Teil 1) Hallo liebe NetzNetz Leute,
erstmal ein freundliches Dankeschön von Michael, Sarah, Simon & mir. Wir werden das zugesprochene Kapital sinnstiftend verwenden; es war ein schöner Abend! lG, They Shoot Music - Don't They Teil 2) ... der folgende Teil kommt von mir persönlich; das Thema wird keine Überraschung sein, und ich werde vermutlich auch nicht der erste sein, der die Punkte anspricht. Damit ich euch nicht langweile, versuch ich's mit Direktheit: Die Wahlprozesse schreien geradezu nach unsauberer Wurschtelei. Als kleines Beispiel: Ausgehend von der Anzahl letztjährig Validierten und derer, die tatsächlich eine Stimme abgegeben hatten, hatte ich die uns zugeteilte Fördersumme auf 2850 Euro prognostiziert. Darin waren unsere selbstsüchtig vergebenen Eigenstimmen inkludiert, plus zwei von Leuten, die wir im Vorfeld von unserer Idee begeistern konnten. Die tatsächliche vergebene Summe hat sich dann - vor der Kürzung aufs Minimum durch die Trustees - auf 3080 Euro belaufen. Kein sehr aufregender Unterschied. Problem 1) Die Menge der wählenden Leute ist zu klein. Eine Vollstimme ist umgerechnet ca. 450 Euro wert. Das ist ein hoher Betrag, der einiges an Aufwand rechtfertigt. So könnte man z.B. jemandem 100 Euro Aufwandsentschädigung für eine Stimme anbieten. Mich würde übrigens eine Statistik der vergebenen Punkte interessieren. D.h. wieviel % der Leute z.B. 100 Punkte an ein Projekt vergeben haben, wieviel 90, usw. Daran könnte man vermutlich ganz gut ablesen, ob das System der Streuung funktioniert, oder primär aus "Geh-wählst-dieses-mal-eh-wieder-für-uns-Wir-revangieren-uns-das-nächste-mal-Stimmen" besteht. Problem 2) Die Community selbst ist (aus Zweckmäßigkeit) kaum an neuen Projekten interessiert. D.h. die Präsentationsarbeiten werden per Konzept nichtig. Das scheint toleriert zu werden; warum sonst sollte es möglich sein, zu wählen, bevor die letzte Präsentation vorüber ist? Warum gibt es keine Song-Contest-artige Zwangsstreuung? 12 Punkte 10 Punkte 8 Punkte 6 Punkte z.B. Das würde gekaufte, oder über bestehende soziale Kontakte erlangte Stimmen abschwächen und man motiviert die Projektteams, sich auch mit anderen Projekten auseinanderzusetzen. Generell kommt mir die Bandbreite von 100 für NetzNetz Dimensionen groß vor. Wieviele Leute haben außerhalb der 10er Schritte gewählt? Problem 3) Der Wahlvorgang selbst. Warum wird auf eine anonyme Wahl verzichtet? Obiges Beispiel der 100 Euro Aufwandsentschädigung könnte damit z.B. unattraktiver werden. Problem 4) Der Validierungsvorgang. Die Liste war Freitag Nacht online, wenn ich mich recht erinnere. Ein im Vorfeld fragendes Mail von mir an die Koordinations Email Adresse wurde ignoriert. Wenn man die Menge der Wählenden groß halten will - und das will man, wie oben dargelegt - muss man sich um seine Wähler bemühen. In der Nacht von Freitag auf Samstag zu erfahren, dass man für Sonntag wahlberechtigt ist, erscheint mir etwas knapp. Übrigens habe ich jetzt schon von zwei Leuten gehört, dass Sie niemals eine Antwort auf ihre Bitte zur Validierung bekommen haben. Der Validierungprozess darf nicht im Nichts verlaufen. Warum erhalten Leute, die abgelehnt werden, keine Mail mit Begründung? Vermutlich wäre ein Dialog vernünftiger, als ungewünschte Teilnehmer zu ignorieren. Problem 5) Die Unterschiedlichkeit der Projektdimensionen. Wenn ein Projekt bereits läuft, eine gewisse Größe erreicht hat und fest verdrahtet ist, fängt man vermutlich sogar im Kulturumfeld an, eine vernünftige Projektplanung und Kostenrechnung anzufertigen. Spätestens dann mutieren Stimmen zur formalen Sache. Und genau dann müssen diese Projekte auch dafür sorgen, dass die benötigten Stimmen=Summen reinkommen, weil sonst laufende Kosten nicht mehr gedeckt werden können, was den Untergang des Projekts bedeuten würde. Lt. dieser Daumen-Theorie ist es also sehr wahrscheinlich, dass ausgewachsene Projekte zur methodischen NetzNetz Geldzieherei neigen. Daraus resultiert nun, dass - so sich einige große Projekte etabliert haben und