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MorgenWelt HEUTE vom 11.5.2001
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1.      Loeste eine Supernova die Eiszeit aus?
2.      Schnelles Sterben vor 200 Millionen Jahren
3.      Die Menschheit kam aus Afrika
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Loeste eine Supernova die Eiszeit aus? 
 
Wie ein Team britischer und amerikanischer Klimaforscher berichtet, 
enthielt die Erdatmosphaere waehrend der letzten Eiszeit mehr als 
doppelt soviel Kohlenstoff-14 wie heute. Die Wissenschaftler 
praesentieren ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des 
Fachmagazins Science. Sie basieren auf der Analayse eines einen 
halben Meter langen Stalagmiten aus einer unter Wasser gelegenen 
Hoehle auf den Bahamas. 
 
Kohlenstoff-14 wird von Archaeologen zur Datierung von Funden 
verwendet. Diese so genannte "Radiokarbon-Methode" basiert darauf, 
dass Kohlenstoff-14 radioaktiv ist und mit einer Halbwertszeit 
von 5730 Jahren zerfaellt. Deshalb laesst sich aus dem Verhaeltnis 
von Kohlenstoff-14 zu dem nicht-radioaktiven Kohlenstoff-12 das 
Alter eines Fossils bestimmen. Voraussetzung dafuer ist allerdings, 
dass die Haeufigkeit von Kohlenstoff-14 in der Erdatmosphaere fuer 
einen ausreichend langen Zeitraum bekannt ist. Die aktuelle 
Untersuchung lieferte nun den Kohlenstoff-14-Anteil fuer die 
letzten 45.000 Jahre. Bislang war er nur fuer die vergangenen 
16.000 Jahre genau genug bekannt. 
 
Die Daten zeigen, dass der Anteil an radioaktivem Kohlenstoff 
in dem Zeitraum von vor 45.000 bis 33.000 Jahren deutlich hoeher 
als heute war, mit einer extremen Spitze, die vor 44.300 Jahren 
begann und etwa 1000 Jahre andauerte. Kohlenstoff-14 wird nur 
durch die kosmische Hoehenstrahlung erzeugt, hochenergetische 
Teilchen, die aus dem Weltraum kommend in die Erdatmosphaere 
eindringen. Deshalb folgern die Forscher, dass die Erde waehrend 
der letzten Eiszeit einer verstaerkten kosmischen Strahlung 
ausgesetzt war. 
 
Modellrechnungen der Forscher zeigen weiter, dass sich diese 
erhoehte kosmische Strahlung nicht allein durch AEnderungen des 
irdischen Magnetfelds - welches die Erde teilweise vor der Strahlung 
abschirmt - oder der Sonnenaktivitaet erklaeren lassen. Denkbar 
sei deshalb, dass eine nahe Supernova die Erde mit hochenergetischen 
Partikeln ueberschuettet hat. Allerdings sei es eine offene Frage, 
ob ein solches Ereignis ausreiche, das irdische Magnetfeld so 
stark abzuschwaechen, dass genuegend Teilchen die Atmosphaere 
erreichen konnten, um den hohen Kohlenstoff-14-Anteil zu erzeugen.
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Schnelles Sterben vor 200 Millionen Jahren

Eines der grossen Massensterben in der Tierwelt ereignete sich vor 
rund 200 Millionen Jahren. Damals verschwand etwa die Haelfte aller 
Spezies. Bisherige Theorien gingen meist davon aus, dass sich dieser 
Prozess ueber rund fuenf Millionen Jahre hinzog. Jetzt haben 
amerikanische und kanadische Forscher Hinweise gefunden, dass das 
Sterben innerhalb von nur 10.000 Jahren stattgefunden haben koennte. 
Dies waere aus geologischer Sicht nur ein Augenzwinkern. "Es war 
eine sehr schnelle, keine sich hinziehende Episode", glaubt 
Forschungsleiter Peter Ward von der Universitaet Washington.

Als Beleg seiner These verweist der Forscher auf die Queen Charlotte 
Inseln vor der Westkueste Kanadas. Dort untersuchte das Palaeontologen-
Team Ablagerungen von so genannten Radiolarien. Diese einzelligen 
Wassertierchen waren - vergleichbar dem heutigen  Plankton - im 
damaligen Urmeer weit verbreitet. Die Radiolarien gelten deshalb 
als Leitfossilien. Ihre winzigen Skelette aus Kieselsaeure haben 
sich bis in unsere Tage in dicken Ablagerungen erhalten.

Aus der Datierung dieser Ablagerungen haben die Forscher nun 
ermittelt, dass die Zahl der Radiolarien vor 200 Millionen Jahren 
fuer kurze Zeit stark zurueckging. Diese Schwaecheperiode soll 
rund 10.000 Jahre gedauert haben. Weil die Einzeller vielen 
Meerestieren als Nahrung dienten, duerfte ihr Rueckgang Folgen 
fuer die gesamte Meeresfauna gehabt haben. 

