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MorgenWelt HEUTE vom 3.9.2001
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1. Bakterien: Vielfalt braucht Lebensraeume
2. Quecksilber: Boeses Fruehlingserwachen in der Arktis
3. Kein Sex bitte, wir sind Astronauten!
4. Malprogramme: Pinsel fuer den PC
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Bakterien: Vielfalt braucht Lebensraeume

Wenn sie nur genuegend Platz haben, koennen auch Todfeinde
nebeneinander existieren. Das zeigen Experimente, die amerikanische
Mikrobiologen mit drei Bakterien-Staemmen durchgefuehrt haben. Sie
bestaetigen damit entsprechende Computersimulationen, die ein
Nebeneinander unterschiedlich stark "bewaffneter" Mikroben
vorhergesagt hatten.

Benjamin Kerr von der Stanford University und seine Kollegen
untersuchten Lebensgemeinschaften, die aus drei Staemmen des
Darmbakteriums Escherichia coli bestanden. Einer der Staemme
produzierte ein Toxin, um sich Konkurrenten vom Leibe zu halten,
wuchs dafuer aber sehr langsam. Der zweite Stamm war resistent gegen
dieses Toxin und wuchs etwas schneller. Der dritte Stamm schliesslich
war empfindlich fuer das Toxin, wuchs jedoch am schnellsten.

Wenn die Forscher diese Todfeinde in eine Petrischale setzten, die in
miteinander verbundene Kammern unterteilt war, stellte sich eine
dynamische Patt-Situation ein: Der Toxin-Produzent toetete die
empfindlichen Bakterien in angrenzenden Kammern, wurde im Gegenzug
jedoch von den schneller wachsenden, resistenten Bakterien
ueberrannt.

Deren "Lebensraeume" wurden wiederum von den Toxin-empfindlichen
Mikroben eingenommen, berichteten Kerr und seine Kollegen auf einem
Mikrobiologie-Symposium in Amsterdam. Alle drei Staemme ueberlebten
in der Petrischale, da sie immer wieder ihre Staerken ausspielen
konnten.

Ganz anders war die Situation, wenn die Forscher eine Fluessigkultur
der drei Staemme ansetzten und durch staendiges Schuetteln fuer eine
gute Durchmischung sorgten. Da sie nun keine Rueckzugsgebiete mehr
fanden, fielen zunaechst die empfindlichen Bakterien den
Toxin-Produzenten zum Opfer. Diese wurden dann aber von den etwas
schneller wachsenden, resistenten Bakterien verdraengt.

aehnliche Verhaeltnisse seien in der Natur haeufiger als bislang
angenommen, sind die Forscher ueberzeugt. Daher zeige der Befund,
welche zentrale Bedeutung einem ausreichenden Angebot an
Lebensraeumen fuer die Erhaltung der Artenvielfalt zukomme.

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Quecksilber: Boeses Fruehlingserwachen in der Arktis

Wenn im arktischen Fruehling die Sonne ueber den Horizont steigt,
bringt sie nicht nur Licht und Waerme. Wie kanadische Meteorologen
berichten, wandelt die Sonnenstrahlung auch Quecksilber-Verbindungen
in eine Form um, in der sie sich in der Nahrungskette anreichern
koennen. Und das zu einer Zeit, in der das arktische Leben besonders
empfindlich fuer solche Kontaminationen ist.

Bei der Verbrennung fossiler Energietraeger gelangen jaehrlich etwa
4.000 Tonnen Quecksilber in die Luft, die von Winden auch in die
Arktis verfrachtet werden. Zunaechst liegt das giftige Schwermetall
jedoch in einer chemischen Form vor, in der es kaum in den Schnee
oder das Meer uebergeht.

Julia Lu und ihre Kollegen vom Kanadischen Meteorologischen Dienst in
Toronto ermittelten nun, dass diese schwer loesliche Quecksilberform
im Fruehling in eine leichter loesliche Form ueberfuehrt wird. Die
Forscher schaetzen, dass auf diese Weise jaehrlich rund 50 Tonnen
Quecksilber im arktischen Schnee abgelagert werden. Bei der
Schneeschmelze gelangt das angesammelte Schwermetall dann in einem
einzigen Schub in die arktische Tier- und Pflanzenwelt.

