Jörg Schmidt wrote:

> *es gab in der Vergangenheit +-1 Abstimmungen wo gleich strittig war ob
> das Thema überhaupt hätte abgestimmt werden dürfen
> *es gab Abstimmungen die von Einzelnen im Nachhinein in Frage gestellt
> wurden
> 
> Und diese Dinge führen zu Streit, überhaupt nicht große Dinge wie
> CoLead-Wahlen.
> 
> Es führt ganz einfach zum Streit das niemand bereit ist sich an was zu
> halten und das müßte doch möglich sein.
> 
> Ich persönlich hielte es in einer Gemeinschaft für selbstverständlich
> das jeder sich an Ergebnisse gemeinsamer Meinungsbildung hält, aber was
> ist denn häufig:
> es gibt eine Diskussion, wo sich alle einig sind - Tenor: das Thema ist
> unstrittig, also brauchen wir garkeine (+-1) Abstimmung. 4 Wochen später
> kommt ein einzelner und stellt den Konsenz in Frage (Motto: 'ja wir
> waren uns zwar einig aber das war gaanz anders gemeint') und Argument
> ist dann das es ja garkeine Abstimmung gab ... und schon geht der Streit
> los.
> Oder es gibt eine Abstimmung und später wird diese einfach als nicht
> mehr gültig betrachtet - ich bin der Meinung wurde etwas abgestimmt ist
> das gültig bis anders entschieden wird.
> 
> Und für diese Dinge brauchen wir Verbindlichkeit. Schön wäre hier
> vollkommene freiwillige Einsicht, aber ich habe zu oft Gegenteiliges
> erlebt.
> Und deshalb geht es nicht darum hierfür große Verfahren zu erfinden,
> sondern an die Beteiligten zu appellieren, da sich das aber nicht als
> wirkungsvoll erweist, muß IMHO irgendeine Regel her die besagt das wenn
> eine +-1 Abstimmung gemacht wird oder ein klarer Konsenz erzielt wird,
> das das gilt und nicht von Einzelnen revidiert werden kann.
> 

Ich möchte mal etwas aus der Sicht eines Juristen beitragen, also eines
Menschen, der täglich mit Regeln, aberauch der Frage ihrer
Verbindlichkeit zu tun hat.

Bei einem Verein ist das ziemlich einfach (der Teufel steckt natürlich
im Detail ,-)): Der Verein hat eine Satzung und vielleicht auch eine
Geschäftsordnung und eine Wahlordnung. Dort ist geregelt, wer Mitglied
ist, welche Organe und Ämter es gibt, welche Regeln bei Abstimmungen und
Wahlen einzuhalten sind und vorallem auch wie diese Regeln geändert
werden können (was manchmal recht schwierig ist ;-)).

Es ist grundsätzlich richtig, dass Regeln, die Verbindlichkeit
beanspruchen, einzuhalten sind. Ad hoc neue Regeln zu fordern oder nach
ihnen zu verfahren, ist immer streitträchtig und daher zu vermeiden.

Wenn eine Regel ihren Sinn verloren hat, dann ist sie abzuändern, aber
unter Einhaltung des dafür vorgesehenen Verfahrens (was manchmal recht
schwierig ist ;-)).

So weit so gut - dies gilt für eine Gemeinschaft von Menschen, die eine
Verfassung hat, wie sie beispielweise ein eingetragener Verein in
schriftlicher Form (Satzung) haben muss.

Unsere Community ist jedoch kein Verein und will auch kein Verein sein
(wofür es durchaus gute Gründe gibt).

Natürlich kann es Gemeinschaften geben, die eine Verfassung haben, die
nicht schriftlich fixiert ist. Die Rechtsgeschichte lehrt jedoch, dass
es dann schwierig werden und viel Streit geben kann.

Andererseits verstehe ich auch Leute, die sagen, dass sie keine
Community mit einem umfänglichen Regelwerk haben wollen, sondern ein
großes Maß an Unverbindlichkeit in der Zusammenarbeit und im Umgang
miteinander schätzen.

Die Community ist eine Gemeinschaft von Freiwilligen, die gerade ein
hohes Maß an Freiheit schätzen (schließlich geht es um Freie Software).

Also kommt man auf die Dauer, wenn man dauernde Reibereien vermeiden
will IMO nicht darum rum, einmal grundsätzlich zu entscheiden, wieviel
Freiheit und wieviel Verfasstheit die Community in ihrer Gesamtheit will.

Das Ergebnis kann dann sein, dass man einige grundlegende Regeln
schriftlich fixiert und veröffentlicht, so dass alle - gerade auch die
neu Hinzukommenden, sehen können, "was Sache" ist. Oder man sagt, dass
man das gerade nicht will, aber dann gibt es auch keine Verbindlichkeit
"über den Tag hinaus" und man muss mit einem gewissen Maß an Konflikten
leben,

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