Etwa zeitgleich brach der Urkontinent Pangaea auseinander. 
Das Datum markiert zudem das Auftreten der ersten Saeugetiere 
und den Beginn der Dinosaurier-Herrschaft. Die Radiolarien, deren 
Spuren heute vor Kanada ruhen, lebten damals vermutlich in 
AEquator-Naehe.

Wenn das damalige Sterben tatsaechlich nur 10.000 Jahre dauerte, 
laesst das zwangslaeufig an zwei weitere, gleich schnelle 
Massensterben denken. Diese ereigneten sich vor 250 Millionen 
Jahren (Verschwinden von 95 Prozent aller Spezies, darunter 
Brachiopoden und Trilobiten) und vor 65 Millionen Jahren (Sterben 
der Dinosaurier). Fuer beide Ereignisse werden Einschlaege von 
Himmelskoerpern als Ausloeser vermutet.

Es waere durchaus moeglich, dass auch beim Desaster vor 200 
Millionen Jahren ein Einschlag das Sterben verursachte. Beweise 
fuer diese Vermutung stehen allerdings noch aus. Spuren von Iridium, 
die als Indiz fuer auf die Erde eingeschlagene Himmelskoerper 
gelten, fanden die Forscher bisher noch nicht.
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Die Menschheit kam aus Afrika

In einer aussergewoehnlich weit gestreuten Studie hat jetzt ein 
internationales Forscherteam aus China, Indonesien, Grossbritannien 
und den USA den Nachweis erbracht, dass die heutige Menschheit 
ausschliesslich in Afrika entstanden ist. Bisher war vermutet worden, 
dass in Asien ein zweites Evolutionszentrum bestand, aus dem sich 
der Homo sapiens entwickelt hat. Im Genmaterial heutiger Asiaten 
finden sich jedoch keine Spuren des Homo erectus, der etwa zwei 
Millionen Jahre vor unserer Zeit in Asien lebte und vor etwa 40.000 
Jahren ausstarb.

Die Wissenschaftler untersuchten drei Abschnitte im maennlichen 
Y-Chromosom von 12.127 Maennern aus 163 Bevoelkerungen zwischen 
Sibirien, Ozeanien und Indien. Zur Erforschung der menschlichen 
Stammesgeschichte wird ueblicherweise mitochondriale DNA verwendet, 
die in weiblicher Linie vererbt wird und den Zeitverlauf abbildet. 
Die Analyse des maennlichen Geschlechtschromosoms gibt dagegen 
Aufschluss ueber die Vermischung von Bevoelkerungen. In allen 
Genproben konnte eine von drei Mutationen festgestellt werden. 
"Haetten wir auch nur ein einziges maennliches Individuum gefunden," 
erlaeutert Mark D. Shriver von der federfuehrenden Penn State 
University, "bei dem eine dieser drei Veraenderungen gefehlt haette, 
waere das ein moegliches Zeichen fuer einen archaischen Ursprung 
gewesen... Diese drei Genmarker koennen deshalb verwendet werden, 
um die vollstaendige Verdraengung der Bevoelkerung Ostasiens durch 
moderne Menschen mit afrikanischer Herkunft zu beweisen."

Fuer die Zuverlaessigkeit der Untersuchung nennt Shriver zwei 
Einschraenkungen. So waere man zum selben Ergebnis gekommen, 
wenn sich nur Homo-erectus-Frauen mit Homo-sapiens-Maennern gepaart 
haetten oder wenn alle Nachkommen einer Verbindung zwischen den 
Altmenschen und den Einwanderern aus Afrika durch Krankheit 
ausgeloescht worden waeren. Die Ergebnisse der Studie an ueber 
12.000 Maennern eines so grossen Einzugsgebiets gelten jedoch mit 
hoher statistischer Wahrscheinlichkeit, weil die absolute 
evoelkerungszahl der Vormenschen sehr gering war.

Mit diesen neuen Erkenntnissen ist auch ein zweihundert Jahre alter 
Streit um die Herkunft des Menschen beigelegt. Die sogenannten 
onogenisten beriefen sich auf die Bibel oder die Evolutionstheorie, 
wenn sie die Einheit der Menschheit von einem gemeinsamen Ursprung 
herleiteten. Die Polygenisten versuchten dagegen die gesell-
schaftlichen, koerperlichen und geistigen Unterschiede der Menschen 
an verschiedenen Orten der Erde durch mehrere Entwicklungslinien 
zu rechtfertigen. Nun steht es zweifelsfrei fest: Alle heutigen 
Menschen stammen von gemeinsamen Vorfahren in Afrika ab. Ganz 
gluecklich kann man ueber dieses Ergebnis nicht werden, denn der 
Weg zum modernen Menschen ist mit dem Blut seiner Geschwister 
getraenkt.

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