On Monday 24 April 2017 18:32:36 Ronny Seffner wrote:
> Am 2017-04-24 16:45, schrieb Konrad Rosenbaum:
> > Spanisch - ähnlich mit den Kolonien, wesentlich weniger Sprecher, hatte
> > das
> > Pech in den falschen amerikanischen Ländern gesprochen zu werden.
> 
> Ethnologue 2015 sagt, 399 Mio Muttersprachler in Spanisch/Castellano und
> damit Platz eins, dann Mandarin und hinterher vielleicht dieses
> Englisch.

Schauen wir doch mal genau(*):

Chinesisch(**): 1284 Mio Muttersprachler
  nur Mandarin: 898 Mio
Spanisch: 437 Mio
Englisch: 372 Mio
Arabisch(***): 295 Mio

etc.pp

Platz 13 - Deutsch: 76,8 Mio

(*) https://www.ethnologue.com/statistics/size
(**) ja, chinesisch ist eine Gruppe von Sprachen (Makrosprache) mit 
identischer Schriftsprache aber unterschiedlicher gesprochener Sprache.
(***) auch eine Makrosprache, aber man kann davon ausgehen dass alle 
Sprecher den Dialekt des Korans verstehen

Schauen wir uns auch die Zweitsprachler an (Summe 1./2. Sprache):

Chinesisch: wie oben (ca. 1 Mio mehr?)
 Mandarin: 1091 Mio
Spanisch: 528 Mio
Englisch: 983,5 Mio
Deutsch: 129,5 Mio

Nimmt man also Zweitsprachler dazu, dann liegt Englisch vor Spanisch. 
Chinesisch hängt rein nach Zahlen beide ab, selbst nur Mandarin-Chinesisch 
liegt noch vor den anderen Sprachen.

Bisher haben die Chinesen noch nicht die intenationale Bedeutung dass alle 
Schulkinder auf dem Globus Chinesisch lernen müssen - Englisch schon seit 
dem 18.Jhd. Das kann sich in den nächsten paar Jahrzehnten ändern.

> Esperanto fehlt in Deiner Aufzählung - ist/war es doch extra als
> Universalsprache gedacht.

Stimmt, über Esperanto wollte ich mich ja auch despektierlich zeigen: der 
nett gemeinte aber gescheiterte Versuch einer Einheitsbreisprache. Dem Ziel 
der universellen Adoption der Sprache versuchte man besonders dadurch nahe 
zu kommen dass man eine unnötig komplexe Grammatik erfand, die das Lernen 
schön schwer macht.

Etwas konstruktiver betrachtet: welche Chance hat eine Sprache die jeder 
einzelne erst lernen muss wenn die Sprache des ehemaligen (damals noch 
aktuellen) britischen Empire bereits von einigen hundert Millionen 
beherrscht wird?

> Zugegeben der Post auf den Du Dich beziehst ist etwas "fanatisch", aber
> dieses ständige ignorieren unserer regionalen Kultur, sprich permanentem
> "Denglisch" und/oder "Germisch" geht auch mir gehörig auf den Zeiger.

Ich gehe so weit mit: wenn ich Plakate sehe wo irgendein "Werbestratege", 
der im Englischunterricht geschlafen hat, versucht ein deutsches Sprichwort 
auf Denglisch auszudrücken, dann dreht sich mir auch der Magen um. Aber an 
der nächsten Straßenkreuzung ist es ja Gott sei Dank wieder vorbei.

Ich habe absolut kein Problem Dinge in einer Sprache auszudrücken, die man 
beherrscht und die die meisten Leute ringsherum auch verstehen. Ich habe 
auch absolut kein Problem damit Worte aus einer anderen Sprache zu 
importieren, wenn sie ein Konzept besser beschreiben als die deutsche 
Übersetzung (z.B. "e-mail", "Browser", ...) - dazu gehört auch dass man 
kreativ mit Fremdworten experimentiert - wenn es weh tut läßt man es halt 
wieder bleiben.

Das ist ein Prozess der seit tausenden Jahren läuft - sonst wäre Fenster 
(latein: fenestra) immernoch Wandloch, Gurke (slavischer Ursprung) wäre eine 
Grünwurst oder als Gift verschrien, Känguru (Aborigi-Sprache: gangurru) wäre 
ein unbestimmtes Hüpftier und das ursächsische "nu!" würde schlicht nicht 
existieren (tschechisch: anno).

Auf der anderen Seite: Tom Pauls will ich ohne englische Untertitel hören, 
genau wie die deutsche Synchronisation der meisten anglo-amerikanischen 
Filme einfach nur scheußlich anzuhören ist wenn man die Originalsprache 
fließend beherrscht.

Ich kann gut in mehreren Kulturen gleichzeitig unterwegs sein. Manchmal 
reagiere ich allergisch wenn jemand versucht mir eine davon wegzunehmen... 
;-)



        Konrad

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