Giesbert Damaschke schrieb am 11.02.1999 11:41 Uhr:
>Online-Beispiel par excellence fuer ein radikales Ausblenden der
>Realitaet und der schier grenzenlosen Faehigkeit, sich die Welt
>zurecht zu luegen, ist My-World.
Giesbert, ich weiss nicht was Du hast. man hat sich doch der
Realitaet insofern angepasst, dass man nach zwei Jahren
Rumfummeln aus My-World-Online endlich das gemacht hat,
was es vielleicht von Anfang an war: ein Lebensmittel-
Bringdienst. Du weisst selbst, dass Marketers und Werber
spaetestens um sechs aufstehen muessen, weil um halb sieben
ALDI zumacht, d. h. sie koennen zu normalen Zeiten nicht
einkaufen gehen.
Und dann ist es doch tatsaechlich am User orientiert, wenn man
online 24/7 was fuer den Kuehlschrank ordern kann.
>der Online-Strategie von My World im Internet.
Fein das Du den Begriff "Strategie" gebrauchst, denn dieser,
wie auch anderes militaerisches Vokabular (Taktik, Angriff) wird
doch gerne genommen, wenn es darum geht, markant die Eroberung
von Schlachtfeldern (Maerkten) darzustellen.
Interessant erscheint mir jedoch daran, dass es beim Vokabular
bleibt. D. h. eine bestimmte militaerische Vorgehensweise, die
passend waere, wird voellig aussen vorgelassen. Viel schlimmer,
man kennt nicht einmal die "Waffen" die z. B. fuer das
"Schlachtfeld" Internet angemessen waeren.
Erster Fall: bei den Militaers ist es gaengige Praxis, Schlachten
der Vergangenheit zu analysieren UND aus den Fehlern zu lernen.
Eigentlich ist es nicht nur gaengige Praxis sondern Pflichtuebung.
Aber wann findet man schon einmal Marketers, die tatsaechlich alte
Kampagnen analysieren und diese Ergebnisse dann auch umsetzen?
Der zweite Fall ("Waffen") ist (insbesondere im Onlinebereich) noch
katastrophaler: diejenigen, die teilweise - elementare -
Entscheidungen zu treffen haben, sind zu oft nicht einmal in der
Lage, einen Browser zu bedienen, geschweige denn irgendein anderes
Programm. Wie will man unter solchen Voraussetzungen eigentlich
ueberhaupt Entscheidungen und dazu noch richtige treffen?
Vor allem wie will jemand, der auch nicht das leiseste
Verstaendnis der Internet-Technik hat, in der Lage sein, zu
analysieren, was der Wettbewerb innerhalb seiner Internet-
Praesenz macht bzw. viel wichtiger, was nicht?
Und dafuer reicht es nun wirklich nicht aus, nachzuschauen,
ob der Wettbewerb vielleicht aufregenderen Multimediakram in
seiner Site hat; man muss dazu schon einmal etwas tiefer
gehen.
>Werbung, die dort Erfolg haben will, diese Bedingungen kennen und
>beruecksichtigen muss.
Nun gibt es Metronet nicht mehr aber bezeichnend war doch, dass
man sich dort nicht einmal dann bemuessigt fuehlte, irgendwie
zu reagieren, als in D.A.N.A schon laengst eine UDP-Abstimmung
bezueglich Metronet lief. Fuer diejenigen, die nicht wissen, was
das ist: UDP = Usenet Death Penalty. Die Abstimmung darueber, einen
Provider vom Newsverkehr abzuklemmen, eben diese UDP, findet dann
statt, wenn z.B. zuviel SPAM ueber einen Provider laeuft und
freundliche Aufforderungen nichts helfen.
Wie wirkungsvoll das ist, mag das Beispiel UUNET zeigen. Auch aufgrund
eines UDP war UUNET letztes Jahr fuer ein paar Tage komplett vom
Newsverkehr abgeschnitten. Das ausloesende Problem hatte sich
danach innerhalb kuerzester Zeit erledigt.
Gruesse
Klaus
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