On Sunday 10 May 2009, [email protected] wrote:
> Aber ich muss auch gestehen, als EDV-Verrückter ist man sehr schnell
> bestrebt eine verengte Sicht rein auf das Technische zu haben. Im
> vorliegenden Falle gibt es 2 Sichtweisen, bzw Ebenen von denen aus das
> betrachtet werden kann und muss. Die technische Ebene/Sichtweise und die
> gesetzgeberische bzw juristische Ebene/Sichtweise Im
> Gesetzgebungsverfahren bzw in der Strafverfolgung und der Juristerei,
> spielt dieses, daß die Sperre leicht umgehbar wäre, vielleicht gar keine
> Rolle sondern im Gegenteil wer diese Sperre umgeht handelt vorsätzlich, 
> entsprechend ist die Strafverfolgung bzw. bei einer Verurteilung ein
> Strafmaß anzusetzen.

Diese Argumentation würde bedeuten, dass jeder, der seinen eigenen 
DNS-Server betreibt mindestens grob fahrlässig handelt und illegale 
Aktivitäten in Kauf nimmt.

> Vergleichbar Wlan wer in einem offenen Wlan mitsurvt tut dies straffrei
> bzw befindet sich in einer Grauzone. Wer eine unsichere
> WEP-Verschlüsselung hackt kann hierfür strafrechtlich zur Verantwortung
> gezogen werden. Egal ob wep leicht knackbar ist oder nicht

Ersteres kann genauso aus Versehen passieren, wie die Umgehung von 
DNS-Sperren, letzteres ist kein Vergleich, weil es den Willen zum Knacken 
voraussetzt.

Kleine Erklärung für nicht-DNS-Admins:

Es gibt zwei Typen von DNS-Server - caching Server und die normalen 
DNS-Server.

Die reinen Caching-Server leiten lediglich die Anfragen an einen 
Upstream-Server weiter und merken sich die Ergebnisse damit es beim 
nächsten Mal schneller geht. Das sind die Dinger die von den Distributionen 
gerne für Dial-Up-Systeme installiert werden.

Normalerweise ist in diesem Fall der Upstream-Server beim Provider (per 
PPP-Handshake geliefert). Sperrt der Provider eine Adresse hat der lokale 
DNS-Server keine Chance sie aufzulösen.

Dann gibt es noch die echten DNS-Server, die in allen etwas größeren Netzen 
eingesetzt werden. Hauptfunktion dieser Server ist es eine lokale Domain zu 
verwalten. Nebenfunktion ist es auch beliebige andere DNS-Anfragen aus dem 
internen Netz zu beantworten. Letzteres kann (mit einigem Aufwand) an einen 
Upstream-Server weitergeleitet werden oder direkt mit den Root-Zone-Servern 
ausgehandelt werden. Per default weiß ein solcher Server nichts von den 
DNS-Servern und Sperren des Providers, sondern verhandelt direkt mit den 
Root-Zone-Servern. Meiner Meinung nach ist das noch nicht einmal eine 
Umgehung der Sperren, weil der Server gar keinen anderen Weg kennt (aber 
Juristen könnten da anderer Meinung sein).

Zusammenfassung: sollten die Sperren verpflichtend werden steht jeder Admin 
eines Firmen- oder Privat-DNS-Servers mit einem Bein im Knast. Leitet er 
Anfragen an den Provider weiter wird sein System instabiler (der Server 
kann die Redundanz des DNS nicht mehr nutzen) und komplexer (die 
Konfiguration ist nicht trivial) und er kann für Probleme im internen Netz 
haftbar werden. Leitet er nicht weiter und sperrt, dann ist er automatisch 
im Verdacht illegale Seiten zu konsumieren, denn er kennt ja die 
Sperrliste. Leitet er nicht weiter und sperrt nicht, dann leistet er 
Beihilfe zu illegalen Aktivitäten und ist selbst verdächtig illegale Seiten 
zu besuchen. Informatik macht langsam keinen Spaß mehr.





        Konrad

PS.: IANAL

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