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Folgende Aspekte sind zu berücksichtigen bei der Frage, ob es eine Verbesserung 
der Situation in der Binnenschifffahrt geben kann.

In Deutschland haben wir eine neue Regierung, die eher auf Atomstrom setzt als 
auf Kohlestrom. Ein Jahr mehr Laufzeit für ein Kernkraftwerk bedeutet das 
Arbeit für 100 (einhundert) 135 Meterschiffe vom Markt ist. Schon heute ist zu 
erkennen, dass die Kohlekraftwerke (Krotzenburg GKM, Mannheim, Badenwerk in 
Karlsruhe, Ensdorf an der Saar und viele andere mit verminderter Leistung 
laufen, weil der Strom vermehrt aus Kernkraftwerken kommt. Das gleiche ist in 
Blenod und La Maxe zu beobachten, keine Kohleschiffe, dafür aber vier 
Rauchsäulen in Cattenom.
Das ist nicht nur eine Wirtschaftskrise, die alle trifft, das ist eine 
Strukturkrise.

Gestern hat Thyssen seine Zahlen veröffentlicht, mehrere Milliarden Verlust und 
die Aussichten für 2010 sehr schlecht, auch da Überkapazität ohne Ende.
Dabei wollen die Gerüchte nicht verstummen, dass Mittal in Indien ein Stahlwerk 
baut mit der Kapazität von ganz Europa. Es gibt auch Sinn, dass Mittal die 
Stahlindustrie von Frankreich über Belgien, Luxemburg und Deutschland nur 
gekauft hat, um sie später zu schleifen, dicht zu machen.
Das ist keine Wirtschaftskrise, das ist eine Strukturkrise. Die Strukturen 
verändern sich zu unserem Schaden.

Strukturkrise.

Nur wenn eine Strukturkrise vorliegt, kann Brüssel etwas für uns machen. Wenn 
wir ohne Emotionen das ganze betrachten werden wir erkennen, dass wir einfach 
Schiffe zu viel sind. 
Bodentarife wird uns niemand geben, selbst wenn wir sie hätten, wenn es Gesetzt 
wäre, dass von ARA nach Mannheim auskömmliche 7 Euro gezahlt werden müsste, 
liebe Kollegen, wie würden dann die Mengen, die niemals für alle reichen, 
verteilt.
Also müssten Bodentarife und ein Verteilsystem her wie in alten Tagen. Sind wir 
doch mal ehrlich, diese ganzen Verteilsysteme in der Vergangenheit, TdR und die 
Börse in Frankreich und Belgien, das wurde doch nur die Armut gleichmässig 
verteilt.
Das große Geld, der Grundstein für die wirklich schönen und guten Schiffe wurde 
immer im unregulierten Verkehr von ARA in Richtung Oberrhein, Mosel, Main, 
Neckar und Donau verdient.
Ein unregulierter Verkehr hat natürlich auch den Nachteil, dass in guten Jahren 
Überkapazitäten entstehen können. Diese aus dem Markt zu bringen, das hat das 
Gewerbe nie gelernt.
Es wird auch nicht gehen wegen der Zersplitterung des Gewerbes, würde die 
Entscheidung, ob Schiffe für die heutigen Frachten eingesetzt werden, von einer 
Stelle getroffen, würden wie bei der Bahn, ein Drittel bis zu der Hälfte des 
Transportraumes stillstehen und der Rest würde einigermaßen auskömmlich fahren.
Stillliegeregelungen werden auch nie funktionieren, weil bei der kleinsten 
Belebung alle wieder losfahren wollen. Der aufkeimende Boom erstickt sich 
selbst.
Das alles wissen wir doch.

Bleibt also nur noch eine Strukturbereinigung zu fordern. Natürlich wird die 
Verladerschaft und deren Vertreter in den Reedereien gegen eine Abwrackaktion 
sein wie der Teufel gegen Weihwasser.

Aber gerade das, was der Verlader nicht will, hält uns am Leben, seine 
Interessen sind niemals die unseren. Dem Verlader verhilft die momentane 
Überkapazität für die nächsten 30 Jahr zu billigen Schiffsfrachten und in der 
Folge der Konkurrenzsituation auch bei der Bahn auf den Strecken, die paralell 
zu Wasserstraßen laufen.

Man kann den Kollegen in Brüssel also nur ans Herz legen, für eine 
Abwrackaktion zu streiten





•       Verschrottung von Binnenschiffen zur Marktsanierung.
•       Rechenbeispiel über Wirksamkeit einer Abwrackaktion.
•       Kalte Sanierung.
•       Hohe Wertigkeit der vorhandenen Flotte. Umwandlung von Frachtschiffen 
zu Motorjachten/Wohnschiffen.





