Guten Abend erstmal

jensboe Wrote: 
> Deine Aussage: ...Mal abgesehen davon, daß AAC in überhaupt keinem
> Bereich punkten kann, außer bei den geringeren Lizenzkosten... kann ich
> echt nicht nachvollziehen.

Ok, dann erkläre ich es etwas ausführlicher.

Ich beziehe mich in obigem Posting bewusst hauptsächlich auf AAC,
gemeint sind damit alle Formate des MPEG Advanced Audio Coding.  Von
AACplus habe ich nur in dem Zusammenhang gesprochen, daß es ohnehin
nicht von iTunes zum Streamen benutzt wird. 

AAC wird ebenso wie Mp3 unterhalb seines Arbeitspunktes (bei etwa 120
kbps VBR) ineffektiv und produziert ebenso wie mp3 überproportional
viele Verzerrungen und Artefakte. Nachlesen kann man das in der
Fachliteratur, in den Empfehlungen, Hörtests und Diskussion seitens
www.Hydrogenaudio.org, sowie zB in der Werbung für AACplusV2 seitens
Codingtechnologies.

AACplus greift genau an diesem Punkt, ähnlich seinem Vorgänger mp3Pro
und benutzt Seiten Band Replikation (SBR), parametrisches Stereo und
noch einige andere weitere Tricks um Platz (respektive Bitrate) zu
sparen.

Nun kostet AACplus aber Lizenzgebühren und benötigt "empfängerseitige"
spezielle Software, übrigens auch der Grund warum es in der Apple
iTunes Jukebox nicht enthalten ist, man muss sich also überlegen ob es
überhaupt was bringt. Bei hohen Bitraten (um 128 kbps) ist das meiner
Erfahrung nach aber nicht der Fall.

Nun ist es aber so, daß AAC und AACplus gern synonym behandelt werden,
(ich denke mal diesem Trugschluss unterliegst auch Du) es sich aber
nicht um das Gleiche handelt, sondern AACplus zusätzlich zum höheren
Aufwand beim Streaming-Encoder auch noch einen erhöhten Aufwand und
zwingend zusätzliche Software bei Decoden benötigt, nämlich einen
SBR/PS-fähigen Decoder, sonst hört sichs grausam an, weil die
Rekonstruktion der Seitenbänder und der stark in einander
verschchtelten und komprimierten Stereoinformation fehlschlägt.

Apple iTunes löst das Problem indem es auf statt AACplus einfach AAC
(ich glaub ein LC-Profil) benutzt damit streamt, damit ist aber
genausoviel gewonnen als würde man mit mp3 streamen, weil die Vorteile
des AACplus nicht genutzt werden, der optimale Arbeitspunkt liegt
übrigens bei AAACplus etwa zwischen 64-96 kbps, darüber sind AAC,
Ogg-Vorbis, LAME-mp3 und zB WMA pro (Vers. 9) allesamt effektiver.

So und jetzt zu den Anbietern von Streaming-Lösungen:
Sie können nicht imme rdavon ausgehen, daß ein AACplus-Decoder (egal ob
v1 oder v2) auf der Empfängerseite vorhanden ist, aber sie können in der
Mehrzahl der Fälle davon ausgehen, daß AAC, Vorbis und Lame-mp3 korrekt
dekodiert werden kann. Aus dieser Sicht, lohnt es sich einfach nicht
AACplus einzusetzen, zumal die Stärken von AACplus eher bei
Modebitraten liegen, die aber bei Streamingserverlösungen unintressant
sind. 

Das einzige mir aktuell bekannte Format welches sich in vollem Umfange
skalieren läßt ist Ogg-Vorbis, welches qualitativ dank seinens immensen
Tuning auf niedrige Bitraten hin nur wenig unter AACplus steht, dafür
aber vollständig auf software und hardwareseitige Tricks mit
Spezialumbauten und Extensions verzichten kann. 

jensboe Wrote: 
> @Lego, ganz einfach.
> 
> Das Format fuer Internetstreaming ist nicht laenger MP3 sondern AAC+.
> Vergleichbare Qualitaet bei niediger Bitrate.

