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MorgenWelt HEUTE vom 23.7.2001
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1. M33 ohne Schwarzes Loch?
2. Schon Duefte verfuehren Alkoholiker
3. Mathematik rettet Zikaden
4. Leitlinie gegen Kopfschmerz im Kindesalter
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M33 ohne Schwarzes Loch?

Supermassive Schwarze Loecher sind an sich schon spektakulaere
Gebilde. Doch auch das Fehlen eines solchen Schwerkraftmonsters kann
fuer Aufsehen sorgen. So geschehen im Fall der Galaxie M33, deren
Zentrum nach Ansicht amerikanischer Astronomen lediglich ein
"normales" Schwarzes Loch enthaelt - wenn ueberhaupt.

Supermassive Schwarze Loecher besitzen einige Millionen bis wenige
Milliarden Sonnenmassen. Sie entstanden kurz nach dem Urknall und
sind wahrscheinlich aus der Kontraktion gigantischer Gaswolken oder
dem Kollaps riesiger Sternhaufen hervorgegangen. Nach gegenwaertigem
Verstaendnis spielten die Schwergewichte eine wichtige Rolle in der
Fruehphase des Universums. Beispielsweise gelten sie als Keimstaette
junger Galaxien.

Wie alle bislang untersuchten Galaxien besitzt auch unsere
Milchstrasse in ihrem Zentrum ein supermassives Schwarzes Loch. Mit
einer Masse von drei Millionen Sonnen ist es eines der kleinsten
bekannten. Ob es Galaxien mit noch kleineren Schwarzen Loechern im
Zentrum gibt, war bislang strittig. "Der Nachweis Schwarzer Loecher
mit nur wenigen Tausend Sonnenmassen ist eine beobachtungstechnische
Herausforderung", so David Merrit von der Rutgers University, New
Jersey.

Merrit und sein Team nutzten das Weltraumteleskop Hubble, um
ungewoehnlich detailreiche Bilder der Galaxie M33 zu erhalten. Mit
drei Millionen Lichtjahren ist sie eine der naechsten Begleiterinnen
der Milchstrasse. Aus den Sternenbewegungen in der Galaxie
berechneten die Forscher, dass sich im Zentrum von M33 ein Schwarzes
Loch von weniger als 3.000 Sonnenmassen befindet.

Dies waere das kleinste Schwarze Loch, das jemals im Zentrum einer
Galaxie entdeckt wurde. "Erstmals koennen wir die Masse eines
Schwarzen Loches eingrenzen, welches drei Groessenordnungen kleiner
ist als das kleinste bisher nachgewiesene", erlaeutert Laura
Ferrarese, Mitglied des Forschungsteams.

Nun hoffen die Astronomen auf zusaetzliche Beobachtungszeit mit
Hubble. Denn noch steht die Frage offen, ob sich im Zentrum von M33
ueberhaupt ein Schwarzes Loch befindet. So oder so ist den Forschern
ein bedeutender Fund gelungen.
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Schon Duefte verfuehren Alkoholiker

Nicht nur der direkte Genuss von Alkohol loest bei "trockenen"
Alkoholikern eine koerperliche Reaktion aus. Auch die Stimulation mit
alkoholischen Duftreizen kann ausreicht, haben Wissenschaftler der
Heinrich-Heine-Universitaet jetzt gezeigt. Mit Hilfe der
funktionellen Kernspintomographie wiesen sie nach, dass alkoholkranke
Patienten im Vergleich zu gesunden Probanden eine ganz andere
Hirnaktivierung zeigen, wenn sie alkoholische Duefte wahrnehmen. Dies
geht bei den Patienten zudem mit einem erhoehten Ausmass an
Suchtverlangen einher.

Macht ein alkoholkranker Patient eine Therapie, so beinhaltet dies
ueblicherweise die folgenden Schritte: Nach dem etwa eine Woche
dauernden koerperlichen Entzug folgt meist eine mehrwoechige
Entwoehnungsbehandlung in einer Klinik, danach eine ambulante
Langzeitbehandlung. Dabei lernen die Patienten, ihr Leben ohne
Alkohol zu fuehren. Das Problem in der Therapie ist oft, dass die
Patienten auch langfristig unter einem hohen Alkoholverlangen leiden,
dem Suchtdruck.

