Liebe Ultimate-Gemeinde,
 
ich halte dieses Thema für so interessant und wichtig genug, um mich auch mal dazuzuschalten und einen Vorschlag zu machen.
 
Eines vorweg: ich respektiere und schätze die Arbeit aller, die sich freiwillig und engagiert für die weitere Entwicklung unseres tollen Sports einsetzen und Beiträge dazu leisten, diesen nach vorne zu bringen und ja, ich sage auch, professioneller werden zu lassen. Gerade auf diesem Weg ist es aber essentiell, den Kern der Philosophie dieser Sportart originär zu erhalten - es ist das Einzige, was uns von den (alllen?) anderen Sportarten unterscheidet. Nicht wegen der Unterscheidung an sich, sondern weil es eigentlich die Aufgabe des Ultimate ist, die anderen Sportarten und ihre Protagonisten zu der Erkenntnis zu führen, dass auch in ihren Sportarten im Grunde kein Schiedsrichter erforderlich ist.
 
Ich gebe Klaus auch lange nicht immer recht, in diesem Fall und in der Sache aber zu 142%. Hier hat - sicherlich in guter Absicht - der ultimative Amtsschimmel zugeschlagen. Es wird (unnötigerweise) versucht, etwas zu regeln bzw. gar zu sanktionieren, was gar keiner Regelung bedarf bzw. bedürfen darf, oder noch deutlicher: nicht geregelt und schon gar nicht sanktioniert werden darf. Dies hat Klaus in seiner ganz eigenen Art kurz dargestellt.
 
Wenn man schon zusätzlich zu der ganzen Bürokratie, die wohl seitens des WFDF vorgeschrieben wird (ist das wirklich so?), deren Sinn sich mir auch nur teilweise erschließt - nämlich beim Punkt, sicherzustellen, dass Anfängern/Neulingen ein strukturiertes/standardisiertes Feedback gegeben werden soll -, noch einen draufsetzen will, dann hätte es vollkommen ausgereicht, beim Kapitel "Sanktionen" (allerdings ohne diese Kapitelüberschrift, sondern einfach als letzten Satz) zu schreiben: "Das Nichtausfüllen eines SotG-Bewertungsbogens gilt nicht als guter Spirit."
 
Martin
Team42
 
P.S.: Team42 hat in den 30 Jahren seines Bestehens übrigens nur ein einziges Mal den Spirit-Preis gewonnen (völlig zu Recht). Dies war 1990 oder 1991 beim Turnier in Hanstedt bei Hamburg, nachdem Joe zu mitternächtlicher Stunde die verstopfte Damentoilette freigekämpft hatte. Das war toller Spirit - nicht von Joe, sondern vom Ausrichter!
 
 
 
Gesendet: Mittwoch, 04. Dezember 2013 um 18:19 Uhr
Von: "Klaus Host" <[email protected]>
An: "'[email protected]'" <[email protected]>
Betreff: Re: [Wurfpost] Spirit-Scores Ultimate DM 2013

(Teil 2 meiner Antwort)

 

„Dadurch wird es möglich, dass in diesem Sport keine externen Schiedsrichter vorgesehen sind. Ultimate beruht auf der Integrität der Spieler/innen“ (Leitfaden)

 

Warum, bei allen guten Geistern, belässt man es nicht bei diesem Verständnis? Stattdessen soll  jetzt ausgerechnet der SotG selbst von Externen beurteilt werden, den Gegenspielern. Dies zeigt doch wieder nur das komplette Unverständnis des eigenen Verständnisses.

 

Kann mein Gegenspieler meine Aufrichtigkeit beurteilen, ob ich betrüge oder mich anstrenge? Die Weisheit, die in der Idee des SotG ausgedrückt wird, ist doch, dass andere das versuchen können, aber nur ich selbst das letztendlich kann. Es gibt dazu keine bessere Instanz als mich selbst.

 

Die in den Regeln erwähnten Kriterien für Verhalten sind Indizien für den SotG. Indizien sind weder hinreichend noch notwendig. Trotz unerwünschten Verhaltens kann SotG vorhanden sein, ebenso trotz Ausbleiben von gewünschtem. Einem am Tourette-Syndrom Erkrankten muss man nicht den SotG absprechen (Kopropraxie wird gelegentlich auch bei Ultimate-Spielern beobachtet und diagnostiziert). Wie sich gegenseitiger Respekt zeigt, wird in der japanischen Kultur anders sein als in manch afrikanischer.

 

Trotz des Offensichtlichen und des eigenen (!) Verständnisses, werden - durch eine neue Regel - alle Spieler zu Punktrichtern zwangsverpflichtet. Genial.  Jeder hätte dann schon mal andere bewertet, alle wären mitschuldig geworden.

