MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 25.6.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Berge schwinden schnell und heftig 2. Leckerer Busch: Gelee als Lockmittel 3. Jupitermond Io: Zu warm an den Polen 4. 95 Substanzen verraten den Wein ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Berge schwinden schnell und heftig Der Zahn der Erosion nagt vermutlich viel staerker an den Bergen, als bisher angenommen. Dies berichten amerikanische Geologen und Physiker jetzt. Sie glauben, dass katastrophale Bergrutsche haeufiger auftreten, als historische und geologische Aufzeichnungen dies vermuten lassen. Normalerweise wird die Erosionsrate ueber die Sedimentmenge bestimmt, die sich ueber Jahrzehnte hinweg in Gebirgsbassins ansammelt oder mit Fluessen abtransportiert wird. James Kirchner von der University of California in Berkeley und seine Kollegen entwickelten jedoch eine Messmethode, bei der die Menge eines bestimmten Beryllium-Isotops, Beryllium-10, im Sediment gemessen wird. Beryllium-10 entsteht in oberflaechennahem Gestein, solange es der kosmischen Strahlung ausgesetzt ist. Die Menge von Beryllium-Isotopen im Sediment zeigt daher an, wie lange das Gestein urspruenglich an der Flanke eines Berges sass und laesst damit Rueckschluesse auf die Erosionsrate zu. Die Anwendung dieser Messmethode an 32 Stellen in den Rocky Mountains erbrachte Verblueffendes: Den Berechnungen zufolge war die Erosionsrate waehrend der letzten 5,000 bis 30,000 Jahre naemlich rund siebzehn Mal hoeher, als die herkoemmlichen Bestimmungen der vergangenen Jahrzehnte ergeben hatten. "Die Resultate zeigen, dass konventionelle Sedimentmessungen - selbst wenn sie ueber Jahrzehnte hinweg erfolgen - die Sedimentfracht langfristig deutlich unterschaetzen und damit die Lebensdauer von kuenstlich angelegten Wasserreservoirs ueberschaetzen", schreiben die Forscher im Fachjournal "Geology". Kirchner und seine Kollegen glauben, dass dies vor allem auf sporadisch auftretende, grosse Bergrutsche zurueckzufuehren ist. Solche Hangrutsche koennten beispielsweise nach grossen Vegetationsfeuern auftreten, wenn das Regenwasser ungehindert die Haenge herab rauschen kann. Unter solchen Ereignissen habe auch die Oekologie der Gebirgsfluesse zu leiden, so die Forscher. ------------------------------------------------------------------- Leckerer Busch: Gelee als Lockmittel Nicht alle Blueten bieten ihren Gaesten Nektar an, um sie zum Bestaeuben zu ueberreden. Im Pantanal, einem grossen Feuchtgebiet im suedwestlichen Brasilien, existiert der Busch Combretum lanceolatum, dessen Blueten anstelle fluessigen Nektars ein Zuckergelee produzieren. Von den Einheimischen wird der Strauch "Remela de pomba" genannt. Uebersetzt bedeutet das in etwa "gelbe Taubenfalle". Weil sich Tauben von dem Zuckergelee anlocken lassen, legen sich Jaeger gern vor dem Busch auf die Lauer. Die brasilianische Biologin Marlies Sazima ermittelte jetzt, dass die Pflanze nicht nur von Tauben, sondern von insgesamt 28 verschiedenen Vogelarten besucht wird. Ihre Beobachtung hat sie im Fachblatt "Plant Systematics and Evolution" veroeffentlicht. Das Gelee wird von jeder neuen Bluete in nur einer Nacht produziert. Es besteht aus einem suessen, faserigen Kuegelchen von etwa sechs Millimetern Durchmesser. Das Gel wird dazu ueber vier Nektardruesen ausgeschieden. Die Biologen vergleichen die Vogelspeise und ihre Produktion mit dem Gummiarabikum, das sich aus Akazien und Mimosen gewinnen laesst, wenn die Pflanzen verletzt werden. "Combretum scheint ueber einen Selbstverletzungsmechanismus zu verfuegen", meint Sazima. Die Forscherin vermutet, dass der Busch das Gelee hervorbringt, um Insekten fern zu