die insgesamte Fördersumme gleich bleibt - zunehmend weniger Restkapital für neue Projekte bleibt. Das System dichtet sich über die Zeit also von selbst. Problem 6) Das Trustee Prinzip. Wie oben dargestellt, hat die bestehende Community keinen Anreiz neue Personen 'aufzunehmen'. (Sieht man auch recht schön an den Trusteewertungen). Wenn ich nun die Community selbst "Supernodes" bestimmen lasse, werden das die, die die Interessen der etablierten Community vertreten. D.h. der Wille der Mehrheit wird verstärkt. Problem 7) Die Kulturschaffenden in eine direkte Konkurrenzsituation zu bringen ist imho grundsätzlich keine schöne Idee; dafür gibt's den freien Markt. Rechnerisch gesehen, ist jeder Punkt, der an ein anderes Projektteam vergeben wird, eine schlechte Sache für das eigene Projektteam. Natürlich findet man andere Projekte trotzdem toll, aber diesen Fakt per Wahlsystem zu verankern finde ich unschön. Das ist wohl der Preis, wenn man vom Jury-Prinzip weg will. Problem 8) Das Alles-in-einen-Topf Prinzip. Die Spanne Technologieentwicklung bis Politikplattform ist groß; der Begriff "Digitale Kultur" zu diffus, um damit Grenzen ziehen zu können. Vllt. wäre es eine gute Idee, konkret auszuformulieren, was man damit meint. Anzudenken wäre imho auch eine Klassifizierung der Projekte in Bezug auf Größe bzw. Lebensdauer. Wenn ein Projekt aufgezogen wird, das zeitlich abgrenzbar ist; z.B. ein Event, eine Publikation, usw. hat das andere Anforderungen, als ein Projekt, das für eine Lebensspanne von mehreren Jahren konzipiert ist. Während für die einen eher der unkomplizierte Zugang im Vordergrund steht, legen die anderen auf Sicherheit und Kontinuität wert. Diese zwei Zugänge zufriedenstellend mit einem Fördersystem zu vereinen, ohne auf Dauer Unfrieden in Kauf zu nehmen, erscheint mir schwierig bis unmöglich. Problem 9) Die Resignation gegenüber der Wurschtelei. Ich habe vor der Wahl mit einer Trustee-Person geplaudert (Name wird nicht genannt). Der hierfür interessante Gesprächsfetzen ging in etwa so über die Bühne: --- snip --- [...] Ich: Und, nach welchen Kriterien verschiebt ihr das Wahlergebnis? Trustee: Naja, wenn wir zB sehen, dass ein Projekt mit hohen Kosten viel weniger Geld als benötigt zugeteilt wurde, schauen wir, dass das ausgeglichen wird. Ich: Lädt das nicht zur Korruption ein; also ist es dann nicht für alle ein Anreiz möglichst hoch einzureichen. Trustee: Ja, aber ist das nicht überall so? [...] --- snap --- Neben den offensichtlichen Problemen haben wir im Vorfeld von Leuten aus der Journalismusecke, dem engeren Bekanntenkreis, dem öffentlichen Sektor und anderen Projektteams mehr oder minder unverblümt gehört, dass die NetzNetz-Vergabe verwurschtelt wäre. Vllt. hört man ja etwas anderes, wenn man andere Leute kennt, aber imho ist der Ruf von NetzNetz bereits angekratzt. Ob es strategisch sinnvoll ist, eine relativ unkomplizierte Förderschiene durch solche Ungereimtheiten den Risiken eines stereotypen Wurschtelimages auszusetzen, möchte ich bezweifeln. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein gelangweilter Yellow-Press Journalist da den ein oder anderen reißerischen Artikel rausholen könnte. Wenn NetzNetz dann zum Politikum wird, macht das die Sache auch nicht besser. Es würde mich freuen, die angesprochenen Probleme durchzudiskutieren. Inzwischen plane ich meine "Social Engineering For Digital Screwheads" Einreichung, die validierten Netzkünstlern auf direktem Wege 100 Euro Förderungsgelder zukommen lässt, wenn sie für das Projekt stimmen. 200 Euro gibt es übrigens, wenn man sich als Trustee für das Projekt betätigt. :P So long Matthias -- Ing. Matthias Leihs, B.Sc. Johann-Strauss-Gasse 20/7 A-1040 Wien Tel.: +43 660 13 000 31 -- GMX Kostenlose Spiele: Einfach online spielen und Spaß haben mit Pastry Passion! http://games.entertainment.gmx.net/de/entertainment/games/free/puzzle/6169196 _______________________________________________ netznetz.net mailing list [email protected] http://listen.esel.at/mailman/listinfo/liste