Verschrottung von Binnenschiffen zur Marktsanierung.

Es steht außer Frage, dass das Gleichgewicht zwischen Schiffsraum und 
Ladungsangebot nicht mehr stimmt. Zu viele moderne und leistungsfähige Schiffe 
drängen sich auf einen zurück gehenden Markt.
Was dann passiert ist eigentlich normal. Angebot und Nachfrage regeln den 
Preis. Was dabei heraus kommt ist auch normal, 2,50 ARA – Krotzenburg,   3,25 € 
ARA-Blenod,  weniger als 1 Euro ARA an die Ruhr.
Dabei sind die Partikulierschiffe so billig, dass richtige Unternehmer, die das 
gesamte Personal bezahlen müssen und die Schiffe gesund finanziert haben, also 
die Reedereien, die Schubboote und die Leichter in die Ecke legen und die 
Partikulierschiffe fahren lassen.  An die 100 Schubleichter sollen allein 
zwischen Orsoy und Huckingen liegen.
Die Ladungsmengen bekommen wir in den nächsten Jahren nicht wieder, dazu fehlt 
das Geld an allen Enden. Es wird doch nur noch das nötigste produziert, die 
Transportmengen sind um über 30% zurück gegangen.

Die Transportmengen haben nun das  Niveau von 1980. 
Fast 30 Jahre hat es gedauert um den Zuwachs zu erreichen in einer Zeit als 
noch wenig über unnötige Transporte geredet wurde.
Wer hat die Phantasie, dass wir die Mengen von 2007 und 2008 wieder erreichen 
werden?????
Wenn jemals eine Kapazitätsanpassung nötig war, dann heute.

Kapazitätsanpassung durch Abwracken, durch sloopen.


Rechenbeispiel über Wirksamkeit einer Abwrackaktion.

Wir nehmen mal an, dass die momentane Situation vor allen Dingen die größeren 
Schiffe betrifft.
Von diesen Schiffen gibt es im Rheinstromgebiet etwa 6000 mit einer 
durchschnittlichen Tragfähigkeit von 2000 Tonnen haben.
Von diesen Schiffen sind 30% oder 1800 Schiffe zu viel, weil die Mengen in 
gleichem Maß zurück gegangen sind.
Wenn wir eine Lösung finden, diese 30% Schiffsraum zu einem Durchschnittspreis 
von 300 Euro aus dem Markt zu bekommen durch Verschrottung, benötigen wir etwas 
über eine Milliarde Euro.

