MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 22.5.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Probiotisch: Oftmals Etikettenschwindel 2. Aerogel: Unzerstoerbares Leichtgewicht 3. Einigung auf einheitliches Oekosiegel 4. Eine kosmische Nabelschnur ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Probiotisch: Oftmals Etikettenschwindel Nicht jeder als "probiotisch" angepriesene Joghurt enthaelt auch tatsaechlich die entsprechenden Bakterien. Dieses Fazit ziehen belgische Biologen der Universitaet Gent nach der Untersuchung von 55 als probiotisch gekennzeichneten Produkten. In vielen Faellen fanden die Forscher zudem andere als auf dem Etikett vermerkte Bakterien. Als probiotisch werden Lebensmittel bezeichnet, die bestimmte Bakterien enthalten. Diese Bakterien - meist aus den Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium - sollen bei Verzehr des Produktes eine Reihe von positiven Effekten auf die Gesundheit haben. Beispielsweise sollen sie einen guenstigen Einfluss auf Dickdarmflora und Immunsystem ausueben. Robin Temmerman und seine Kollegen untersuchten die Mikroflora von 25 Molkereiprodukten und von 30 Trockenprodukten, die als Nahrungsergaenzung dienen. Ueber ein Drittel der Trockenprodukte enthielt demnach ueberhaupt keine lebenden Bakterien. Im Gegensatz dazu enthielten die Molkereierzeugnisse zwar bis zu einer Milliarde lebender Mikroorganismen pro Milliliter. Nach Ansicht der Forscher wird der Grossteil dieser Bakterien bei der Passage durch Magen und Duenndarm ebenfalls abgetoetet. Viele probiotische Effekte koennten aber nur durch lebende Bakterien bewirkt werden, so die Wissenschaftler. Die Identifizierung der vorhandenen Bakterien ergab, dass nur dreizehn Prozent der Produkte alle auf dem Etikett angegebenen Bakterienarten enthielt. Ein Drittel der Erzeugnisse enthielt dafuer weitere, auf dem Etikett nicht angegebene Bakterien, die die Forscher jedoch als harmlos einstuften. Die geringe Uebereinstimmung zwischen Etikett und Inhalt spreche fuer eine gewisse "Schludrigkeit" waehrend der Herstellung, so die Forscher. Sie bemaengeln ausserdem, dass auf der Verpackung haeufig falsche, dafuer aber wohlklingendere Bakteriennamen verwendet wuerden. Eine korrekte Kennzeichnung sei fuer aber absolut notwendig, um die Interessen der Verbraucher zu wahren. ------------------------------------------------------------------- Aerogel: Unzerstoerbares Leichtgewicht Ein neuer Werkstoff aus den USA verspricht leichtere und stabilere Fahrzeuge fuer die Raumfahrt und den Flugverkehr. Nach Aussage der Entwickler von der Universitaet Oklahoma wiegen drei Quadrat- zentimeter des noch namenlosen Materials knapp ueber ein Gramm. Die feinporige, flexible Struktur sei halb so dicht wie Balsaholz und selbst durch Hammerschlaege kaum zu beschaedigen, schreibt der beteiligte Forscher Bing Fung im Fachblatt "Advanced Materials". Als Ausgangsmaterial verwenden die Forscher Zellstoff aus der Holzindustrie. Diesen Zellstoff veredeln sie dann zu einem so genannten Aerogel. Darunter versteht man einen Feststoff, der entsteht, wenn der Fluessiganteil eines Gels durch Gas ersetzt wird. Entsprechende Verfahren sind schon seit den 30er Jahren bekannt. Aus den verschiedensten Materialien - darunter Silizium, Metall oder Kohlenstoff - werden seitdem Aerogele zu einer Art "Glasschwamm" geformt. Sie haben sich durch gute waerme- und schallisolierende Eigenschaften bewaehrt, sind aber in der Regel leicht bruechig. Der Einsatz flexiblen Zellstoffes gleicht diesen Nachteil aus, berichten die amerikanischen Forscher. Sie kombinierten den Herstellungsprozess mit einer Methode, die schon zur Papier- verstaerkung eingesetzt wird. Das jetzt vorliegende Aerogel sei zudem um das Zehnfache fester als alle vergleichbaren Entwicklungen, sagen die Forscher. ------------------------------------------------------------------- Einigung auf einheitliches Oekosiegel Produkte aus oekologischer Landwirtschaft sollen kuenftig an einem einheitlichen Siegel erkennbar sein. Darauf haben sich gestern das Bundesministerium fuer Verbraucherschutz, Ernaehrung und Landwirtschaft, der Lebensmittelhandel, die