On Thursday 20 August 2015, Stephan Wolff wrote: > Moin, > > kann jemand eine sinnvoll anwendbare Definition von künstlichen / > menschengemachten Wasserflächen geben?
Für stehende Wasserflächen: natürlich (also water=lake/pond): die Wasserfläche existierte schon vor dem Beginn menschlicher Eingriffe/würde ohne menschliche Eingriffe existieren. Für durch Menschen modifizierte Wasserflächen müsste man hier eine quantitative Grenze einführen, Beispiele: Schluchsee, Victoriasee, also durch Aufstauung vergrößerte natürliche Seen. So was wird im Allgemeinen immer noch als See betrachtet, aber es gibt natürlich Grenzen (Riesenstausee wo vorher nur ein Tümpel war). In der Praxis ist das aber eher die Ausnahme. Für Wasserläufe: natürlich (also waterway=river/stream und ggf. waterway=riverbank bzw. water=river für das Polygon): es hat vor den menschlichen Eingriffen einen Wasserlauf gegeben, der im Verlauf und in seinem Einzugsgebiet dem jetzigen ähnelt. 'ähnelt' ist natürlich schwammig, in der Praxis ist das meist recht eindeutig, aber es gibt natürlich Problemfälle. Beispiel: Oberrhein: der Rheinseitenkanal führt den größten Teil des Rheinwassers und ähnelt im Verlauf definitiv dem alten Rhein. Da dieser aber noch parallel existiert ist dem üblichen Verständnis nach der Altrhein immer noch der Rhein und der parallele Rheinseitenkanal ein künstlicher Kanal. Das liegt auch daran, dass der Altrhein in dem Bereich immer noch durchgehend Wasser führt während Altarme von Flüssen anderswo oft reine Stehgewässer sind. Auch bei kleineren Bächen im Flachland kann das ein Problem sein, wenn zum Beispiel ein Bach im Bereich landwirtschaftlicher Nutzflächen recht weiträumig umgeleitet und das ursprüngliche Bachbett komplett zugeschüttet wird. Meines Erachtens kann man sowas recht weitreichend noch als natürlich interpretieren, solange das eindeutig ist (also nicht ein ganzes Grabennetzwerk als waterway=stream nur weil irgendwo dadurch früher mal ein Bach floss). Die Bezugnahme auf die Vergangenheit vor den menschlichen Eingriffen ist natürlich im Sinne der Überprüfbarkeit etwas heikel. Das macht die Unterscheidung aber noch nicht generell sinnlos. Wer die Unterscheidung beibehalten möchte, sich aber auf natürlich im Sinne von 'in unverändertem natürlichen Zustand' beziehen möchte endet unweigerlich dort, wo wir bei forest/wood sind, was sicher nicht erstrebenswert ist. Wer die ganze Unterscheidung komplett abschaffen möchte sollte bedenken, dass dies den Nutzen der Daten insbesondere in wasserbaulich stark erschlossenen Gebieten enorm einschränken würde. In jedem Fall: der Ausgangspunkt dieses Threads waren Fälle, in denen die Situation recht eindeutig ist. -- Christoph Hormann http://www.imagico.de/ _______________________________________________ Talk-de mailing list [email protected] https://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de