Die verbleibenden 70% vom Schiffsraum übernehmen diese Last von 238.000 Euro je 
Schiff. Wenn die EU diese Summe vorfinanziert, können wir den Betrag in 5 
Jahresraten von 47.500 Euro zurück bezahlen.
Wir alle wissen, dass wir den Betrag von 47.500 Euro heute mit einem 3000 
Tonnenschiff allein in einem Monat verlieren.
So ist das Projekt ein Perpetuum Mobile, es trägt sich nicht nur von allein, es 
bringt auch noch Gewinn.
Natürlich sind da noch viele Fragen dahinter. Von den Abwrackern, der 
Ausstiegswilligen, denjenigen, die ihr Schiff aufgeben wollen (oder ohne diese 
Maßnahme aufgeben müssen), sind noch viele, die weiter arbeiten müssen und 
wollen.
Es wäre einfach zu sagen, dann sollen die doch als Personal auf die 
verbleibenden Schiffe gehen. 
Bestrebungen das Rheinpatent mit einem Jahr Ausbildung zu verleihen, weil man 
nicht genug Opfertypen für die neuen Chinaschiffe hat,  könnten wieder in der 
Schublade verschwinden.
Manche der Abwracker, die ihr Schiff schon weitgehend entschuldet haben, 
könnten in die gesunden Unternehmen einsteigen und so Steuerzahlungen wegen 
Buchgewinn vermeiden und diese Unternehmungen finanziell gesunder darstellen.
Raum genug für Überlegungen in jeder Richtung, wenn der Grundgedanke bleibt, 30 
% der Schiffe müssen weg.
Statt Gedanken über niemals funktionierende Zusammenarbeitsverbände sollte 
vielmehr in Richtung Abwrackung gedacht werden.
Immerhin war die letzte Aktion der Grundstein für fast ein Jahrzehnt 
wirtschaftlichen Aufstiegs mit einer Modernisierung und Wertsteigerung der 
Flotte wie nie zuvor.
Es ist zwar richtig, dass von diesem Boom die Deutschen Flotten nicht in 
gleichem Maß teilgenommen hat. Aber gerade dadurch ist die Übermacht der 
Niederländer und Belgier so groß geworden, dass es besser wäre auf die 
Situation zu reagieren als zu degenerieren.
Im Kanal ist man noch sicher vor den großen Schiffen?? Wer glaubt das denn 
noch, sicher wird man östlich von Datteln die 135 Schiffer weniger sehen, diese 
Jumbos verdrängen aber die 100 und 110 Meterschiffe vom Rhein in den Kanal, in 
einigen Jahren bis Stettin.
Abwrackwürdige Schiffe? Die gibt es noch genug. Jedes Schiff das in den 
nächsten Jahren eine neue Maschine bräuchte, jedes Schiff das in der nächsten 
Zeit einen neuen Boden braucht, jedes Schiff das mehr als 30% des momentanen 
Wertes investieren muss, ist abwrackwürdig.
Sentimentalität darf keinen Platz haben wenn es um das Überleben eines ganzen 
Gewerbes geht.
Oder glaubt jemand, dass diese Krise so einfach vorbei geht.
Das schlimme an 2,50 Ara Krotzenburg ist doch nicht, dass da ein Schiffer Geld 
zulegt beim Fahren, bei Berücksichtigung der wichtigsten Kosten.
Das katastrophale ist doch, dass die Verladerschaft in ganz Europa erkennt, 
welches kaufmännische Niveau die Marktführer in der Partikulierschaft haben.
Das sind doch die Leute, die nach einem Gewinn im Lotto so lange fahren, bis 
das Geld alle ist.
Aber in der Not werden wir alle so, die Devise lautet doch nur noch, Verluste 
die durch den Kapitaldienst entstehen zu mindern durch etwas Deckungsbeitrag 
nach Gasöl, Versicherung und einen kleinen Teil der Lohnkosten.
Man sollte sich ehrlicherweise bewusst werden, dass es nie der Schiffer war, 
der für eine auskömmliche Fracht gesorgt hat.
Es kam immer von außen. Es war immer der Verlader über den Befrachter, der wenn 
er kein Schiff bekam, eben etwas zulegte bis zu den bekannten Spitzenfrachten 
im letzten Jahr.
Zugegeben, der eine Schiffer hat die Not der Verladerschaft besser und früher 
erkannt und für sich mehr raus geholt.
Aber in der Tendenz kam es immer von aussen.
So wie Kleinwasserperioden immer für ein besseres Geschäft gesorgt haben, so 
wird auch die Kapazitätsreduzierung durch Abwrackung Kleinwasser erzeugen, 
sprich Schiffsraumreduzierung.
Kleinwasser geht weg durch etwas Regen und das Geschäft ist wieder da wo es 
war. Bei einer Kapazitätsreduzierung durch Abwrackung bleibt das kleine Wasser.
Jetzt gibt es auch noch die Gutmenschen unter uns, die sorgen sich wenn bei 
reduziertem Schiffsraum noch Kleinwasser dazu kommt, dann bekommt der Verlader 
kein Schiff.
Doch doch, er bekommt für die wichtigen Transporte immer ein Schiff, auch im 
Winter wenn die Kanäle zugefroren sind, wenn durch Hochwasser alles gesperrt 
ist, ging das Leben immer weiter.
Der Verlader muss dann eben tief in die Tasche greifen.
Wenn nun die Tonne Getreide von Metz nach Köln zu den Mühlen statt für 4 Euro 
für 20 Euro gefahren würde, wäre das 1 Kg-Brot am andern Tag tatsächlich um 1,6 
Cent teurer.
Die Reservekapazität soll der zahlen, dem sie nützt, dem, der sie will. 
Kostenlos können wir dafür nicht stehen.

Kalte Sanierung.
In den nächsten Jahren werden etliche Vorschriften für den Betrieb von 
Binnenschiffen derart verschärft, dass der Weiterbetrieb einer großen Zahl von 
Schiffen nicht mehr möglich ist bzw, fast nicht mehr finanzierbar ist. 
Teilweise technisch überhaupt nicht möglich.
Es wäre sehr mutig anzunehmen, dass die betroffenen Eigentümer entschädigt 
werden, wenn es so weit ist. Bis dann wird die letzte Staatskasse leer sein. 
Gerade unter diesem Aspekt wäre es ratsam, nun eine vom Gewerbe finanzierte 
Sloopaktion zu fordern. Das System besteht noch immer bei der EU. Die 
Partikuliere müssen über die Verbände eines der EU-Mitglieder bewegen, den 
Notstand auszurufen, um dieses Instrument der Strukturbereinigung wieder in 
Kraft zu setzen.
Noch würden (müssten) die neuen Schiffe das System mit finanzieren. Wenn di 
ersten Schiffe aus der Fahrt genommen werden müssen, weil sie den neuen 
Vorschriften nicht mehr genügen, freuen sich die Eigentümer der neuen Schiffe.
Kostenlos haben sie die Konkurrenz vom Hals bekommen und fahren wieder richtig 
guten Zeiten entgegen. Die Frage ist nur, ob sie und alle anderen bis 2015 
durchhalten.