Organisationen Bioland und Demeter sowie der Bauernverband geeinigt. Einerseits soll der Verbraucher oekologisch erzeugte Produkte auf einen Blick erkennen koennen. Andererseits soll ein einheitliches Siegel den oekologisch erzeugten Produkten den Weg in die Supermaerkte ebnen. Das Oekosiegel werde auf den Regeln basieren, die in der Europaeischen Union vorgegeben sind, teilte das Ministerium mit. So sollten "Wettbewerbsverzerrungen fuer die deutschen Bauern" vermieden werden. Die bereits in Deutschland geltenden strengeren Regelungen - zum Beispiel die der Arbeits- gemeinschaft Oekologischer Landbau (AGOEL) - haetten im Wettbewerb nachteilig gewirkt. Die EU-Oekoverordnung knuepft an den Basisrichtlinien der Internationalen Vereinigung der oekologischen Landbaubewegungen (IFOAM) an, in der etwa 500 Verbaende aus 70 Nationen organisiert sind. Kernpunkte sind unter anderem ein generelles Verbot der Verwendung gentechnisch veraenderter Organismen, eine flaechen- gebundene Tierhaltung, die Fuetterung mit oekologisch erzeugten Futtermitteln ohne Zusatz von Antibiotika oder Leistungsfoerderern sowie hoechstmoegliche Verbrauchersicherheit durch regelmaessige Kontrollen fuer oekologisch erzeugtes Fleisch. Eher enttaeuscht zeigten sich Oekoverbaende, die bereits nach strengeren Regeln arbeiten. Bundesverbraucherministerin Renate Kuenast kuendigte an, sich fuer eine Verschaerfung der EU-Oekoverordnung sowie fuer eine Ausweitung der Verordnung auf den Weinbau und die Fischerei einzusetzen. Quelle: Bundespresseamt / Verbraucherministerium, 22.5.2001 ------------------------------------------------------------------- Eine kosmische Nabelschnur Was Theoretiker und Computersimulationen bereits vorhergesagt hatten, konnten Palle M�ller von der Europaeischen Suedsternwarte (ESO) in Garching und seine Kollegen jetzt erstmals in der Realitaet nachweisen. Demnach besass das Universum in seiner Fruehzeit eine netzartige Struktur, in der die Galaxien entlang von Filamenten aufgereiht waren. Fuer ihre Beobachtungen nutzten die Forscher das Very Large Telescope (VLT) der ESO auf dem chilenischen Cerro Paranal. Das Observatorium verfuegt ueber vier Teleskope mit Spiegeldurch- messern von etwa acht Metern. Diese Grossteleskope koennen jedes fuer sich operieren. Bei Bedarf koennen sie aber auch zusammen- geschaltet werden, so dass sie wie ein einzelnes 16-Meter-Teleskop arbeiten. Damit ist es moeglich, auch extrem weit entfernte, leuchtschwache Objekte zu beobachten. Mit diesem Instrument ermittelten die Astronomen die Entfernungen von acht Galaxien in der Umgebung des Quasars Q1205-30. Dieser liegt in einer Entfernung von rund 13 Milliarden Lichtjahren. Sein Licht und das der Galaxien stammt damit aus einer Zeit, als das Universum lediglich zwei Milliarden Jahre alt war. Die Kartierung ergab, dass die Galaxien in diesem Fruehstadium des Universums wie Perlen auf einer Schnur angeordnet waren. Die Beobachtung bestaetigt eine Theorie, nach der sich kurz nach dem Urknall fadenartige Strukturen im Universum bildeten. In diesen Filamenten entstanden die Galaxien und stroemten dann an den Verknuepfungspunkten der Filamente zusammen. Das Universum ging damit von einer netzartigen zu einer klumpigen Struktur ueber. "Wir haben wenig Zweifel, dass wir hier zum ersten Mal ein kleines kosmisches Filament aus dem fruehen Universum sehen", so M�ller. "Dies bekraeftigt unser gegenwaertiges Bild von der Entwicklung des Universums, in dem wir leben." Die Entdeckung stuetzt nicht nur bisherige Computersimulationen zur Entwicklung des Universums. Umgekehrt hilft sie auch, die Startbedingungen fuer solche Simulationen einzugrenzen und sie damit weiter zu verfeinern. Das Team sieht allerdings den methodischen Aspekt im Vordergrund: "Wir haben nun eine Beobachtungsmethode, um das kosmische Netz im Fruehstadium des Universums zu erforschen." ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt Media GmbH Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---------------------------------------------------------------------- Kostenlose Warenproben, Schnaeppchen und Produktinfos! 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