Sorry, Werbung mag ud will "einfach" klingen, aber es fehlt mir
keinesfalls am technischen Grundverständnis. 

Weiterhin gibt es sowas wie "vergleichbare Qualität bei niediger
Bitrate" nicht. Diese Floskel funktioniert jedenfalls nicht wenn man
Äpfel mit Möhren vergleicht. Unterhalb von etwa 110 kbps VBR jedenfalls
klingt AAC schon ganuso schlecht wie Lame-mp3 und AACplus hat nur
Vorteile durch seine speziellen Decoder-Erweiterungen, bzw Ogg-Vorbis
aufgrund seiner mehrjährigen Optimierungen für nidriege Bitraten.  

jensboe Wrote: 
> Hast du den schonmal AAC+ Files erstellt und die mit Gleichwertigen
> MP3's probegehoert? (also z.B. AAC+ 60kb und Mp3 128kb)?

Selbstverständlich. Meine erfahrungen habe ich über mehrere jahre
hinweg im beruflichen und privaten Zusammenhängen sammeln können, was
für letztendlich auch irgendwann Motivation war vor etwa drei Jahren
eine Hobby-Seite zur "Audiokompression und Archivierung" zu gründen,
aber das spielt hier keine Rolle.

jensboe Wrote: 
> Da bringt AAC+ einiges mehr!

Eigentlich nicht, ein stufenlos skalierender Encoder ohne
empfängerseitige Besonderheiten bringt hier mehr. Mal abgesehen davon,
daß bei der Auswahl von Streamingbitraten oberhalb von etwa 120 kbps
VBR das ganze Thema obsolet wird. Insbesondere wenn man die kurz- und
mittelfristige Perspektive beachtet, bei der man davon ausgehen kann,
daß man grundsätzlich immer diese Übertragungsraten (und das mehrfache)
zur Verfügung hat und auf den lizenz- und patentpflichtigen
"Handybitraten-Schlonz" überhaupt nicht die Bohne angewiesen ist.

jensboe Wrote: 
> Wenn wir kein Native in benoetigen, warum wird dann soviel Wirbel in
> Slimsever um iTunes gemacht???? Dann brauchen wir das ja auch nicht,
> oder?

Wenn ich mal ehrlich sein darf.
Das sind die üblichen Marketing-Spinnereien. Man glaubt scheinbar, dass
wenn man sich in irgendeiner Weise an den wirklich billigen
Apple/iTunes-Hype dranhängt, daß man einen gewissen Vorteil davontragen
wird, aber dies Überzeugung wird wohl in einer Abstimmung eher in von
der Marketing-Abteilung getragen als von der Entwicklungsabteilung oder
Support.     

Ob Du es brauchst oder nicht das kann ich nicht für Dich entscheiden,
aber ich kenne zahlreiche Gründe und Scenarien in denen die iTunes
Jukebox völlig ungeeeignet ist. 

Ich habe vor einiger Zeit mal 'einen Artikel'
(http://www.audiohq.de/index.php?showtopic=886) darüber geschrieben,
allerdings habe ich mich dort sehr kurz gefasst.  Etwas ausführlicher
ausgefallen ist dann 'diese Auftragsarbeit'
(http://www.mpex.net/news/archiv/00621.html). 

um Deine Frage wahrheitgemäß, konkret und ohne Polemik zu beantworten:
iTunes hat zahlreiche Vorteile, aber sie liegen keinesfalls dort wo man
sie vermutet und warum man hier eine Wind macht, das musst Du die
beteiligten Entwickler fragen.
Andererseits schadet es nichts, wenn man man iTunes-kompatibel ist, das
Floskel ist seit etwa 2005 in und vermittelt Kompetenz.   

Gruss
Jochen Siegner

PS:
Falls ich mich an irgendeinem Punkt unklar ausgedrückt haben sollte,
bitte nachfragen.


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Lego

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