 

Der Coup wird vollendet: Mit der angeblichen Bedeutung, die selbst die Spiel-Regeln genaugenommen schon nicht haben, arbeitet die Verschwörung weiter und behauptet auch die Missachtung von weiteren Regeln würde gegen den SotG verstoßen. Und das wäre ja nun wirklich das Letzte und es muss doch möglich sein, dies zu unterbinden. Was in den Spielregeln noch ausgeschlossen war, wird über die Hintertür eingeführt: Sanktionen und Ausschluss.

 

Die Idee des „Spirits of the Game“ ist ad absurdum geführt. Gratuliere!

 

Der SotG ist im Siechtum, er wird bald sterben, lasst uns seine Beerdigung vorbereiten. Von Beileidsbekundungen an der Gruft bitten wir Abstand zu nehmen.

 

-

 

In aller Höflichkeit möchte ich Dir, Robert, noch zwei Fragen beantworten, die Du in deinem Statement zur Bewerbung als Vorsitzender des Spirit-und-Regel-Komitees gestellt hast. Die Antworten geben nur meine eigenen, fehlbaren Überzeugungen wieder, sie sind sicherlich nicht konsensfähig.

 

„Woran liegt es, dass obwohl Spirit der wichtigste Aspekt unseres Sportes ist, er manchmal stiefmütterlich behandelt wird, z.B. bei Ausfüllen von Spiritbögen?“ (Statement)

 

Dass der SotG manchmal stiefmütterlich behandelt wird, dem stimme ich zu. Das Nichtausfüllen von Spiritbögen würde ich aber eher als ein Indiz für seine Anwesenheit auffassen.

 

Im Leitfaden für die SotG-Bewertungsbögen ist viel von Rechten und Pflichten die Rede. Das einzige, was ich dem Ganzen entnehmen kann, hier fällt beides zusammen: Recht und Pflicht zum Widerstand.

 

„Ist es im Sinne des Spirit, dass jemand über den Spirit wacht?“ (Statement)

 

Ja! (Vorsicht, Metapher:) Der Spirit ist wie eine zarte Pflanze, die beschützt werden muss. Sie geht ein, oder könnte das zumindest, wenn Organisationen, Verbände und Komitees mit willkürlichen Forderungen auf ihr rumtrampeln oder andere Interessengruppen anfangen, ihr Gift zu versprühen, das Geld.

 

Jeder sollte über seinen Spirit wachen, jede Mannschaft über ihren.

 

-

 

Erlaube nun auch mir, abschließend selbst noch einige weitere Fragen zu stellen.

 

Zu was sollte sich ein Verband verpflichten, der eine außergewöhnliche Sportart wie Ultimate vertritt, zu was seine Funktionäre? Gibt es einen „Spirit of the Federation“?

Sollte es verbindliche Regeln für Regeln und deren Erfinder geben?

Sollte ein Wächter über die Wächter der Regeln wachen, ein Geist?

 

TL;DR

 

Nachdem den Regeln unangemessene Geltung verschafft wird, der SotG zunächst zu einer Regel banalisiert wird, anschließend zu einer Zahl marginalisiert, neue Regeln erfunden werden, die nichts mit dem Ultimate-Spiel zu tun haben, diesbezüglich Rechte und Pflichten definiert werden, wird dann auch noch die ultimative Sanktion verhängt: Wer sich nicht zwangsverpflichten lässt, über andere Mannschaften öffentlich sein Urteil zu fällen, wird ausgeschlossen.

 

Zeit zum Widerstand.

 

Don´t Panic,

Klaus Host

 

Leitfaden; Link zum „Leitfaden zum Umgang mit der SOTG-Bewertung“:

http://www.frisbeesportverband.de/images/dfv/dfv_verband/dokumente/DFV-Leitfaden_SOTG-Bewertung_20130727.pdf

 

Statement; Link zum „Protokoll der Jahresversammlung der Ultimate-Abteilung 2013“, incl. „Statement Robert Jablko zur Bewerbung als Vorsitzender des Spirit-und-Regel-Komitees“

http://www.frisbeesportverband.de/images/dfv/dfv_verband/dokumente/Protokoll_DFV-UA-Sitzung_13-09-2013.pdf

 

 

PS. Falls der „Spirit of the Game“ noch länger lebt, dann könnte die neue Gruft eventuell anderweitig genutzt werden. Platz für bestimmte Regeln, Pflichten und SotG-Bewertungsbögen scheint ausreichend vorhanden.

 

 

 

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