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MorgenWelt HEUTE vom 5.7.2001
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1. WHO-Offensive gegen Polio
2. Zypresse nutzt Leihmuetter
3. Mueckeneier als Cholera-Reservoir
4. AIDS-Kongress: Mehr Infektionen in Osteuropa
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WHO-Offensive gegen Polio

In vier Staaten Zentralafrikas ist heute eine umfassende
Polio-Impfkampagne angelaufen. In nur fuenf Tagen will die
Weltgesundheitsorganisation WHO jedes Kind unter fuenf Jahren gegen
das Polio-Virus immunisieren. 250.000 freiwillige Mitarbeiter sollen
in Angola, der Republik Kongo(-Brazzaville), der Demokratischen
Republik Kongo und Gabun rund 16 Millionen Kinder impfen. Die Helfer
werden dafuer von Haus zu Haus gehen, weil das desolate Verkehrsnetz
eine Anreise der Familien zu Impfstationen verhindert.

Das Virus Poliomyelitis anterior acuta, das Kinderlaehmung
verursachen kann, ist fast ueberall auf der Welt ausgerottet.
Zentralafrika aber gilt unter Forschern als das letzte
Rueckzugsgebiet des Virus. Weil Buergerkriege die medizinische
Versorgung der Region seit laengerem erschweren, koennte Polio
ueberleben und sich eines Tages wieder weltweit ausbreiten.

Die Impfoffensive der WHO verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Ab naechstem
Jahr sollen weltweit keine neuen Polio-Infektionen mehr aufkommen.
Bei Erfolg koennte die Erde im Jahr 2005 fuer Polio-frei erklaert
werden.

Kritiker befuerchten allerdings, der Zeitplan werde wegen der
militaerischen Lage nicht einzuhalten sein. In Angola werden Teile
des Landes von den UNITA-Rebellen kontrolliert. Jedes fuenfte
angolanische Kind lebt in diesem Gebiet und wird deshalb von der
Impfoffensive nicht erreicht. Kirchliche Gruppen haben betroffene
Eltern aufgerufen, mit ihren Kindern an die Grenze Angolas zu reisen,
um sie dort versorgen zu lassen.

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Zypresse nutzt Leihmuetter

Eine seltene Zypressenart in der algerischen Wueste nutzt
Leihmuetter, um ihren Fortbestand zu gewaehrleisten. Dies berichtet
ein Team franzoesischer und italienischer Forscher jetzt. Gelangt der
Pollen von Cupressus dupreziana auf die weiblichen Blueten einer
anderen Zypressenart, entwickelt sich aus ihm auch ohne Befruchtung
ein neuer Same.

Schon laenger hatten Christian Pichot vom Institut National de la
Recherche Agronomique und seine Kollegen die Pflanze im Verdacht,
eine ungewoehnliche Fortpflanzungsstrategie zu verfolgen. Daher
untersuchten sie Mischlinge, die aus der Bestaeubung einer anderen
Zypressenart mit dem Pollen von Cupressus dupreziana hervorgegangen
waren.

Diese Hybride stimmten in allen aeusserlichen Merkmalen wie
Wuchsform, Zapfen- und Pollengroesse mit ihren Vaetern ueberein. Von
der muetterlichen Zypressenart schienen sie keine Merkmale geerbt zu
haben, schreiben die Forscher in "Nature". Eine genetische
Untersuchung bestaetigte diese Vermutung: Die vermeintlichen
Mischlinge waren eigentlich nur Klone ihrer Vaeter.

Demnach hat die Zypresse, von der es nur noch 231 Exemplare gibt,
eine Strategie entwickelt, ihren Nachwuchs von anderen Zypressenarten
bis zur Samenreife "austragen" zu lassen. Da dieser Samen nur das
Erbgut von Cupressus dupreziana traegt, sorgt er fuer den Fortbestand
der Art. Die Ernaehrung des sich bildenen Samens muss allerdings die
"Leihmutter" uebernehmen.