halten. Diese koennen mit der weichen, aber festen Suessigkeit nichts anfangen. Zum Bestaeuben benoetigt die Bluete ausschliesslich Voegel, die den Pollen zur Verteilung in ihr Gefieder aufnehmen. Insekten waeren also nur unerwuenschte Nektardiebe, wenn der Busch seine Belohnung in fluessiger Form anboete. Der britische Biologe Jeff Ollerton spekuliert, es koenne noch aehnliche, bisher unbekannte Pflanzen geben, die ebenfalls ein Gelee auf der Speisekarte haben. "Je laenger wir die Interaktion zwischen Pflanzen und Bestaeubern erforschen, um so mehr neue Systeme entdecken wir", so Ollerton. ------------------------------------------------------------------- Jupitermond Io: Zu warm an den Polen Io, der drittgroesste Mond des Planeten Jupiter, verwirrt die Astronomen. Neue Temeraturkarten zeigen, dass er an seinen beiden Polen genauso warm ist, wie an seinem Aequator. Die Forscher hatten erwartet, dass Io - wie viele andere Planeten und Monde - an den Polen kaelter ist, da dort die Sonneneinstrahlung geringer ist als am Aequator. Die neuen Temperaturkarten wurden auf der Basis von Messdaten der amerikanischen Raumsonde Galileo erstellt, die seit 1995 den Jupiter umkreist. Die Karten zeigen, dass die Temperaturen auf Io zwischen minus 180 und minus 100 Grad Celsius schwanken. Lediglich in kleinen Gebieten erreicht die Temperatur durch vulkanische Aktivitaet hoehere Werte. Auch waehrend der Nacht, so zeigen die Daten, ist die Tempeatur an den beiden Polen Ios genauso hoch wie am Aequator. Die Wissenschaftler raetseln nun, durch welche Prozesse die polaren Regionen zusaetzlich erwaermt werden koennten. Moeglicherweise wird vulkanische Waerme bevorzugt zu den Polregionen transportiert, oder diese Gebiete haben eine andere Oberflaechenbeschaffenheit, welche die Waerme besser speichern kann. ------------------------------------------------------------------- 95 Substanzen verraten den Wein Wein besteht aus rund 1.000 verschiedenen Inhaltsstoffen. Doch nur 95 davon muessen analysiert werden, um Herkunft und Rebsorte zu bestimmen. Eine entsprechende Analysetechnik haben Chemiker aus Jena entwickelt. Die Forscher um Prof. Dr. Klaus Danzer vom Lehrstuhl fuer Analytische Chemie konzentrieren sich bei ihrer Suche auf 60 organische und 35 anorganische Substanzen. Die organischen verraten die Rebsorte mit 97 Prozent Treffsicherheit, die anorganischen das Anbaugebiet mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit. Fuer die Analyse nutzen die Chemiker atom- und massenspektroskopische Verfahren. Die dabei anfallenden riesigen Datenmengen werden in speziellen Programmen zur Mustererkennung verarbeitet. Auf diese Weise koennen die Forscher auch manch unerwuenschte Substanz im Wien entdecken: Barium, Eisen, Aluminium, Phosphor, Chrom, Magnesium, Blei, sogar Strontium und Uran sind nachweisbar. Die winzigsten Spuren machen aber meist nur wenige Nano- oder Mikrogramm pro Liter aus. "Das ist etwa so, als wuerde man einen Zuckerwuerfel im Bodensee aufloesen", meint Danzer. Fuer den Verbraucher seien die Inhaltsstoffe in diesen geringsten Mengen absolut ungefaehrlich. Danzer: "Im Trinkwasser sind die Konzentrationen mitunter sogar hoeher. Noch nie war Wein so rein wie heute." In hundert Jahre alten Weinproben fand Danzers Team deutlich hoehere Bleikonzentrationen. "Die sind dann meist immer noch ungefaehrlich", so der Forscher, "ruehren aber von anderen Kelter- und Lagerverfahren her." ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt Media GmbH Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---------------------------------------------------------------------- Arbeit kann Nerven kosten. 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