Hohe Wertigkeit der vorhandenen Flotte. Umwandlung von Frachtschiffen zu 
Motorjachten/Wohnschiffen.
Natürlich kommt bei einer Sloopaction die erste Frage, wer soll sloopen. Jeder 
wird sagen, mein Schiff ist noch zu gut dazu, meine schöne Wohnung, meine 
Heimat, mein Zuhause.
Damit nach s´Gravendeel oder Haarlem fahren. Niemals, lieber sterben.
OK. Das ist ein ernst zu nehmender Sandpunkt.
Um dieses Problem zu lösen wäre vielleicht eine Idee  aus 1990 wieder zu 
diskutieren.
Das Problem in der wirtschaftlichen Situation zur Zeit ist nicht das 
Überangebot von Schiffen sondern das Überangebot von Laderaum.
Man sollte also gemeinsam überlegen, ob es statt abwracken nicht genügt, aus 
dem Schiff den Laderaum zu verschrotten und aus dem Vor- und Achterschiff durch 
Zusammenbau eine schöne Jacht oder Wohnschiff zu machen.
Das ist eine Massnahme die überschaubar ist und auf den Werften sicher für 
weniger als 30.000 Euro zu machen wäre.
Der Schiffer könnte mit seiner Familie auf dem Schiff wohnen bleiben und dort 
einen Liegeplatz nehmen, wo er will oder wo er einer Beschäftigung nachgehen 
wird.
Eine Arbeit im Hafen, auf einer Werft, oder als Ablöser bei den Kollegen, die 
sicher froh wären, statt sprachunkundiger Osteuropäer niederländisch sprechende 
Mitarbeiter an Bord zu haben.
Hierbei müsste nur sichergestellt werden, dass solche Schiffe nie mehr 
zurückgebaut werden können. Eine Regelung, dass nur noch ein Schiffsattest für 
ein Frachtschiff oder ein Schubboot ausgestellt wird für ein vollständig neues 
Schiff, würde hier ausreichend greifen.
Durch das Zusammenbauen von Vor- und Achterschiff würde eine schöne Jacht 
entstehen, die außer für Wohnzwecke auch vorzüglich als Urlaubsschiff dienen 
könnte, hinten die Kapitänswohnung, vorne die Gästewohnung.
Wo sollen die Schiffe denn liegen. 
Genau wo sie heute liegen, nur dass sie dann viel weniger Platz brauchen. In 
den 90 Jahren ist dieser Vorschlag daran gescheitert, weil niemand einen 
Liegeplatz für diese Schiffe bereitstellen wollte. Zudem kommt heute, dass wir 
mit der Technik von Spudpalen auch Liegeplätze bekommen, ohne dass eine 
Infrastruktur von Land geschaffen werden müsste. Diese Palen müssen ja nicht 
wie bei den Neubauten mit vergoldeten Bedienknöpfen ausgestattet sein und wären 
demnach für viel weniger Geld zu bekommen, weil sie ja nicht jeden Tag rein und 
raus müssen.
Es sind aber Liegeplätze genug vorhanden, es müsste nur neu organisiert werden. 
Die Schiffe die heute ohne Ladung liegen, haben doch auch Platz. Die Schiffe 
die am Markt bleiben, fahren in der Regel ohnehin Continue und brauchen außer 
an den Lade- und Löschstellen keinen Platz.

Ein Schiffattest als Motorjacht würde verhindern, dass so ein Schiff später 
wieder zurück gebaut wird. Auch wegen der 2015 in Kraft tretenden Vorschriften 
wäre ein Missbrauch ausgeschlossen.
Natürlich gibt es hier noch viel zu diskutieren, aber es hätte auch viele 
Vorteile;

•       Es wäre erst mal Kapazität vom Markt und die Ertragslage würde sich 
stabilisieren.
•       Der Schiffer würde sein Heimat nicht verlieren.
•       Mit der Abwrackprämie könnte er sich erst mal einrichten und könnte 
sich in Ruhe, wenn er es will, eine andere Einkommensart suchen.
•       Es würde kein wertvolles Material vernichtet werden.
•       Das Gewerbe würde wieder ernst genommen. Sollte ein Verlader einen 
Partikulier ernst nehmen, der für den Stundenlohn einer Putzfrau arbeitet. Das 
Betriebskapital einer Putzfrau ist ein Plastikeimer und ein Wischlappen.

Wir müssen gemeinsam eine Lösung suchen um nicht gemeinsam unter zu gehen.

Hans-Peter Duhr  18.03.2009
modifiziert im November 2009





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