Am 4. Juli 2014 21:02 schrieb Sascha Pomplun <[email protected]>:
> Ich würde gerne klären wieviel Genauigkeit in OSM erwünscht ist, [...] > Das ist eine schwierige Frage, denn sie hängt von vielen Randbedingungen ab: 1. Zunächst einmal davon, welche Meinung der Mapper zur Aufgabe der Kartendaten hat. Geht er mit der Vorstellung an die Sache, das maximale wozu die Daten genutzt werden (sollten), ist eine Karte auf Zoomlevel 12, dann geht er an die Datenerfassung/Eintragung ganz anders heran, als jemand, der den Datenbankinhalt als Sammlung mit offenem Verwendungszweck sieht. Eine solche Person wird eher Details mappen, die auf Z12 nicht unbedingt "hübsch" aussehen. 2. Randbedingung ist die Qualität der Informationen, aus denen die Daten für die OSM-Datenbank gewonnen werden. Wenn Mapper A ein detailliertes Luftbild als Hintergrund verwendet, Mapper B aber eines mit grober Auflösung so kommen dabei nicht nur ganz andere Datendetails in die Datenbank, sondern hat auch Einfluss auf das verwendete Datenschema. Jemand der gerade noch so Häuser auf dem Luftbild erkennen kann wird nicht einmal einen Gedanken daran verschwenden, dass es kleinteiliger Informationen gibt und wie diese im Datenschema und der Datenbank abgebildet werden können. 3. Das Datenschema ist alles andere als klar. oft weder in der konkreten Definition des Tags noch in der logischen Struktur der Tags zueinander. Die einzelnen landuse-Tags sind nicht konsistent zueinander und lassen sich nicht logisch zueinander ins Verhältnis setzen[1]. Das gilt zum Beispiel für die Dinge, die wir mit landuse beschreiben. So könnte (!) man landuse=vineyard als Untermenge von landuse=farmland sehen, denn es ist ein Sonderfall landwirtschaftlicher Fruchtproduktion. Man könnte (!) die einzelnen Weinbergsflächen einzeln einzeichen und das ganze mit einem landuse=farmland umschließen. rein logisch gesehen wäre das richtig. Es wird bei OSM so aber nicht gehandhabt, weil die Mehrheit der Meinung ist, zwischen Feld und Weinberg gebe es hinreichend deutliche Unterschiede. Im Übrigen fehlt natürlich auch der Informative Mehrwert. Bei Straßen ist es eben nicht mehr so klar. Wenn man es wörtlich betrachtet, dann könnte ein Feldweg oder eine Wohnstraße durchaus Teilmenge von landuse=farmland oder landuse=residential sein, würden die Flächen also nicht unterbrechen. Legt man den Fokus natürlich auf die tatsächliche Nutzung, so endet landuse=residential natürlich an der Straße (und nicht auf dem Straßenvektor!). Straße und Wohngebiet haben dann keine gemeinsame Menge. Die eine Fläche dient dem Wohnen, die andere dem fahren mit Fahrzeugen. Eine gemeinsame Obermenge wäre dann vielleicht "menschliche Nutzung" :-) 4. Die Qualität von OSM und damit auch der Detailgrad wird auch von der Anzahl der Mitwirkenden bestimmt. Were sich schon mal im Micro-Mapping versucht hat, weiß wie viel Zeit man an relativ kleinen Flächen verbringen kann und wie viel Wald, ausreichend genau für Z12, man in der gleichen Zeit mappen kann. Micro-Mapping wird sich also perspektivisch nicht durchsetzen, weil wir dafür nicht genug Mapper sind. Damit wird sich meine Meinung nach aber auch das Verständnis für die Probleme in diesem Bereich in Grenzen halten. Kurzum Sascha spricht altbekannt Probleme von OSM an, die sich in der sozialen Wirklichkeit als gegenseitiges Weglöschen zeigen, weil "der andere" ja etwas "falsch" gemacht hat. Außer zu versuchen, in solchen Fällen räumlich nebeneinander und nicht miteinander zu mappen, fehlen mir auch gute Ideen, wie wir das in den Griff bekommen könnten. Die Community ist so heterogen, dass man immer Mapper mit unterschiedlichem Kenntnisstand und Vorstellungen vom "richtigen" Detailgrad geben wird. Etwas ratlos aufgrund der Rahmenbedingungen Falk [1] Hierzu plane ich (vorbehaltlich Zeit und der Annahme) einen Vortrag auf der nächsten FOSSGIS-Konferenz. _______________________________________________ Talk-de mailing list [email protected] https://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de

