen potentiell in Frage kommenden Ressorts (Technologie, Jugend, Bildung), die dürften noch bürokratischer als die MA 7 sein bzw. haben kein Interesse an zusätzlichen Subventionsempfängern. Es geht da sehr wohl auch im inhaltliche Fragen beim Modell der Gemeinde Wien, nicht nur um die internen Reibungsverluste von netznetz bzw. die mangelnde Teilnahme mancher KünstlerInnen bzw. Gruppen ... Und natürlich will die Gemeinde Wien keine Community, aus der einmal ein politisch schlagkräftiges Subjekt werden könnte. An Funktion und Interessen bürokratischer Herrschaft hat sich seit den Untersuchungen Max Webers wohl wenig geändert. Aus Sicht der Bürokratie nur allzu logisch, die Selbstverwaltung wieder aufzuheben, da die gewünschten Ergebnisse, ein paar einfach handhabbare (Schubladengrösse), hippe, international herzeigbare Projekte, nicht und nicht herauskommen. Da hat Stefan ganz Recht: Der Hegemon will verwertbare Produkte sehen, den interessiert so eine Scheisscommunity net ... ;-) (oder zumindest eine Ruhe, wenn schon nix rauskommt) So gesehen hat Helga Köcher recht, dass ein anrennen gegen die Gemeinde Wien, ohne deren innere Logik zu verstehen, wenig bringen wird. Eine völlige Anpassung ist aber auch unmöglich, weil es dann keine Netzkulturcommunity - noch dazu rein auf Wien beschränkt - im bislang eher weiten und offenen Sinne nicht mehr so geben kann. Jetzt wo die grosse Koalition wieder die bleierne Schwere der 2/3 Mehrheit hinter sich hat und nun sogar die Sozialpartnerschaft per Verfassungsgesetze einzementiert werden, wird ein Frontalangriff "unsererseits" für die Bürokratie leicht auszuhalten sein. Die Konfliktlinien dürften also tiefer gehen ... lg Martin -- ========================================== Martin Mair - Publizist virtuell & traditionell Krottenbachstrasse 40/9/6, A-1190 Wien Tel. + Fax: +43 1 3677487, Mobil: + 43 676 3548310 Email: [EMAIL PROTECTED] Skype: mmair1 http://www.mediaaustria.at - Webhosting & Webdesign http://www.bannertausch.info http://www.flickr.com/photos/martinmair ========================================== _______________________________________________ netznetz.net mailing list [email protected] http://listen.esel.at/mailman/listinfo/liste
