.ausgestrahlt – Gemeinsam gegen Atomenergie
Pressemitteilung
Hamburg, 30. Mai 2011
Kanzlerin täuscht die Öffentlichkeit in Sachen AKW-Laufzeiten
Nachrechnen lohnt: Bundesregierung nimmt Laufzeitverlängerung nur halb
zurück / Mit Strommengen-Übertragungen bleiben alle neueren AKW bis
mindestens 2021 am Netz / Kein stufenweiser Ausstieg, sondern volle
Atomstrom-Kapazität über mehr als zehn Jahre
Zur den tatsächlichen Konsequenzen des Koalitionsbeschlusses zur
Atompolitik erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation
.ausgestrahlt:
„Wenn es sich bewahrheitet, dass die Bundesregierung die Laufzeiten der
Atomkraftwerke weiter in Reststrommengen berechnen will und die
Stromkontingente abgeschalteter Meiler auf neuer AKW übertragen werden
dürfen, dann bedeutet dies unterm Strich, dass nach den jetzt
stillgelegten Reaktoren kein weiterer vor 2021 vom Netz geht, sondern
dass sie teilweise weit über das Jahr 2022 laufen werden.
Nach ersten Äußerungen aus der Regierungskoalition sollen auch
Reststrommengen des schon 1988 abgeschalteten AKW Mülheim-Kärlich und
des seit 2007 stillstehenden AKW Krümmel auf neuere Reaktoren übertragen
werden können. Zusammen mit den Kontingenten aus den anderen
Alt-Meilern, die jetzt nicht wieder an Netz gehen sollen, ergibt sich
ein Wert, der ausreicht, um alle neun neueren Atomkraftwerke bis
mindestens 2021 weiter zu betreiben. Kommt es zusätzlich zu längeren
Stillständen wegen Störfällen oder Reparaturen, reichen die Strommengen
sogar weit über das jetzt von der Regierung angegebene Enddatum für die
Nutzung der Atomenergie im Jahr 2022 hinaus.
Deswegen lässt sich der Beschluss der schwarz-gelben Regierung noch
nicht einmal mit dem ursprünglichen rot-grünen Atomkonsens vergleichen.
Zwar wurde auch damals von den AKW-Betreibern geschickt mit den
Reststrommengen jongliert und ursprünglich anvisierte Ausstiegs-Termine
um Jahre verschoben. Trotzdem wäre für die neueren Reaktoren viel früher
Schluss gewesen, beispielsweise für Grafenrheinfeld im Jahr 2014, für
Gundremmingen B 2016, für Philippsburg 2, Grohnde und Gundremmingen C
2017 und für Brokdorf 2018.
Unterm Strich bedeutet der Koalitionsbeschluss also für eine ganze Reihe
von Atomkraftwerken gegenüber dem rot-grünen Szenario eine deutliche
Laufzeitverlängerung. Das sollten sich auch SPD und Grüne bewusst
machen, wenn sie überlegen, ob sie dieser Entscheidung zustimmen können.
Die Befürchtung liegt auf der Hand, dass es bei einem Verzicht auf den
ursprünglich geplanten schrittweisen Ausstieg spätestens 2021 zu einer
neuen Debatte kommt, bei der die Stromkonzerne behaupten, neun Reaktoren
ließen sich keinesfalls auf einen Schlag ersetzen. Außerdem würde der
Weiterbetrieb von so immensen Atomstrom-Kapazitäten über zehn Jahre den
Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv behindern.
Merkel und Co. haben in Wirklichkeit eine zehnjährige
Weiterbetriebs-Garantie für Kraftwerke beschlossen, die nach den
ursprünglichen rot-grünen Plänen schon in wenigen Jahren stillgelegt
worden wären. Wenn die Kanzlerin das als schnellstmöglichen Ausstieg
bezeichnet, dann täuscht sie die Öffentlichkeit und bereitet die nächste
Laufzeitverlängerungs-Debatte bereits vor.“
Rückfragen an Jochen Stay, Tel. 0170-9358759
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.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die
AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen
Protest zu machen.
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