Hallo Monic!

Am 03.07.2016 um 08:18 schrieb Monic Meisel:
Hallo Marc-Andre,

Im Fall des VPN geht es um die Aufklärung des rechtlichen Hintergrundes und 
Möglichkeiten selbst zu wählen, sich juristisch zu wehren oder technisch einen 
Bogen, um das Problem zu machen.

Ich kennen keinen der sich freiwillig auf ein gerichtlichen Schlagabtausch einlassen möchte. Kostet nur wertvolle Lebenszeit, deswegen nehmen die meisten die VPN Tunnel auch dankend an. Und wenn es doch jemand machen möchte, kann er auch einfach seine Gastzugang bei seiner heimischen Fritzbox aktivieren ohne WLAN Verschlüsselung, oder in seiner Freifunk Firmware die Parameter entsprechend einstellen das lokal Internet Traffic ausgeleitet wird. Bei einigen Firmware ist das leichter, vielleicht ein Option in der Weboberfläche, bei anderen muss man vielleicht per SSH via Konsole ran oder ganz seine eigene Firmware kompilieren.

Für den Förderverein ging es immer um die wohl bekannten Eigenschaften, weil 
sonst kein freiheitliches Netz möglich ist. Wer eine Konsumhaltung der Menschen 
nur bedient, den unterscheidet nichts von einem kommerziellen Anbieter (nur 
dass er_sie sich möglicherweise auch selbst ausbeutet)

Das ist wie immer Ansichtssache. Vielen gehts z.B. bei der Versorgung von Geflüchteten Unterkünften z.B. gar nicht um das Netz an sich, sondern darum Menschen zu helfen in Kontakt zu bleiben. Oder die eigene Stadt attraktiver zu machen. Das sich der Freifunk Gedanke und dessen Struktur hervorragend dafür eignet sollte außer Frage stehen. Das hat nix mit Ausbeutung zu tun. Und wenn ich z.B. meinem Bäcker dem ich zu einem Knoten überreden konnte helfe wenn er sagt, Freifunk geht nicht, ist das ganz alleine meine Entscheidung und empfinde das nicht als Ausbeutung.

Aber auch die Idee wird immer weiter beschädigt. Darum ging es uns nie, sondern 
um Ermächtigung.

Die Ermächtigung ist in meinen Augen gegeben. Aber vermutlich sehe ich diese Ermächtigung anders als du.

Auch die Idee des Wachstums über alles, war nie unser Thema ... Ich steige hier 
nicht in die weltanschauliche Diskussion ein, aber ich sage: marktgetriebenes 
Gedankengut ist hier Fehl am Platz.

Es geht aber nun mal in unserem Leben ständig um Wachstum und Masse. Und wenn man in einer Demokratie etwas erreichen will, braucht es zur Untermauerung von Forderungen ein politisches Gewicht. Wenn der Verein Freie Netzwerke sagt, wir haben 1000 Knoten und möchten das die Störerhaftung beseitigt wird, dann wird das kaum einen Jucken. Bei aktuell ca. 34000 Knoten ist das schon etwas besser.

Ich verteufele nichts, dies sind deine Dramatisierungen. Ich kritisiere, das 
einige meinen anderen die gedankliche Auseinandersetzung mit einem Missstand 
abnehmen zu wollen und geistige Bequemlichkeit für gut halten. Ich kritisiere, 
dass Menschen danach nicht die WAHL treffen können Freifunker_in zu sein und 
sich juristisch zu wehren, weil es ihnen von ersteren nicht ermöglicht wird, 
den VPN auch nicht zu nutzen oder nur ein Freifunkknoten ohne Internetausgang 
zu sein ... zwei einfache Optionen, die auch helfen zu verstehen, was der 
Unterschied zum Internet ist. Und den gibt es, denn es gelten nicht die 
kaputten Regeln von Providern ... nur, wenn wir anfangen diese kaputten Regeln 
und Strukturen nachbauen, statt zu hinterfragen.

Wenn ich kommunizieren will brauche ich Protokolle. Wenn wir uns Unterhalten wollen, müssen wir uns auf eine gemeinsame Sprache bzw. Kommunikationsparameter einigen. Und wenn viele miteinander kommunizieren wollen, dann geht es nicht wenn alle ihre gewünschten Einstellungen machen und am Ende ein dysfunktionales Netz vorliegt. Ich habe in den 90er Jahren CB-Funk Packet Radio gemacht. Auch hier gab es Protokolle die ein autonomes Netz ermöglichten (NETROM), was auch einem Mesh Netz entsprach. Leider konnten sich die Node Betreiber nicht auf abgestimmte Parameter einigen. Somit war der Traum von einem weitreichendem Kommunikationsnetz dahin.