Das bedeutet, dass die Patienten neben dem psychologischen Verlangen
bereits bei der Erinnerung oder Vorstellung von Alkohol oder dem
Konsum alkoholtypische koerperliche Reaktionen zeigen, wie
beispielsweise eine Erhoehung der Herzfrequenz, des Blutdrucks oder
vermehrtes Schwitzen. Dieses Verlangen nach Alkohol kann sich in
physischen und psychischen Reaktionen aeussern und fuehrt oft zu
Rueckfaellen in die Krankheit. Mit Hilfe von Verhaltenstherapie und
Medikamenten versuchen die Mediziner, das Suchtverlangen zu
reduzieren und zu kontrollieren.

Frank Schneider und Ute Habel von der Klinik und Poliklinik fuer
Psychiatrie und Psychiatrie der Duesseldorfer Universitaet und ihren
Kollegen ist es nun erstmals gelungen, die regionalen
Hirnaktivitaeten bei Alkoholkranken waehrend des Suchtdrucks sichtbar
zu machen. Bei Untersuchungen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern
des Instituts fuer Medizin des Forschungszentrums Juelich und der
Bonner Psychiatrischen Universitaetsklinik konnten sie nachweisen,
welche Hirnregionen bei dem durch alkoholische Duftreize ausgeloesten
Suchtverlangen bei Patienten aktiviert und damit beteiligt sind.

Dazu wurden zehn alkoholkranke Patienten einer Untersuchung mit der
funktionellen Kernspintomographie unterzogen, waehrend der wiederholt
alkoholische und neutrale Geruchsreize an die Nase geleitet wurden.
Bei der ersten Untersuchung fanden sich waehrend der Stimulation mit
Alkoholdueften spezifische Aktivierung in den Hirnregionen, die fuer
die Emotionen wesentlich sind, in den so genannten Mandelkernen.
Diese Auffaelligkeiten waren nach einer dreiwoechigen Therapie bei
einer erneuten Untersuchung nicht mehr nachweisbar.

Gleichzeitig berichteten die Patienten, die nach jeder Stimulation
zusaetzlich befragt wurden, anfangs auch von mehr Suchtverlangen,
welches nach der Therapie abgenommen hatte. Somit laesst sich
vermuten, dass sich emotionale Aspekte des Suchtverlangens in
Aktivierungen der Mandelkerne widerspiegeln.

Mit diesem Nachweis ist es dem Duesseldorfer Forscherteam um Prof.
Dr. Schneider gelungen, den Therapieverlauf abzubilden, zugleich
koennen aus dieser Studie neue Ansaetze fuer die Therapieforschung
hervorgehen. Denn nach den Experimenten ist nun ueberpruefbar, welche
spezifische Therapie bei alkoholkranken Patienten am Besten auf das
Suchtverlangen wirkt. Zugleich haben die Wissenschaftler einen
weiteren Nachweis dafuer erbracht, dass das Suchtverlangen
alkoholkranker Patienten auch biologische Grundlagen hat.
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Mathematik rettet Zikaden

Zikaden beherrschen nicht nur die Sangeskunst, sondern koennen auch
rechnen. Besonders begabte Vertreter der Insektengruppe verlassen nur
alle 13 oder 17 Jahre ihre unterirdischen Wohnhoehlen, um sich zu
paaren. Diese Strategie birgt einen evolutionaeren Vorteil: Raeuber
koennen ihre Lebenszyklen schlechter an das massenweise Auftreten der
Zikaden anpassen.

Wissenschaftler vom Center for Mathematical Modelling of Complex
Systems in Santiago de Chile und vom Max Planck Institut fuer
molekulare Physiologie in Dortmund simulierten jetzt erfolgreich das
biologische Phaenomen. Sie ahmten in einem Computermodell die
natuerlichen Lebensbedingungen der Insekten nach. In dieser
virtuellen Welt sollten die digitalen Zikaden unterschiedliche
Ueberlebensstrategien testen. Die Modellorganismen gelangten immer
zum selben Ergebnis: Sie veraenderten die Dauer ihrer Lebenszyklen so
lange, bis sie auf eine Primzahl trafen.