Cupressus dupreziana ist damit so etwas wie der Kuckuck unter den
Pflanzen. Die Forscher glauben, dass die Pflanze mit dieser Strategie
auf ihre geringe Populationsgroesse reagiert hat. Sie lasse lieber
andere Pflanzen gesunde Klone von sich produzieren, als die Gefahren
der Inzucht auf sich zu nehmen.
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Mueckeneier als Cholera-Reservoir

Die Eigelege von Zuckmuecken sind eine Brutstaette fuer
Cholera-Bakterien, berichten jetzt zwei israelische Forscher. Sie
entdeckten, dass die gallertartige Gelegehuelle den Bakterien als
Nahrung dient und ihnen so eine starke Vermehrung erlaubt.

Zuckmuecken legen ihre Eier in Gewaessern ab. Dabei produzieren sie
Eigelege, die aus einer schraubenfoermig gewundenen Kette von
mehreren Hundert Eiern bestehen. Aus Abwassertuempeln sammelten Meir
Broza und Malka Halpern von der Universitaet Haifa solche Eigelege
der Mueckenart Chironomus und hielten sie im Labor. Eines Morgens
mussten sie feststellen, dass saemtliche Eigelege ueber Nacht ihre
Eier freigesetzt hatten. Diese waren zudem groesstenteils steril.

Broza und Halpern spekulierten, dass die Gallerthuelle der Gelege
vielleicht von Bakterien zersetzt worden war. Tatsaechlich fanden sie
zwei Staemme der Bakterienart Vibrio cholerae. Diese Staemme waren
jedoch harmlose Biotypen des Bakteriums, die keine Cholera ausloesen
koennen.

Bei diesem Befund handelte es sich um keinen Einzelfall. "Daraufhin
sammelten wir Eimassen von Chironomus aus verschiedenen Regionen
Israels und konnten aus saemtlichen Proben Vibrio cholerae
isolieren", schreiben die Forscher in "Nature". Weitere
Untersuchungen ergaben, dass die Gallerthuelle einen guten Naehrboden
fuer die Bakterien darstellte, auf dem sie sich stark vermehren
konnten.

Es sei wahrscheinlich, "dass Chironomus-Eigelege auch fuer die
pathogenen Vibrio cholerae-Staemme ein geeigneter (und weit
verbreiteter) Naehrboden sind", glauben Broza und Halpern. Aehnliche
Verbindungen habe man auch schon zwischen Vibrio-Bakterien und
tierischen Plankton-Organismen beobachtet. Sie koennten wichtig fuer
das Ueberleben der Cholera-Bakterien zwischen zwei Epidemien sein.
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AIDS-Kongress: Mehr Infektionen in Osteuropa

AIDS ist noch lange nicht besiegt, das Gegenteil ist der Fall: Weil
sich die Menschen wieder sicher fuehlen, steigt die Zahl der
HIV-Neuinfektionen. Osteuropa, das sich lange Zeit gar nicht
betroffen fuehlte, holt jetzt im Eiltempo die westliche Entwicklung
nach.

Mit diesen bedrueckenden Informationen begann am Mittwoch in Berlin
der 8. Deutsche AIDS-Kongress. "Grenzen ueberwinden" lautet das
Motto, unter dem die Deutsche AIDS-Gesellschaft vom 4. bis zum 7.
Juli tagt. Der Kongress will mit dem Titel die weltumspannde
Dimension der HIV-Epidemie thematisieren. Unter der Schirmherrschaft
von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt treffen sich 1.500 Aerzte und
Wissenschaftler zum Austausch neuer Forschungsergebnisse.

Im Mittelpunkt des Eroeffnungstages am Mittwoch stand die Situation
in den osteuropaeischen Staaten. "Die Epidemie hat Osteuropa bisher
verpasst", so Dr. Karl Dehme von UNAIDS aus Wien. Begann die
Erkrankung in der westlichen Welt bereits vor fast zwanzig Jahren,
ist der Osten Europas erst seit etwa zehn Jahren betroffen. Zur Zeit
erfahren die Laender im Osten jedoch eine alarmierende Entwicklung,
die Zahlen der Neuinfektionen steigen dramatisch an.

