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MorgenWelt HEUTE vom 4.7.2001
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1. Gutenberg-Bibel wird Weltkulturerbe
2. Erfolgreich gegen resistente Erreger
3. Riesensterne: Groesser als gedacht
4. Karthago war doch kriegerisch
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Gutenberg-Bibel wird Weltkulturerbe

Die Gutenberg-Bibel soll zum Weltkulturerbe erklaert werden. Diese
Empfehlung hat jetzt das International Advisory Board der UNESCO
abgegeben. Die Bibel, die in der Goettinger Staats- und
Universitaetsbibliothek aufbewahrt wird, soll demnach in die Liste
"Gedaechtnis der Menschheit" aufgenommen werden. Mit dieser Liste
weist die UNESCO sowohl auf die Bedeutung als auch auf die Bewahrung
des dokumentarischen Erbes der Menschheit hin.

Die Gutenberg-Bibel aus Goettingen ist eine von weltweit nur vier
vollstaendig erhaltenen 42-zeiligen Pergament-Ausgaben. Urspruenglich
gab es einmal 30 Exemplare. Die Nominierung zum Weltkulturerbe
bedeutet nach Aussage der Staatsbibliothek auch eine Anerkennung fuer
die Digitalisierung der Gutenberg-Bibel. Die Archivare haben eine
digitale Ausgabe unter http://www.gutenbergdigital.de ins Internet
gestellt.

Mit dem Goettinger Gutenberg-Projekt ehrt die UNESCO die epochale
Bedeutung der Erfindung des Buchdruckes durch Johannes Gutenberg im
15.Jahrhundert. Durch den Buchdruck sei die Alphabetisierung vieler
Menschen ueberhaupt erst moeglich geworden. Neben der Goettinger
Gutenberg-Bibel sollen Beethovens 9. Sinfonie, Fritz Langs beruehmter
Stummfilm "Metropolis" und Goethes Nachlass aus der Stiftung Weimarer
Klassik zum "Gedaechtnis der Menschheit" gehoeren.

In der Goettinger Staatsbibliothek lagern neben dem bedeutenden
Bibel-Exemplar auch das Musterbuch (Mainz um 1454) mit den
Anweisungen zur Ausgestaltung der Gutenberg-Bibel und das
"Helmaspergersche Notariatsinstrument" aus dem Jahr 1455. Dieses
Dokument ist weltweit der wichtigste Beweis dafuer, dass Gutenberg
den Druck mit beweglichen Lettern erfunden hat.
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Erfolgreich gegen resistente Erreger

Einen Erfolg gegen Antibiotika-resistente Bakterien kann die
daenische Landwirtschaft verzeichnen. Wie eine jetzt vorgelegte
Studie feststellt, ist die Zahl resistenter Erreger seit sechs Jahren
stark ruecklaeufig. Im Jahr 1995 hatte Daenemark erstmals den Einsatz
von Antibiotika bei Schweinen und Huehnern eingeschraenkt. Die
Massnahme wurde im Jahr 1997 noch verschaerft. Die Richtigkeit der
damaligen Entscheidung belegt die Studie, die Frank Aarestrup und
seine Kollegen vom Daenischen Veterinaer-Labor in Kopenhagen
vorgelegt haben.

An Huehnern stellten die Forscher fest, dass das Magenbakterium
Enterococcus faecium nur noch in sechs Prozent aller Krankheitsfaelle
resistent gegen das Antibiotikum Avoparcin ist. Im Jahr 1995 war
dagegen noch 73 Prozent der Bakterien gegen eine Behandlung immun.
Die Resistenz gegen das Antibiotikum Virginiamycin ging um die
Haelfte zurueck, seit sein Gebrauch im Jahr 1998 stark eingeschraenkt
wurde.

Aehnlich gut wirken Antibiotika jetzt auch wieder bei Schweinen. So
ging etwa die Resistenz des Erregers Enterococcus faecalis gegen
Tylosin von 94 auf 28 Prozent zurueck. Der Wirkstoff darf seit 1997
nicht mehr wahllos eingesetzt werden.

Von den schnellen Erfolgen sind die Forscher selbst ueberrascht.
Lange Zeit war umstritten, ob sich Resistenzen ueberhaupt wieder
rueckgaengig machen lassen. Antibiotika werden in der Tiermast
ueberwiegend als Wachstumsbeschleuniger eingesetzt. Wie die Statistik
belegt, konnte die daenische Fleischindustrie ihre Produktion aber
auch ohne die Medikamente steigern.
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Riesensterne: Groesser als gedacht

Rote Riesensterne sind erheblich groesser als bislang vermutet. Das
behauptet zumindest der amerikanische Physiker Charles Townes. Von
seiner Forschungsgruppe an der kalifornischen Universitaet Berkeley
durchgefuehrte Messungen zeigen, dass die Riesensterne um 10 bis 30
Prozent groesser sind, als es die Theorien der Astronomen voraussagen.

