Hallo Andreas, 

klar, danke für eure Bemühungen!

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, schaue ich gerne bei einem der nächsten 
Treffen vorbei. 

lG,

Matthias
--
Ing. Matthias Leihs, B.Sc.
Johann-Strauss-Gasse 20/7
A-1040 Wien
Tel.: +43 660 13 000 31


-------- Original-Nachricht --------
> Datum: Mon, 13 Oct 2008 23:54:52 +0200
> Von: "Findeisen Andreas Leo" <[EMAIL PROTECTED]>
> An: [EMAIL PROTECTED], [email protected], [EMAIL PROTECTED]
> CC: "Findeisen Andreas Leo" <[EMAIL PROTECTED]>
> Betreff: AW: [netznetz.net] Danke & Kritik

> Hallo Matthias,
> 
> danke für dein langes und `direktes´ Mail. 
> 
> Wir werden morgen mit dem Team von 
> [EMAIL PROTECTED] ein Arbeitsreffen
> haben und danach beginnen, auf deine Fragen 
> thematisch zu reagieren, ok?
> 
> Ein JourFixe-Abend wäre auch eine Möglichkeit, 
> diese Diskussionen weiterzubringen - 
> wir melden uns, wie gesagt. 
> 
> Auf bald und 
> 
> Best wishes, 
> 
> Andreas Leo
> 
> 
> Teil 1)
> 
> Hallo liebe NetzNetz Leute,
> 
> erstmal ein freundliches Dankeschön von Michael, Sarah, Simon & mir. Wir
> werden das zugesprochene Kapital sinnstiftend verwenden; es war ein
> schöner Abend!
> 
> lG, 
> 
> They Shoot Music - Don't They 
> 
> Teil 2) 
> 
> ... der folgende Teil kommt von mir persönlich; das Thema wird keine
> Überraschung sein, und ich werde vermutlich auch nicht der erste sein, der die
> Punkte anspricht. Damit ich euch nicht langweile, versuch ich's mit
> Direktheit:
> 
> Die Wahlprozesse schreien geradezu nach unsauberer Wurschtelei. Als
> kleines Beispiel:
> Ausgehend von der Anzahl letztjährig Validierten und derer, die
> tatsächlich eine Stimme abgegeben hatten, hatte ich die uns zugeteilte 
> Fördersumme
> auf 2850 Euro prognostiziert. Darin waren unsere selbstsüchtig vergebenen
> Eigenstimmen inkludiert, plus zwei von Leuten, die wir im Vorfeld von
> unserer Idee begeistern konnten. 
> 
> Die tatsächliche vergebene Summe hat sich dann - vor der Kürzung aufs
> Minimum durch die Trustees - auf 3080 Euro belaufen. Kein sehr aufregender
> Unterschied. 
> 
> Problem 1)
> Die Menge der wählenden Leute ist zu klein. Eine Vollstimme ist
> umgerechnet ca. 450 Euro wert. Das ist ein hoher Betrag, der einiges an 
> Aufwand
> rechtfertigt. So könnte man z.B. jemandem 100 Euro Aufwandsentschädigung für
> eine Stimme anbieten. Mich würde übrigens eine Statistik der vergebenen
> Punkte interessieren. D.h. wieviel % der Leute z.B. 100 Punkte an ein
> Projekt vergeben haben, wieviel 90, usw. Daran könnte man vermutlich ganz gut
> ablesen, ob das System der Streuung funktioniert, oder primär aus
> "Geh-wählst-dieses-mal-eh-wieder-für-uns-Wir-revangieren-uns-das-nächste-mal-Stimmen"
> besteht. 
> 
> Problem 2)
> Die Community selbst ist (aus Zweckmäßigkeit) kaum an neuen Projekten
> interessiert. D.h. die Präsentationsarbeiten werden per Konzept nichtig. Das
> scheint toleriert zu werden; warum sonst sollte es möglich sein, zu
> wählen, bevor die letzte Präsentation vorüber ist? Warum gibt es keine
> Song-Contest-artige Zwangsstreuung? 12 Punkte 10 Punkte 8 Punkte 6 Punkte z.B.
> Das würde gekaufte, oder über bestehende soziale Kontakte erlangte Stimmen
> abschwächen und man motiviert die Projektteams, sich auch mit anderen
> Projekten auseinanderzusetzen. Generell kommt mir die Bandbreite von 100 für
> NetzNetz Dimensionen groß vor. Wieviele Leute haben außerhalb der 10er
> Schritte gewählt?
> 
> Problem 3)
> Der Wahlvorgang selbst. Warum wird auf eine anonyme Wahl verzichtet?
> Obiges Beispiel der 100 Euro Aufwandsentschädigung könnte damit z.B.
> unattraktiver werden. 
> 
> Problem 4)
> Der Validierungsvorgang. Die Liste war Freitag Nacht online, wenn ich mich
> recht erinnere. Ein im Vorfeld fragendes Mail von mir an die Koordinations
> Email Adresse wurde ignoriert. Wenn man die Menge der Wählenden groß
> halten will - und das will man, wie oben dargelegt - muss man sich um seine
> Wähler bemühen. In der Nacht von Freitag auf Samstag zu erfahren, dass man
> für Sonntag wahlberechtigt ist, erscheint mir etwas knapp. Übrigens habe
> ich jetzt schon von zwei Leuten gehört, dass Sie niemals eine Antwort auf
> ihre Bitte zur Validierung bekommen haben. Der Validierungprozess darf
> nicht im Nichts verlaufen. Warum erhalten Leute, die abgelehnt werden, keine
> Mail mit Begründung? Vermutlich wäre ein Dialog vernünftiger, als
> ungewünschte Teilnehmer zu ignorieren. 
> 
> Problem 5)
> Die Unterschiedlichkeit der Projektdimensionen. Wenn ein Projekt bereits