In den Laendern der ehemaligen Sowjetunion wird allein in diesem Jahr
mit 100.000 Neuinfektionen gerechnet. Das bedeutet einer Steigerung
um 90,9 Prozent. In Russland haben sich damit allein im Jahr 2000
mehr Menschen mit HIV angesteckt haben, als in allen Jahren vorher
insgesamt, so Dr. Bernhard Schwartlaender von UNAIDS, der
AIDS-Organisation der Vereinen Nationen. Und auch im Jahr 2001 haelt
der Trend in Russland unveraendert an.

Vor allem die Infektionszahlen unter Drogenabhaengigen sind
alarmierend: Die UN rechnet mit einer bis drei Millionen Menschen,
die intravenoes Drogen nehmen und sich somit einem Ansteckungsrisiko
aussetzen. Heute gehen bereits 40 bis 60 Prozent der Neuinfektionen
auf das Konto dieser Personengruppe. Hilfsangebote, wie etwa
Spritzentausch oder Methadonprogramme, sind dagegen Zukunftsmusik.
Besonders betroffen sind die Grossstaedte; Dehme bezeichnet Moskau
als die Stadt mit dem groessten Drogenproblem der ganzen Welt.

Einzelne Laender Osteuropas stehen besser da. So kann die Vertreterin
Litauens, Irma Mittien� von der Litauischen Gesundheitsbehoerde, auf
eine 15mal niedrigere Zahl HIV-Infizierter als die EU verweisen.
Hauptgrund fuer diese niedrige Zahl ist die Aufklaerungsarbeit des
Landes, die bereits 1989 - noch vor der Unabhaengigkeit - begann:
Ueber 90 Prozent der Litauer sind ueber AIDS und die
Uebertragungswege informiert.

Eine derart gute Vorsorge ist aber selten. Oftmals sind es kulturelle
Aspekte, die eine gute Praeventionsarbeit erschweren. So sind in
vielen Laendern Vorurteile gegen Homosexuelle und Drogenabhaengige
stark ausgepraegt und Sexualitaet kann nicht oeffentlich angesprochen
werden. Auch finanzielle Probleme belasten die Staaten.

Die Weltbank rechnet damit, dass 50 Millionen US-Dollar noetig
waeren, um den Drogenabhaengigen Russlands Zugang zu Hilfsprogrammen
zu ermoeglichen. Zur Zeit zahlt die aber niemand. Angesichts der
Tatsache, dass die Laender der GUS allein der Bundesrepublik 80
Milliarden Mark schulden, seien im internationalen Massstab die 50
Millionen Dollar nicht viel Geld, so Dehme. Er fordert eine bessere
Unterstuetzung unserer osteuropaeischen Nachbarn.

Auch in Deutschland gibt es neue Probleme: Dr. Elisabeth Pott von der
Bundeszentrale fuer Gesundheitliche Aufklaerung (BZGA) beklagt, dass
sich insbesondere das Verhalten Jugendlicher hierzulande unguenstig
entwickele: Lediglich 70 Prozent der als gefaehrdet eingestuften
Personen benutzen Kondome bei sexuellen Kontakten. 2.000
Neuinfektionen im Jahr in Deutschland sind die Folge. Zudem sei das
Wissen, dass auch nicht erkrankte Infizierte die Erkrankung
uebertragen, im Bewusstsein der Bevoelkerung nicht mehr praesent,
sagt Pott.

In dieses Bild passt auch, dass in der Schweiz zum ersten Mal seit
vier Jahren wieder eine HIV-Infektion ueber eine Blutkonserve
stattfand: Der Spender hatte kurz vor der Spende ungeschuetzten
Geschlechtsverkehr und steckte sich dabei mit dem HI-Virus an.
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Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke
Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser
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