MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 17.5.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Neue Definition von Leben 2. Blasen spuckender Stern 3. Protein fuer ein langes Gedaechtnis 4. Dem Trauerschnaepper gehen die Insekten aus ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Neue Definition von Leben Eigentlich wissen die Biologen nicht so recht, womit sie sich beschaeftigen. Denn obgleich die Biologie die Wissenschaft vom Leben ist, gibt es ironischerweise immer noch keine umfassende und allgemein akzeptierte Definition von Leben. Diesem Manko will der Molekularbiologe Bernard Korzeniewski von der Universitaet Krakau jetzt mit Hilfe der Kybernetik beikommen. Er definiert Leben als "Geflecht von negativen Rueckkopplungsschleifen, die einer positiven Rueckkopplungsschleife untergeordnet sind." Im Klartext: Ein lebendes System reguliert sich selbst, um fortzubestehen. Wie Korzeniewski im "Journal of Theoretical Biology" schreibt, seien mit dieser universellen Definition auch voellig neuartige Systeme als lebendig oder nicht lebendig einzustufen. Zumindest theoretisch waere die Biologie also gewappnet, sollten sich jemals Hinweise fuer Leben auf anderen Planeten ergeben. Doch die Definition hat auch hoechst irdische Konsequenzen. Beispielsweise streiten Biologen immer noch darueber, ob Viren Lebewesen sind oder nicht. Nach der neuen Definition sind sie eindeutig lebendig, da sie mit Hilfe von Erbgut und Enzymen fuer ihren Fortbestand sorgen. Im Gegenzug ist eine sterile Arbeitsameise kein Lebewesen, ihre Ameisenkolonie aber sehr wohl. Auf eine drastische Konsequenz macht das englische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner neuesten Ausgabe aufmerksam: Unfruchtbare Menschen stellen der neuen Definition gemaess naemlich keine Lebewesen dar. Fuer reichlich Diskussionsstoff ist also gesorgt. ------------------------------------------------------------------- Blasen spuckender Stern Ein internationales Team von Astronomen hat einen jungen Stern entdeckt, der wiederholt Blasen aus Wasserstoffgas ausgestossen hat. Das wiederspricht voellig dem Bild, das sich die Himmelsforscher bislang von jungen Sternen gemacht haben. "Wir verstehen nicht, wie so etwas passieren kann", gesteht Guillem Anglada vom Institut fuer Astrophysik in Granada (Spanien), einer der beteiligten Wissenschaftler. "Es ist ueberraschend, dass die Natur eine so perfekte Symmetrie aufrecht erhalten kann, insbesondere in der komplexen Umgebung eines jungen Sterns!" In ihrer Entstehungsphase muessen Sterne einen Teil der von aussen auf sie einstroemenden Materie wieder ins All ausstossen, damit ihre Rotation nicht so schnell wird, dass es sie zerreisst. Dies geschieht ueber zwei Materiestrahlen, so genannte "Jets", an den Polen des Sterns. Solche Strahlen wurden bereits bei vielen Sternen beobachtet. Doch der nun mit dem "Very Long Baseline Array" (VLBA), einem ueber die gesamten USA verstreuten Netz von Radioteleskopen beobachtete Stern in der Konstellation Kepheus haelt sich nicht an diese Regel. Statt der Jets entdeckten die Astronomen einen gewaltigen Bogen von Wasserstoffgas, der sich mit einer Geschwindigkeit von ueber 30.000 Kilometern pro Stunde ausdehnt. Mit groesster Wahrscheinlichkeit, so die Forscher, ist der Bogen Teil einer perfekten Kugel, die inzwischen groesser ist als unser ganzes Sonnensystem. Die Astronomen erspaehten ausserdem Anzeichen fuer eine zweite Wasserstoffblase, die spaeter ausgestossen wurde und inzwischen dabei ist, die aeltere Blase einzuholen. Als "Triumph der Ordnung ueber das Chaos" bezeichnet Guillem Anglada die raetselhafte Faehigkeit des 2000 Lichtjahre von uns entfernten Sterns, solche perfekten Blasen auszustossen. Es sei nun eine aufregende wissenschaftliche Herausforderung, eine Erklaerung fuer dieses neuartige Phaenomen zu finden. ------------------------------------------------------------------- Protein fuer ein langes Gedaechtnis Amerikanische Forscher haben ein Protein identifiziert, das an der Verschiebung von Erinnerungen zwischen dem Kurzzeit- und dem Langzeitgedaechtnis beteiligt ist. Betroffen sind der Hippocampus und die Grosshirnrinde, die so genannte Cortex, in die die Informationen zur Langzeitspeicherung verschoben werden. Dafuer wird offenbar das spezielle Schluesselprotein a-CaMKII benoetigt, berichten Paul Frankland und Dr. Alcino Silva von der University of California im Magazin "Nature". Sie waren zusammen mit Kollegen der Johns Hopkins University dem Mechanismus bei genmanipulierten Maeusen auf die Spur gekommen. Bei den Gen-Maeuse war eins von zwei Genen fuer das Protein ausgeschaltet worden. Sie produzierten deshalb auch nur die Haelfte seiner ueblichen Menge. Im Vergleich zu normalen Maeusen lernten die manipulierten Tiere zwar genauso gut, vergassen ihr Wissen aber deutlich schneller. Das Aufnehmen von Information und das langfristige Speichern finde also unabhaengig voneinander statt, folgern die Forscher. Der Hippo- campus behaelt die Information nur vergleichbar dem Arbeitsspeicher eines Computers. Die "Festplatte" befindet sich dagegen in der Grosshirnrinde. An dem Prozess sind allerdings noch weitere Proteine beteiligt, die erst noch naeher erforscht werden muessen. Die Wissenschaftler erhoffen sich langfristig neue Medikamente gegen Gedaechtnisverlust. ------------------------------------------------------------------- Dem Trauerschnaepper gehen die Insekten aus In den Niederlanden zieht die Klimaerwaermung bereits erste Folgen fuer die Vogelwelt nach sich. Dies haben die Ornithologen Christian Both von der Universitaet Groningen und Marcel Visser vom Netherlands Institute of Ecology in Heteren am Beispiel des Trauerschnaeppers (Ficedula hypoleuca) nachgewiesen. Der schwarzweisse Singvogel bevoelkert Waelder, Parks und grosse Gaerten von Skandinavien bis Suedeuropa. Als so genannten Langstreckenzieher ueberwintert er meist im tropischen Afrika und trifft erst Mitte April bis Mitte Mai in Europa ein. Weil in den Tropen noch kein Temperaturanstieg auftritt, hat sich am Zugverhalten des Trauerschnaeppers kaum etwas geaendert. In den Niederlanden dagegen verpasst der Vogel die Insektensaison, berichten die Forscher im Magazin "Nature". Die Insekten, die der Trauerschnaepper als Nahrung benoetigt, treten immer frueher auf, weil die Fruehjahrstemperaturen innerhalb der letzten zwanzig Jahre um drei Grad Celsius gestiegen sind. Die Insekten fehlen spaeter, wenn der Vogel seinen Nachwuchs versorgen muss. AEhnliche Beispiele haben US-Forscher auch fuer den nordamerikanischen Kontinent ermittelt. Sie fuerchten, dass es in der Vogelwelt durch die globale Erwaermung zu einem Massensterben kommen wird. ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt Media GmbH Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---------------------------------------------------------------------- Sie bekommen viel Werbung, jedoch keine, die Sie interessiert? 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