Hallo Andreas und andere,

Am Thu, 08 Oct 2009 21:25:46 +0200 schrieb Andreas Mantke <[email protected]>:

nach meiner Einschätzung ist es in der letzten Zeit recht still im de-Projekt geworden, wenn es um das Erstellen oder Pflegen von Dokumentationen / Howtos zu OOo und seinen Programmmodulen geht. Dies gilt nach meiner Kenntnis auch für die Arbeit in der de-Sektion von OOoAuthors.

Deine Einschätzung entspricht absolut der Wirklichkeit. Ich muss mich da vor allem an die eigene Nase fassen, zumindest kenne ich aber die Gründe dafür: viel Arbeit im letzten Jahr, tiefgreifende und auch sehr traurige Ereignisse in meiner Familie in diesem Jahr. Warum viele andere, die vor drei Jahren noch freudig bei authors mitgearbeitet haben, abgesprungen sind, weiß ich nicht, ich könnte da nur spekulieren, aber das möchte ich nicht. Tatsache ist - und das erfahre ich bei mir selbst auch - dass Übersetzen bzw. Überarbeiten von Dokumentationen alles andere als "sexy" ist. Es ist zähe Arbeit, deren Erfolg man nicht leiblich erfährt, sprich, es gibt kaum Rückmeldungen darüber, wie (und ob überhaupt) Leute von dieser Arbeit profitiert haben. Nicht, dass ich bezweifle, dass das so ist, nur man erfährt es eben nicht. Ich hatte persönlich das "Glück", auf der Cebit mit (älteren) Leuten darüber sprechen zu können und auch die beiden fertigen Handbücher Draw und Writer (für Version 2) zeigen zu können, aber auch dort hielt sich das Interesse sehr in Grenzen.

Meine Einschätzung des Ganzen ist eigentlich recht finster:
Abgesehen von einigen älteren Leuten, die wie ich noch in einer Zeit aufgewachsen sind, in der es normal war, dass schriftliche Erläuterungen sich über *mehr* als einen Absatz (ja sogar über mehr als eine Seite!) hinzogen, lesen Computer*benutzer* heute keine Handbücher mehr. Zu lang, zu ausführlich, zu öde. Dass Wikis sich großer Beliebtheit erfreuen, findet ja auch darin seine Erklärung, dass Problemlösungen dort zeitgemäß, "trendy" angeboten werden, nämlich häppchenweise. Ich möchte ausdrücklich sagen, dass es nichts zur Sache tut, ob ich das gut oder schlecht finde - es hat ja oft auch enorme Vorteile, dass diese Informationen so konzentriert verfügbar sind - es geht einfach nur darum, dass sich diese Einstellung drastisch auf den Sinn und Zweck von Handbüchern auswirkt.

Von Software wird heute mehr denn je erwartet, dass sie intuitiv bedienbar ist. Wenn komplexe Programme das nicht sind (nicht sein können!), zeigen immer mehr User die Tendenz, die Software runterzuputzen, anstatt bei sich selbst und ihrer Einstellung zu Rate zu gehen. Früher sagte man einmal "Lesen bildet", ich glaube immer noch, dass das so ist, aber die breite Mehrheit erreicht diese Weisheit offensichtlich nicht mehr.

Um auf authors zurückzukommen. Ursprünglich bin ich dort eingestiegen, um mein Wissen insofern einzubringen, als ich englische Dokumentationen übersetzen kann und vor allem mir zutraue, die Endredaktion der deutschen Versionen zu übernehmen. Das habe ich mit viel Elan gemacht, wie viele von euch wissen, und es war toll, dabei so viele fleißige Mitarbeiter zu haben. Zuerst ungewollt bin ich dadurch in die Rolle eines Koordinators gerutscht, an den man sich hinsichtlich aller Fragen zur Dokumentationen wenden konnte. Später wurde ich als Ansprechpartner Dokumentation vorgeschlagen und habe diese "Funktion" auch gerne angenommen. Dass ausgerechnet danach der "Niedergang" einsetzte, mit dem wir es jetzt leider zu tun haben, rechne ich mir eigentlich nicht persönlich an, aber man stellt sich natürlich schon Fragen. Bin ich eigentlich im Kopf noch frisch genug dafür? Muss da nicht mal "junges Blut" rein? Wäre ein Wiki nicht die bessere Lösung (wie Nino meint)? Und so weiter.
Zu einer Lösung bin ich da noch nicht gekommen.

