Moin,
wieder einmal Danke zuerst, dieses Mal an Jan und Tim für die ergänzenden
Erläuterungen. Insgesamt stimmen sie mich zuversichtlich, auch wenn ich mir die
lange Zeit zwischen Projektvergabe spätestens im August und Aufklärung des
Präsidiums darüber Mitte Oktober nicht so recht erklären kann. Warum an der
Stelle Anja oder Markus das Präsidium nicht einfach offensiv darüber informiert
haben, dass der Auftrag an ihre Firma vergeben wurde, weiß ich nicht. Selbst
wenn das nicht zwingend rechtlich erforderlich gewesen wären, so wäre es für
eine transparente und konstruktive Informationspolitik vernünftig gewesen.
Danke auch an Richard für die weiteren Ausführungen zur eigenen Motivation. Es
ist selbstverständlich, dass Menschen in verschiedenen Kontexten verschiedene
Rollen spielen. Umso wichtiger finde ich es aber, dass an Stellen, wo es zu
inhaltlichen oder institutionellen Überschneidungen zwischen Rollen kommt,
klare Trennungen vorgenommen werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass
sachfremde Zusammenhänge Einfluss auf Entscheidungen nehmen oder der Eindruck
entsteht, dass es dazu kommt. Der Beste Weg, so etwas zu verhindern, ist
natürlich, auf solche Überschneidungen einfach zu verzichten. Regelungen und
Prozesse festzulegen, wie man mit ihnen umgeht, wenn sie dennoch geschehen,
sind immer nur zweite Wahl. Ich habe übrigens weder gemutmaßt noch irgendein
schädliches Verhalten unterstellt, wie Richard andeutet. Meine Fragen sind
völlig ergebnisoffen gemeint und auch bewusst so formuliert worden. Wenn ich,
nur mal als Beispiel, frage, wie sichergestellt wird, dass Präsidiumsmitglieder
keine Projektvergaben beeinflussen, von denen sie selbst mittelbar als Inhaber
des Auftragnehmers profitieren, dann unterstelle ich nicht, dass sie das tun
würden oder auch nur vor hätten. Es geht mir nur um die Schaffung maximaler
Transparenz. Dass man sich als Funktionsträger in einer so prominenten
Organisation wie Wikimedia einem wesentlich tieferen Blick in die eigenen
Tätigkeiten aussetzen muss, halte ich für selbstverständlich und finde ich auch
gut so. Ich kann also nur bitten, das nicht persönlich zu nehmen. Und weil
Richard gefragt hat: gerade weil ich die Satzung gelesen habe, stelle ich meine
Fragen. Das Präsidium hat die Aufgabe, die Geschäftsführung des Vorstands zu
kontrollieren und zu beaufsichtigen, bestellt und entlässt ihn und schließt
auch die Anstellungsverträge mit ihm ab. Es gibt, soweit ich das erkennen kann,
ein ziemlich deutliches Abhängigkeitsverhältnis des Vorstands vom Präsidium.
Letzteres hat auf jeden Fall die Möglichkeit, sich im Konfliktfall mit dem
Vorstand durchzusetzen. Wenn der Vorstand, wie es ja auch Jan bestätigt hat,
die Projektvergabe verantwortet, er aber gleichzeitig vom Präsidium abhängig
ist, braucht es nicht viel Kreativität, um sich auszumalen, wie tatsächlich
gewollte Interessenskonflikte ablaufen würden. Wenn es in solchen Fällen
ausreichen würde, einfach von den guten Absichten und der fraglosen
Objektivität aller Beteiligten auszugehen, bräuchte es gar keine festen
Regelungen und Prozesse für den Umgang mit Interessenskonflikten. Diese
Herangehensweise wäre aber völlig naiv: in den Fällen, wo Interessenkonflikte
zu schädlichen Entscheidungen geführt haben (gottlob nicht bei Wikimedia),
waren eben gerade keine guten Absichten und/oder keine Objektivität gegeben.
Vielen Dank noch einmal an alle für die sachlichen Antworten zu diesem Thema.
Wenn ich mir andere Diskussionen auf dieser Liste anschaue, scheint das nicht
selbstverständlich zu sein. Insofern freue ich mich über den weitgehend
unaufgeregten Austausch hier. Liebe Grüße,Eure Jutta P.S. Fragen zu meiner
Person kann und werde ich nicht beantworten, weil mir meine Privatsphäre zu
wichtig ist und es ja auch nicht wirklich was zur Sache tut, wer ich bin, oder?
Was ich aber sagen kann, ist, dass ich in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu
Wikimedia stehe, keine Aufträge von Wikimedia haben möchte (also auch nicht
etwas ein unterlegener Konkurrent wäre oder so) und ich in der Vergangenheit
ein paar Mal zur Weihnachtszeit für Wikipedia gespendet habe. Ich bin keine
gute Autorin, weswegen ich das lieber anderen überlasse und weswegen ich das
Teahouse-Projekt auch so interessant finde.
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