Hallo Andreas, 
Am Sun, 8 Jan 2006 16:11:16 +0100, schrieb Andreas Borutta:
>>  Ursprünglich sollte ja durch das Aufheben der Trennung erreicht 
>>  werden, dass die Bearbeitung einfacher wird. Du mußt nicht mehr 
>>  "umständlich" einen Text schreiben und dem dann 
>>  Anweisungen/Stilregeln vornedran bzw. hintendran stellen damit am 
>>  Ende ein Ergebnis rauskommt. Eine nachvollziehbare Argumentation. 
> 
> Ich erlebe die Trennung als die Vereinfachung schlechthin.

Sicher ist sie das und die Trennung gibt es ja auch heute noch. Es 
ist nur so, dass sich viele Autoren von Word und Co haben blenden 
lassen und meinen sie könnten das Layout und die Druckvorlage 
selbst erstellen und die Verlage sind ebenfalls mitgegangen. 

> Sehr verschiedenartige geistige Prozesse werden entkoppelt.
> Beim logischen Strukturieren braucht ein Autor keinerlei Gedanken an
> die Gestaltung verschwenden.

Richtig. Daher bin ich auch nachwievor eher alte Schule und 
schreibe den Text in einem Programm (wobei ich dabei natürlich 
heute versuchen kann möglichst nahe ans Endlayout zu kommen), 
bearbeite die Bilder in einem weiteren Programm und setz dann in 
einem DTP Programm das Layout. 

Da ich aber nicht das Geld für alle drei Programme hab und weiß, 
der größte Text ist ne Diplomarbeit, kann ich mit dem unperfekten 
OOo halt noch das Layout machen. Allerdings auch hier ein Dokument 
hat den Inhalt und erst ein weiteres Dokument hat das Layout. 

> Das fördert die Konzentration auf das Wesentliche in dieser Phase: den
> Inhalt.
> Der Spieltrieb, das kreative, gestalterische Potential kommt jedoch
> keineswegs zu kurz. Es findet nur zeitversetzt statt. Auch diesem
> Prozess nützt es, wenn der Autor sich nur ganz auf seine zweite Rolle,
> auf die Rolle als Gestalter, konzentrieren kann.

Yep. Aber siehe oben. Mit den Anfängen des DTP dachte jeder Autor 
und jeder Verlag, dass es jetzt einfacher wird als vorher und mit 
dem nächsten Schritt, den Alleskönnern a la Word und Writer sollte 
es noch einfacher werden und so weiter. Das Ende war das perfekte 
Chaos und erst langsam mit PDF/X und Co geht es wieder zurück in 
die Zukunft und alte Schule. Wenn die Verlage dann irgendwann auch 
wieder vernünftige Layoutvorlagen bzw. Satzspiegel rausgeben - ich 
wäre glücklich. 

Vielleicht ist aber auch ein Autor einfach kein guter Layouter? 
Schonmal daran gedacht. Vielleicht haben die Programme a la Word 
einfach jeden dazu verleitet zu denken er könne jetzt selbst 
layouten und es besser machen als sein Verlag? 

>>>>   Der treffendere, aber nicht wirklich korrekte, Vergleich wäre der 
>>>>   mit TeX [...]
>>>  
>>>>   Du schreibst einen Text und in dem Text gibst du die Formatierungs- 
>>>>   und Darstellungsanweisungen gleich mit
>>>                                ^^^^^^^^^^
>>>  Davon hatte ich schon gelesen und sofort gedacht:
>>>  Damit ist TeX der Klarheit der Trennung von Auszeichnung und
>>>  Gestaltung in HTML und CSS unterlegen.
>>>  Täusche ich mich?
>>  
>>  Ja. 
>>  
>>  In TeX ist die Anweisung ebenfalls sehr klar vom Inhalt getrennt. 
>>  
>>  Einzig die Trennung in eine Datei Inhalt eine Datei 
>>  Formatierungsregeln ist meines Wissens nach nicht vorgesehen.
> 
> OK. Das meinte ich jedoch.
> 
> IMHO kann man erst von einer /strikten/ Trennung sprechen, wenn
> Quelldokument und Gestaltungsanweisung als zwei verschiedenen Dateien
> existieren.

Hatte ich schon verstanden. 

> Es verwundert mich etwas, dass TeX bei der Trennung nicht so weit
> geht. Aber vielleicht hat dies historische oder emotionale Gründe.

Das hat den Grund, dass TeX ein Kompiler für Text sein soll und 
einem Kompiler gibst du die Anweisungen ja auch nicht in einer 
seperaten Datei mit. Da aber die Entwicklung von TeX per Definition 
beendet ist, wird sich hier nicht mehr viel ändern. 

>>  Dazu kann ich nichts sagen. Ich hab nicht mit LyX gearbeitet. Wenn 
>>  ich aber von der LyX Homepage aus Rückschlüsse ziehen darf, dann 
>>  bietet der LyX Editor eine gute Basis um in die Welt von LaTeX 
>>  einzusteigen. Es kann durchaus möglich sein, dass man nie an die 
>>  Grenzen von LyX kommt, nur dann wir das Ergebnis nicht um soviel 
>>  besser sein, wie mit einem gut bedienten OOo.
> 
> Hhmm. Diese Frage wird wohl vorerst offen bleiben, denn hier in der
> Liste hat entweder niemand Erfahrung mit beiden Anwendungen oder das
> Thema ist für ihn/ sie nicht interessant genug.
> 
>>  Einzig weil unter LyX 
>>  eine LaTeX Distri ihre Arbeit tut wird es möglich sein ein paar 
>>  Dinge, die Writer nicht kann, mit LyX zu machen. Richtig einsetzen 
>>  kann man LyX aber nur wenn man auch bereit ist LaTeX zu lernen.
> 
> Das leuchtet ein. Ebenso bewerte ich es auch für HTML und CSS und die
> Nutzung eines WYSIWYM-Editors.

Ja und da ist auch eine Antwort auf eine Frage in einer anderen 
Email von Dir. LaTeX hat sich deshalb nicht durchgesetzt, weil Du 
eben die Befehle lernen mußt um die Texte zu formatieren. Es ist 
einleuchtender über eine GUI ein Wort fett zu machen und es fett zu 
seine wie in den Text zu schreiben, dass dieses Wort beim Ausdruck 
fett gedruckt werden soll. 

Dann war TeX ein "Spielzeug" in den Naturwissenschaften und 
Informatiker und so ist es irgendwann zu einem Baby einer 
eingeschworenen Gemeinschaft geworden bei der Neulinge nur sehr 
ungern gesehen sind oder wenn, dann sollen sie bitte keine Fragen 
stellen. Also einerseits mit religiösem Eifer bei jeder Diskussion 
zu Word auf LaTeX verweißen andererseits aber auf Fragen mit RTFM 
antworten. Nicht jedermans Sache sich da durch zu beißen und so 
lange zu fragen bis jemand ihn adoptiert und doch nett antworten 
gibt. 

Ich glaub jeder TeX Hardcorenutzer würde diese Mailingliste hier 
als völlig degeneriert ansehen. Aber auch hier gibt es bei TeX in 
letzer Zeit Veränderungen und neue Mailinglisten auch bei den 
alteingesessenen Distributionen. Erstaunlich.  

> Ohne die Fähigkeit, Quelltext (HTML und CSS) zu lesen und zu
> verstehen, werden keine wirklich guten (tm) Seiten herauskommen.
> Weder vom Markup, noch von der Gestaltung.

Gleiches gilt für TeX.


Mit freundlichen Grüßen
Eric Hoch

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