Der entscheidende Vorteil von Primzahlen: Sie lassen sich nur durch
eins teilen. Alle anderen Zahlen besitzen zusaetzliche Teiler. Der
Physiker Mario Markus erklaert die Bedeutung der Mathematik fuer
Zikaden: "Wenn die Zikaden Zyklen mit einer Laenge von 12 Jahren
haetten, wuerden alle Raeuber mit einer Fortpflanzungsperiode von
zwei, drei, vier und sechs Jahren sie fressen."  Durch die simple
Verlaengerung des Paarungszyklus um ein Jahr minimieren die Insekten
das Risiko, auf Todfeinde zu treffen.

Die Forscher verwendeten im Modell die Hypothese, dass Raeuber und
Parasiten aussterben, wenn sie nicht regelmaessig Zikaden antreffen.
"Das ist eine kuehne Vermutung", gibt Markus zu. Das Schicksal einer
ausgestorbenen Wespenart koennte in Zukunft die These untermauern.
Die Zikadenforscherin Christine Simon von der University of
Conneticut glaubt, dass die Wespe dem Umstand zum Opfer fiel, dass
sie ihren Lebenszyklus nicht in dem Masse verlaengern konnte wie die
Zikaden. Bis jetzt wurden allerdings noch keine fossilen Belege fuer
diese Vermutung gefunden.
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Leitlinie gegen Kopfschmerz im Kindesalter

Die Deutsche Migraene- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat eine
Leitlinie zur Vorbeugung und Therapie von Kopfschmerzen im
Kindesalter veroeffentlicht. Auf der Basis von klinischen Studien und
Expertenmeinungen gibt es jetzt konkrete Empfehlungen fuer Patienten
und Aerzte.

"Immer mehr Kinder leiden unter Kopfschmerzen", lautet die einhellige
Meinung der Wissenschaftler. Schon im Vorschulalter leidet jedes
fuenfte Kind unter Kopfschmerzen, bis zum 12. Lebensjahr kennen sogar
90 Prozent der Kinder das Problem. Das entdeckten Forscher bei einer
Untersuchung an fast 7000 Schuelern. Der ueberwiegende Anteil leidet
dabei an so genannten Spannungskopfschmerzen, immerhin 12 Prozent
aber an Migraene.

Stefan Evers von der Expertengruppe der DMKG betont, "dass
wiederkehrende und chronische Kopfschmerzen im Kindesalter
fruehzeitig, grundlegend und wirksam behandelt werden muessen". Die
Wissenschaftler warnen aber vor Selbstmedikation, da diese zu
Dauerkopfschmerzen und Folgeschaeden durch Schmerzmittel fuehren
koenne.

Hilfreich fuer die Diagnose sei ein Kopfschmerztagebuch, um
individuelle Ausloeser zu erkennen. Oft hilft dann schon Ruhe in
einem abgedunkelten Raum, ein kuehler Lappen auf der Stirn und
Pfefferminzoel auf Schlaefe, Stirn und Nacken. Unkomplizierte
Kopfschmerzen sollten dadurch innerhalb von zwei Stunden verschwinden.

Helfen diese einfachen Massnahmen aber nicht oder kommen Fieber,
Nackensteife, Benommenheit oder andere Symptome dazu, muss unbedingt
ein Arzt aufgesucht werden, betonen die Wissenschaftler.

Neben der Diagnostik gefaehrlicherer Krankheiten, wie z. B. einer
Hirnhautentzuendung, koennen die aerzte gezielt unterschiedliche
Formen von Kopfschmerzen behandeln.

Vorbeugende Massnahmen haben ebenfalls Bedeutung: Wichtig ist
Bewegung an frischer Luft und regelmaessige Schlaf- und Essenszeiten.
Aber auch Entspannungsuebungen koennen den kleinen Patienten helfen.

"Forschungsbedarf besteht bei Diaet und Akupunktur" berichten die
Experten der DMKG. Denn einige Kinder profitieren vom Verzicht auf
bestimmte Lebensmittel, "das muss jedoch individuell untersucht
werden", so die Aerzte.
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Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke
Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser
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