> läuft, eine gewisse Größe erreicht hat und fest verdrahtet ist, fängt
> man vermutlich sogar im Kulturumfeld an, eine vernünftige Projektplanung und
> Kostenrechnung anzufertigen. Spätestens dann mutieren Stimmen zur
> formalen Sache. Und genau dann müssen diese Projekte auch dafür sorgen, dass 
> die
> benötigten Stimmen=Summen reinkommen, weil sonst laufende Kosten nicht
> mehr gedeckt werden können, was den Untergang des Projekts bedeuten würde.
> Lt. dieser Daumen-Theorie ist es also sehr wahrscheinlich, dass
> ausgewachsene Projekte zur methodischen NetzNetz Geldzieherei neigen. Daraus
> resultiert nun, dass - so sich einige große Projekte etabliert haben und die
> insgesamte Fördersumme gleich bleibt - zunehmend weniger Restkapital für neue
> Projekte bleibt. Das System dichtet sich über die Zeit also von selbst. 
> 
> Problem 6)
> Das Trustee Prinzip. Wie oben dargestellt, hat die bestehende Community
> keinen Anreiz neue Personen 'aufzunehmen'. (Sieht man auch recht schön an
> den Trusteewertungen). Wenn ich nun die Community selbst "Supernodes"
> bestimmen lasse, werden das die, die die Interessen der etablierten Community
> vertreten. D.h. der Wille der Mehrheit wird verstärkt.
> 
> Problem 7) 
> Die Kulturschaffenden in eine direkte Konkurrenzsituation zu bringen ist
> imho grundsätzlich keine schöne Idee; dafür gibt's den freien Markt.
> Rechnerisch gesehen, ist jeder Punkt, der an ein anderes Projektteam vergeben
> wird, eine schlechte Sache für das eigene Projektteam. Natürlich findet
> man andere Projekte trotzdem toll, aber diesen Fakt per Wahlsystem zu
> verankern finde ich unschön. Das ist wohl der Preis, wenn man vom Jury-Prinzip
> weg will. 
> 
> Problem 8)
> Das Alles-in-einen-Topf Prinzip. Die Spanne Technologieentwicklung bis
> Politikplattform ist groß; der Begriff "Digitale Kultur" zu diffus, um damit
> Grenzen ziehen zu können. Vllt. wäre es eine gute Idee, konkret
> auszuformulieren, was man damit meint. Anzudenken wäre imho auch eine
> Klassifizierung der Projekte in Bezug auf Größe bzw. Lebensdauer. Wenn ein 
> Projekt
> aufgezogen wird, das zeitlich abgrenzbar ist; z.B. ein Event, eine
> Publikation, usw. hat das andere Anforderungen, als ein Projekt, das für eine
> Lebensspanne von mehreren Jahren konzipiert ist. Während für die einen eher 
> der
> unkomplizierte Zugang im Vordergrund steht, legen die anderen auf
> Sicherheit und Kontinuität wert. Diese zwei Zugänge zufriedenstellend mit 
> einem
> Fördersystem zu vereinen, ohne auf Dauer Unfrieden in Kauf zu nehmen,
> erscheint mir schwierig bis unmöglich. 
> 
> Problem 9)
> Die Resignation gegenüber der Wurschtelei. Ich habe vor der Wahl mit
> einer Trustee-Person geplaudert (Name wird nicht genannt). Der hierfür
> interessante Gesprächsfetzen ging in etwa so über die Bühne:
> --- snip ---
> [...]
> Ich: Und, nach welchen Kriterien verschiebt ihr das Wahlergebnis?
> Trustee: Naja, wenn wir zB sehen, dass ein Projekt mit hohen Kosten viel
> weniger Geld als benötigt zugeteilt wurde, schauen wir, dass das
> ausgeglichen wird. 
> Ich: Lädt das nicht zur Korruption ein; also ist es dann nicht für alle
> ein Anreiz möglichst hoch einzureichen. 
> Trustee: Ja, aber ist das nicht überall so?
> [...]
> --- snap ---
> Neben den offensichtlichen Problemen haben wir im Vorfeld von Leuten aus
> der Journalismusecke, dem engeren Bekanntenkreis, dem öffentlichen Sektor
> und anderen Projektteams mehr oder minder unverblümt gehört, dass die
> NetzNetz-Vergabe verwurschtelt wäre. Vllt. hört man ja etwas anderes, wenn
> man andere Leute kennt, aber imho ist der Ruf von NetzNetz bereits
> angekratzt. Ob es strategisch sinnvoll ist, eine relativ unkomplizierte
> Förderschiene durch solche Ungereimtheiten den Risiken eines stereotypen
> Wurschtelimages auszusetzen, möchte ich bezweifeln. Ich kann mir gut 
> vorstellen, dass
> ein gelangweilter Yellow-Press Journalist da den ein oder anderen
> reißerischen Artikel rausholen könnte. Wenn NetzNetz dann zum Politikum wird, 
> macht
> das die Sache auch nicht besser. 
> 
> Es würde mich freuen, die angesprochenen Probleme durchzudiskutieren.
> Inzwischen plane ich meine "Social Engineering For Digital Screwheads"
> Einreichung, die validierten Netzkünstlern auf direktem Wege 100 Euro
> Förderungsgelder zukommen lässt, wenn sie für das Projekt stimmen. 200 Euro 
> gibt es
> übrigens, wenn man sich als Trustee für das Projekt betätigt. :P
> 
> So long
> 
> Matthias
> --
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