Mit einem neuartigen Verfahren hatten die Forscher den Durchmesser
der drei Sterne Mira, Betelgeuze und Antares bestimmt. Alle drei sind
Rote Riesen, Sterne also, die sich nach dem Verbrauch des
Wasserstoffs in ihrem Inneren zu einem Vielfachen ihrer
urspruenglichen Groesse aufgeblaeht haben. Nach Townes Aussage
bedeuten die Ergebnisse seiner Messungen "Aerger" fuer die
Astronomen, die sich mit der Entwicklung alter Sterne befassen -
irgendetwas scheint an den Theorien falsch zu sein.

Bei dem neuartigen Verfahren verbindet Townes zwei Infrarot-Teleskope
zu einen so genannten Interferometer. Dadurch wirken die Instrumente
wie ein einziges, grosses Fernrohr und sind in der Lage, den Stern
aufzuloesen. Um durch die Gaswolken, in welche die grossen Sterne
eingehuellt sind, hindurchblicken zu koennen, "mischen" die Forscher
zusaetzlich das Licht des Stern mit kuenstlichem Laserlicht. Dadurch
werden alle bis auf eine spezielle Wellenlaengen - fuer welche die
Gaswolken durchsichtig sind - ausgeloescht.

Bei der Entwicklung seines Verfahrens kam dem 85-jaehrigen Charles
Townes seine langjaehrigen Erfahrung aus dem Bereich der
Quantenelektronik zugute. Fuer seine Forschungen in diesem Bereich
hatte Townes bereits 1964 den Nobelpreis fuer Physik verliehen
bekommen.
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Karthago war doch kriegerisch

Die Buerger Karthagos sollen nach antiken Quellen friedliche Haendler
gewesen sein. Roemische und griechische Texte besagen, die Karthager
seien militaerisch schwach gewesen, weil sie zu ihrer Verteidigung
nur schlecht motivierte Soeldner einsetzten. Tatsaechlich waren die
Karthager aber kriegerischer als bisher vermutet, sagt jetzt die
Historikerin Prof. Dr. Linde Marie Guenther vom Lehrstuhl fuer Alte
Geschichte an der Ruhr-Universitaet Bochum. Sie stuetzt ihre These
auf die Interpretation karthagischer Muenzen.

Deren Abbildungen und Macharten belegen, dass die Karthager Heerlager
ausserhalb ihrer eigenen Stadt unterhielten und dort Geld praegten,
um die Soldaten zu entlohnen. Die erste Muenzpraegung der Karthager
fand demnach zeitgleich mit ihrem ersten Eroberungskrieg 410 v. Chr.
in Westsizilien statt. Dort konnte Karthago mehrere Staedte einnehmen
und seine Vorherrschaft bis zum ersten punischen Krieg (ab 264 v.
Chr.) behaupten.

Die in Sizilien gepraegten Geldstuecke waren aus Silber und trugen
die Aufschriften "Karthago" und "Heerlager". Wie die griechische
Drachme wog eine solche Muenze 4,5 Gramm. Die im Heerlager
hergestellten Geldstuecke waren nur fuer den dortigen Umlauf gedacht,
sagt Guenther. Sie schliesst dies aus den gepraegten Werten: Es
wurden ausschliesslich 4-Drachmen-Stuecke (Tetradrachmen) gepraegt,
mit denen sich der Sold der Krieger auszahlen liess.

Die Stadt Karthago selbst begann mit der Praegung ziviler Goldmuenzen
erst 30 bis 40 Jahre spaeter, sagt die Historikerin. Aehnlichkeiten
zwischen den Muenzen von Karthago und denen auf Sizilien gibt es aber
auch: Beide zeigen ab der Mitte des 4. Jahrhunderts v.Chr. die
typischen karthagischen Muenzbilder. Dazu gehoeren der Kopf der
Goettin Tanit, ein Pferd und eine Palme. Vorher waren die Muenzbilder
im Heerlager an sizilianische Bilder angelehnt. Erst ab diesem Punkt
der Uebereinstimmung betrachteten die Karthager demnach Westsilizien
als ihre Provinz.
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