"Ausgerechnet dann, wenn die Arktis sich auf ihre zweimonatige
Wachstumssaison vorbereitet, laedt die Atmosphaere ihr gesamtes
Quecksilber ab", so Lus Kollegin Alexandra Steffen gegenueber der
Online-Ausgabe von "Nature".

Wie die Forscher in den "Geophysical Research Letter" schreiben,
setzt die Quecksilber-Deponierung zeitgleich mit einem Ozonabbau in
bodennahen Luftschichten ein. Aufgrund der zeitlichen
uebereinstimmung vermuten die Wissenschaftler einen gemeinsamen
Mechanismus. Ihrer Ansicht nach loest die arktische Fruehlingssonne
photochemische Reaktionen aus, bei denen Chlor- und Bromverbindungen
aus dem Meersalz mit atmosphaerischen Verbindungen reagieren.

Anfang dieses Jahres hatten Bremerhavener Forscher bereits einen
aehnlichen Mechanismus vorgeschlagen, der regelrechte
Quecksilber-Einbrueche in der Antarktis bewirken soll. Insgesamt
koennten so rund 150 Tonnen Quecksilber auf dem Umweg ueber die
Polgebiete zurueck in die irdischen oekosysteme gelangen, glauben Lu
und ihre Kollegen.
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Kein Sex bitte, wir sind Astronauten!

Die amerikanische Raumfahrtbehoerde Nasa macht sich Sorgen ueber
unerwuenschte Schwangerschaften im All. Darauf deuten Dokumente der
Nasa hin, welche die unabhaengige Website "NasaWatch" jetzt im
Internet praesentierte. Unter den Anleitungen fuer Notfaelle an Bord
der Internationalen Raumstation durch Verletzungen, Krankheiten oder
psychische Stoerungen der Astronauten findet sich auch die
Gebrauchsanweisung fuer einen Schwangerschaftstest.

Keith Cowling, ein frueherer Mitarbeiter der Nasa und jetzt
Herausgeber von NasaWatch, erlaeutert, dass sich diese Tests kaum auf
durch Aktivitaeten vor dem Raumflug ausgeloeste Schwangerschaften
beziehen koennen: Jeder weibliche Astronaut muss sich ohnehin
unmittelbar vor dem Flug einem Schwangerschaftstest unterziehen.
Schwangere Astronautinnen duerfen nicht fliegen, da es bislang
keinerlei Erkenntnisse ueber die Entwicklung menschlicher Foeten
unter dem Einfluss der Schwerelosigkeit gibt.

Bislang war "Sex im All" bei der Nasa ein Tabuthema. Offenbar, so
Cowling, beginnt man bei der Raumfahrtbehoerde angesichts
monatelanger Aufenthalte gemischt-geschlechtlicher Crews in der
Internationalen Raumstation umzudenken. "Schliesslich gibt es ja
nicht allzu viele Moeglichkeiten, die diese spezielle
Notfallsituation im All verursachen koennten", meint Cowling ironisch.

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Malprogramme: Pinsel fuer den PC

Wer mit dem Computer malen will, ist bisher auf Maus oder
Zeichentablett angewiesen. Die Bewegungen eines Pinsels lassen sich
damit aber nur schlecht nachvollziehen. Amerikanische Studenten
koennen demnaechst eine Alternative anbieten: Sie entwickelten ein
Malprogramm namens "dAb" und das dazugehoerige Werkzeug, das einem
Pinsel nachempfunden ist.

Ihren Prototyp stellten Bill Baxter und Vincent Scheib von der
University of North Carolina jetzt auf einer Konferenz fuer
Computer-Grafik dem Fachpublikum vor. "Grafik-Software hat sich
bisher auf das zu erzielende Ergebnis konzentriert, waehrend unser
Programm den Vorgang des Malens in den Mittelpunkt stellt", erklaert
Bill Baxter den neuen Ansatz.

Ein Maler kann das Geraet benutzen, als ob er anstatt vor dem
Bildschirm vor einer aufrecht stehenden Leinwand stuende. Der
Pinselstiel steckt in einer Art Schraubstock, der die Bewegungen
aufzeichnet und den Druck des Pinsels auf die Leinwand simuliert.
Dafuer stehen eine Reihe unterschiedlicher virtueller Pinsel zur
Auswahl. Auf einer "Palette" koennen zudem die gewuenschten Farben
beliebig gemischt werden. Der PC-Pinsel soll die Produktion von
Computer-Grafiken und Trickfilmen erleichtern.
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