Hi,

-------- Original-Nachricht --------
> Von: Raphael Bircher <[email protected]>

> 
> Im ersten Jahr möchte ich persönlich 20'000 CHF umsetzen
> 2. Jahr 50'000 CHF
> 3. Jahr um die 100'000 CHF
> 
> Das mag auf den ersten Blick sehr ehrgeizig klingen. Aber mal Hand auf's 
> Herz. Ein grösserer Dorfsportverein wälzt auch schon um die 100'000 um, 
> also warum sollen wir das nicht schaffen?

*Das* ist nach wie vor nicht das Problem. Wenn du es geschickt anstellst, 
kannst du diese Einnahmen durchaus erzielen. 
Ich finde es nur nach wie vor *extrem* blauäugig, anzunehmen, man könne mit 
100.000 CHF im Jahr auch nur annähernd in die Region von Codebeiträgen kommen, 
die im Moment Sun, Novell, RedFlag, IBM oder auch nur RedHat leisten. Davon 
kannst Du evtl. einen Entwickler Vollzeit beschäftigen .. viel mehr ist nicht 
drin.

Natürlich .. du kannst mit diesem dem Geld auch mehrere Studenten gewinnen, 
Beiträge zu leisten. Aber irgendwer muss deren Aktivitäten auch koordinieren, 
die Leute heranholen, Aufgaben verteilen, Arbeitsergebnisse prüfen ... das ist 
auch alles Aufwand. Und je nach Größe des Entwicklerpools kann sich das leicht 
zum Fulltime-Job ausweiten. (Thomas kann da sicher ein paar Anhaltspunkte 
geben, was es schon für Zeit und Aufwand kostet, einen Verein zu managen, 
bewusst diesen Entwicklerpool nicht verwaltet).

Ok .. im Endeffekt kann mir es egal sein - ich glaube nur, dass du die 
selbstgesteckten Ziele (signifikante Codebeiträge zu OOo) nie erreichen wirst. 
Ich befürchte eher, dass ein solcher "Entwicklerpool", der über Spendengelder 
finanziert wird, im Endeffekt aber die Entwickler nicht voll finanziert sondern 
"nur" verstärkte Anreize schafft letztendlich missbraucht wird. Missbraucht von 
"interessierten Anwendern", die über diesen "billigen" Entwicklerpool ihre 
Features und Bugfixes gelöst bekommen. 
Das klingt zwar zunächst mal gut (ist halt toll für das Projekt), ist aber aus 
meiner Sicht extrem gefährlich für das "Businesmodell" rund um freie Software. 
Da bei freier Software keine Einnahmen über Lizenzverkäufe erziehlt werden, 
finanzieren sich die beteiligten Firmen über Dienstleistungen. Bugfixes und 
Featureimplementierung *sind* solche Dienstleistungen. Wenn wir nun einen 
preiswerten (oder gar für den "Kunden" kostenlosen) Weg schaffen diese 
Diensteistungen zu bekommen zerstören wir genau diesen Markt. Und deshalb sehe 
ich es eben nicht in der Verantwortung eines Vereins sondern in der 
Verantwortung von Firmen, "Enwicklerpools" zu betreuen und aus diesen auch 
Ressourcen für das Projekt bereitzustellen.

Ich bin überzeugt von der Idee freier Software - und auch überzeugt davon, dass 
es Businessmodelle rund um freie Software gibt. Sobald mir aber auch nur ein 
Kollege nachweist, dass er seinen Job verloren hat, weil sein Kunde auch noch 
Dienstleistungen zu freier Software "für lau" erhält, würde sich das 
grundlegend ändern.

André




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