Die Strukturen des Internets sind nicht per se schlecht. Was Dir und anderen halt nicht gefällt das Du diese nicht selbst kontrollieren kannst. Aber es wird immer Bereiche im Leben geben die du nicht kontrollieren kannst. Es ist schön ein unabhängiges Kommunikationsnetz zu haben, doch erst die Nutzer befüllen dieses Netz mit Leben. Aber das Netzleben der meisten Menschen spielt sich halt nun mal im Internet ab und Freifunk ist eine von vielen Straßen dorthin. Es ist ja nicht ausgeschlossen das es auch Freifunk interne Kommunikation gibt. Sie stellt aber in den meisten Communitys die Ausnahme da. Weil Otto Normal Mensch nun mal via Whatsapp, Facebook oder Twitter kommuniziert anstatt zum Beispiel ein im Freifunk gehosteten Jabber, Diaspora oder GNU-Social Server zu nutzen.

Wer Convinience möchte, kann diese bei kommerziellen Anbietern kaufen. Wer ein Wireless 
ISP sein möchte, gründet einfach ein eigenes sagen wir "Stadtnetz". Aber 
Freifunk liegt ein anderer Ansatz zu Grunde.

Wieso darf ein Freifunk Netz nicht bequem sein, sowohl für Nutzer als auch Knoten Betreiber? Das eine schließt doch die anderen Ziele von Freifunk nicht aus.

Es gibt einige denen das wie Dir egal ist, manche haben sich damit noch nicht 
beschäftigt, die Konsequenzen ihres Handels noch nicht erkannt oder sind nur an 
der technischen Bastelei interessiert und einigen geht es um die Anerkennung 
bzw. die instantane Aufmerksamkeit, die sie erfahren sobald sie ihr Projekt 
Freifunk nennen. Den guten Ruf quasi ... Vielleicht haben auch einige soviel 
gelernt, dass sie dem Bildungs-/ Experimentierprojekt entwachsen sind und haben 
kein Interesse selbst den Fokus auf Wissensvermittlung und Aufklärung 
ihrerseits zu legen ...

Woraus ersiehst du das mir das egal ist? Nur weil ich akzeptiere das nicht jeder Mensch der an Freifunk teilnimmt an den technischen Grundlagen interessiert ist? Millionen Menschen fahren Auto und nur die wenigsten wissen wieso sich das Auto überhaupt fortbewegt. Müssen sie auch nicht wissen, solange sie die Verkehrsregeln beachten.

Was sich damit sagen will, Freifunk war vorher ein Tummelplatz von Nerds und Idealisten. Jetzt ist aber, auch durch einfachere Firmware, Otto Normal Mensch in der Lage einfach und ohne großartiges Vorwissen einen Knoten zu betreiben. Und das in Community Netzen wo es wiederum Idealisten und Nerds gibt die Spaß dran haben so eine Infrastruktur aufzubauen und zu betreiben.

Und mir ist keine Community bekannt die einem Interessierten abweisen würde, wenn er stärker in die Materie eindringen möchte. In vielen Communitys gibts in Wikis umfangreiche Informationen zum jeweiligen Community Netz. Es ist transparent was wo und wie gemacht wird.

Ich selber habe viel durch Freifunk und dessen Technologien gelernt, die ich vorher nicht kannte oder mich nicht so stark interessiert haben. Ich persönlich würde das als Erfolg für die Wissensvermittlung durch Freifunk bezeichnen.

Aber zum Glück ist die Mehrzahl der Freifunkas, die ich getroffen habe, doch 
politisch interessiert und verstehen durchaus den Unterschied :) Im Übrigen 
muss ich auf keinen Fall taten- oder kommentarlos zusehen, wie gute Ideen 
entstellt und ausgehöhlt werden oder die Kommerzialisierung oder Ausbeutung 
dessen, was wir gemeinsam aufgebaut haben, hinnehmen.

Viele in meiner Community und ich selbst sind politisch interessiert. Und ja, das schöne ist das jeder seine Eigene Meinung haben und auch vertreten darf. Aber wie überall beruht eine funktionierende Gemeinschaft auf eingegangene Kompromisse und man muss sich irgendwo in der Mitte treffen. Deswegen finde ich diese Diskussion auch angenehm und entspannt.

--
Mit freundlichen Grüßen
Marc-Andre Alpers

Wenn Du meinst, Privatsphäre ist egal, nur weil Du nichts zu verbergen hast, kannst Du genauso behaupten, Redefreiheit ist egal, nur weil Du nichts zu Sagen hast! - Edward Snowden

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