Liebe Anforderungsdiskutierende,
die Diskussion hier ist ein wenig emotional, was offensichtlich daran liegt, 
dass die Diskutierenden sich schon kennen :o). Ich will mal versuchen, zwei 
Anforderungsprofile zu definieren, die meines Erachtens beim Thema 
DTP-Buchdruck-Druckvorstufe-Diplomarbeit ein wenig durcheinander gehen.

Zunächst Definitionen:
Als Druckvorstufe (Prepress) definiert die Wikipedia: "Zusammenfassung aller 
Prozesse vor dem Druck. Das Ziel ist dabei der Erstellung einer Druckform." 
Das fängt beim Layouten an, geht über das Optimieren von Bilden etc bis hin 
zur Endoptimierung und Farbmanagement. Das Produkt ist ein ps oder immer 
öfter ein pdf, das auf eine Druckmaschine gejagt wird. Also auf eine richtige 
hochauflösende Druckmaschine (mit Filmerstellung oder direkt ausgedruckt, 
gibts inzwischen auch alles).

Veränderung in den letzten Jahren:
Während die Druckvorstufe die Aufgabe eines eigenen Berufszweigs war und im 
Profibereich immer noch ist, hat sich das geändert. Erstens ist die 
Druckvorstufe teuer und handkopierte Flyer sind irgendwie out. Zweitens gibt 
es Computer und Programme, mit denen grundsätzlich jeder Teile der 
Druckvorstufe erledigen kann. Ähnliches gilt für Bücher: die Verlage sagen: 
Wir schicken eine Dokumentvorlage, machen Sie das mit Word und schicken sie 
ein pdf. Man erstellt also ein Dokument mit einem Programm (meistens Word), 
gibt es als pdf aus und schickt dieses an Verlag oder Druckerei. Das ist die 
gängige Praxis.

Frage ist nun: inwiefern kann OOo in so einem Prozess nützlich sein, welcher 
Anforderungskatalog gilt, was ist sein Spezialgebiet?

(1) Desktop Publishing

Anforderungen:
- komplexes grafisches Seitenlayout mit Hintergründen, verschiedenen direkt 
positionierten Texten (Fließtext und Überschriften), 
- mehrspaltensatz, oft mit zusätzlichen Textfeldern
- professionelles farbmanagement in CMYK, oft auf nur Schmuckfarben (also 
Schwarz plus eine Einzelfarbe wie etwa ein bestimmtes Blau)
- grafische Gestaltungselemente, die bis an den Seitenrand gehen (nicht so 
banal wie es klingt)
- eher wenige seiten

Textarten:
- Flyer, Broschüren, Zeitschriften, Einladungen, Werbematerial...

Zielgruppen:
- Alle Organisationen, Vereine, Firmen, Schulen etc. eher im 
Low-Profit-Bereich, denn die gut verdienenden Firmen nehmen nach wie vor 
Grafiker

Druckvorstufe:
in der Regel ja

Programme:
- Proprietär: QuarkExpress, InDesign
- OpenSource: Scribus

(2) Buchdruck

Anforderungen:
- viele, viele Seiten und viel Fließtext
- Kopf- und Fußzeilen
- Verzeichnisse (Inhalt, Literaturverz., Abbildungs...)
- Referenzen
- Fuß- oder Endnoten
- Überarbeitungsmarkierungen und Notizen für den Korrekturworkflow und das 
gemeinsame Schreiben
- gelegentlich ein Textrahmen
(gerne ausführlicher im Wiki)

Textarten:
- Bücher aller Art, Diplomarbeiten, Dissertationen etc., Berichte

Zielgruppen:
- Studierende, Wissenschaftlerinnen, Kopfarbeiterinnen aller Länder...

Druckvorstufe:
nicht alle, aber manchmal und oft so, dass man das erst nach der 
Fertigstellung weiss wie... also erstmal nicht, später vielleicht doch...

Programme:
- Word
- OpenOffice
- Framemaker (?)
- Tex

------------------------------------------------------
Einschätzung meinerseits:

zu (1)
Den ersten Bereich kann OOo gar nicht gut erfüllen, genausowenig wie Word es 
kann. Das ProgrammPrinzip ist ein anderes, ob man gelegentlich einen 
Textrahmen hat oder eine Broschüre komplett aus solchen aufgebaut ist.
Hier gilt der Vorschlag von Eric Hoch. Texten in OOo und dann exportieren in 
ein DTP-Programm.

zu (2)
Indesign (1.5 kenne ich), Scribus und die anderen sind dafür definitiv 
ungeeignet. Die können vom Fußnotenapparat bis zum automatischen 
Inhaltsverzeichnis rein gar nichts. Das ist die Domäne eines Satzprogrammes. 
Tex ist nett. Damit habe ich eine weile gearbeitet. Aber die Verlage haben 
VOrlagen zur Formatierung, so soll das definitv aussehen, und die mit LaTex 
zu erfüllen ist so gut wie unmöglich, wenn man kein absoluter Profi ist - 
habe das versucht. Bleiben Word und OpenOffice. Die Zeitschrift CT ist der 
Auffassung, dass OOo hierfür viel besser geeignet ist als Word. Es bringt die 
Fussnoten auf die richtige Seite, es lässt die Grafiken wo sie sind usw. Ich 
teile diese Einschätzung. OOo ist gegenwärtig das beste und allgemein 
zugänglichste Programm zum erstellen von Büchern, auch und gerade für solche, 
die dann professionell gedruckt werden (wage ich mich zu sehr raus?). Auch 
meiner Auffassung nach gibt es noch eine ganze Reihe Dinge, die man 
verbessern kann. Siegfrieds Initiative begrüße ich sehr! Aber das ist nicht 
Thema meines Mails.

Grüße
Daniel Wrana   






Ich kenne Framemaker nicht, aber es wird im übrigen von Adobe nicht mehr 
weiter geführt und nur die wenigsten dürften es haben.







Am Freitag, 30. Dezember 2005 09:22 schrieb Siegfried Jetzke:
> Hallo Liste,
>
>
>
> wie es scheint, hat dieses Thema eine Menge an Ideen losgetreten. Da
> gestern nicht nur Anforderungen sondern auch wieder jede Menge
> grundsätzlicher Dinge kommuniziert wurden, möchte ich hier noch mal einen
> neuen Anfang initiieren.
>
> Offensichtlich gibt es eine Menge Ideen und Wünsche. Bei der Vielzahl der
> mails ist mir der Überblick verloren gegangen, wer nun eigentlich was
> wollte. Ninos Wunsch in seiner mail von gestern Abend ist nachvollziehbar.
> Er kann nicht alles übernehmen.
>
> Der Vorschlag:
>
> Bitte schreibt nur Eure Anforderungen und Wünsche als Antwort auf diese
> mail. Ich denke, dass hierdurch niemand behindert wird, der dieses für
> überflüssig hält.
>
> Oder
>
> Nehmt direkt die von Nino eingerichteten Seiten, wie z.B.
>
>
>
> http://ooowiki.de/AnforderungenTestfälle
>
>
>
>
>
> In einem nächsten Schritt sollten wir dann anfangen, alle Forderungen etwas
> zu sortieren. Hier erscheint mir nun doch das von mir vorgeschlagene board
> notwendig.
>
>
>
> Wer macht hier mit?
>
>
>
>
>
> Siegfried Jetzke

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Daniel Wrana
Justus-Liebig-Universität Gießen
Professur für Weiterbildung
Karl-Glöckner-Strasse 21B
35394 Gießen

0641/9924064
http://www.wb-giessen.de/wrana

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