Eigentlich wollte ich, wenn ich wieder ein wenig obenauf gekommen bin (siehe ganz oben), endlich damit anfangen, wenigstens die Änderungen der Version 3 in das Writer-Handbuch einzuarbeiten. Vielleicht findet sich ja doch der eine oder andere Mitstreiter für diese etwas "weniger anspruchsvolle" Aufgabe. Die Hoffnung, dass wir in diesem Jahr noch das Calc-Handbuch fertigstellen könnten, habe ich inzwischen aufgegeben.

...

Nach dieser sehr persönlichen Geschichte will ich meine Meinung zu einigen Punkten deiner Mail geben.

Hier stellen sich nun für mich einige Fragen:
- Haben wir bereits ausreichend Dokumentationen zur Verfügung?

Nein

- Ist eventuell bereits die Online-Hilfe für die meisten Benutzer ausreichend?

Ja, ich denke schon.

Dieser scheinbare Widerspruch löst sich für mich durch folgenden Erklärungsversuch: Wie bereits oben angerissen, bin ich überzeugt, dass sehr viele OOo-Benutzer für die wenigen Funktionen, die sie nutzen, ausreichen Informationen haben. Die finden sie im Wiki und in Foren, wo ja auch außerordentlich hilfsbereite Leute unterwegs sind. Die wenigen Benutzer, die Programmmodule intensiver nutzen und dabei wirklich in die Tiefe gehen möchten, finden im Wiki möglicherweise nicht immer die Antworten, die sie benötigen (leider auch in den Handbüchern nicht, übrigens, da müsste noch viel intensiver erklärt werden, wie ich finde).

- Gibt es genügend Suchmöglichkeiten in Online-Resourcen (Mailinglisten /
Foren etc.), so dass kein Bedarf für weitere Docs besteht?

Siehe eben

- Gibt es bereits gute Bücher auf dem Markt, die das Erstellen von freien
Dokumentationen überflüssig machen?
(Ich formuliere bewusst überspitzt, da ich mir wünsche, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen.)

Es gibt gute Bücher, aber genau wie unsere Dokus kranken sie daran, dass die Updatezyklen für OOo recht kurz sind. Das hat Stefan ja auch schon geschrieben. Zu einer offenen und preiswerten Software gehört auch eine offene und preiswerte Dokumentation, finde ich. Das können Bücher nicht ersetzen, höchstens ergänzen.

Falls nicht, wie wollen wir dann erreichen, dass wir eines der bisherigen
Hauptziele des de-Projektes (das Erstellen von Benutzer-Dokumentation) in die Tat umsetzen. Das wird m.E. nicht ohne weitere aktive Mitarbeiter gehen (wie für andere Aufgaben auch).

Letzteres ist "Eulen nach Athen tragen" ;)

Wenn bzw. bevor wir neue Mitstreiter gewinnen, sollten wir uns darüber klar werden, wo Dokumentation künftig erstellt werden soll: Issue, Wiki, OOoAuthors, Doc & Files? Ich würde für das Erstellen auf OOoAuthors plädieren, da dort ein Workflow zur Verfügung steht. Allerdings müssten wir darüber
brüten, ob wir die Dokumente von dort unter PDL im CVS einchecken könnten
(sofern es keine Übersetzungen sind).

Ich wäre weiterhin für Authors, weil ich nicht mehr bereit bin, mich in neue Workflows einzuarbeiten. Ganz davon abgesehen, dass mit der neuen Struktur der authors-Website auch der Workflow verändert wurde. Da muss ich mich sogar noch einarbeiten. Das klingt hart und unflexibel, aber so geht es mir nun einmal. Warum sollte ich da falsche Hoffnungen wecken?

Das sind jetzt ja mindestens 5 Cent geworden, aber das musste mir mal vom Herzen.

Herzliche Grüße
Wolfgang

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