Hallo Stefan,

Stefan Weigel schrieb:
> > *der Urheber bei OSS ist für Dich (praktisch)
> identifizierbar weil er in
> > der Lizenz steht oder anders gesagt: steht er nicht in der
> Lizenz sollte
> > das Dein Mißtrauen erregen weil er dann die Lizenz nicht sorgfältig
> > ausgestellt hat
> Da habe ich ernste Zweifel.
> Ein krasser Fall ist das OOo-Logo, wie
> man in unserem Thread sieht.

Nein, für das OpenOffice-Logo ist kein Urheber angegeben, somit müßtest
Du theoretisch (leider) dessen Lizenz mißtrauen. Das ist durchaus
mißlich, und es ist auch mißlich das ich diese Aussage hier treffe - nur
steht doch das in Übereinstimmung mit meiner oben zitierten Aussage.
Natürlich hoffe ich das sich dieser Zustand bessert und natürlich ist
oben stehende Aussage eine _rein rechts-formale_.

> Misstrauen müsste ich, nachdem was Du
> sagst, auch generell gegenüber der OOo-Lizenz haben.
> Produkt beiliegenden Lizenz geht eben nicht eindeutig hervor, wer
> die Urheber sind, sondern: "This product has been created with
> contributions from the OpenOffice.org community."

IMHO: klares Nein.

Hättest Du meine vorletzte Mail sorgfältig gelesen hättest Du nicht
überlesen das ich sagte:

"weifelsfrei der/die Urheber ggf. derjenige der vom Urheber über
entsprechende Rechte verfügt"

und Genau das Letztere ist hier der Fall.

Die oben von Dir genannte Aussage bezieht doch nur die Folgen des JCA
mit ein, das jeder der Bestandteile erstellt hat, die im offiziellen
Paket sind, unterschrieben hat.
Und wer das JCA unterschrieben hat, hat u.A. unterschrieben das er alle
Rechte an Sun abtritt, worauf Sun sich 'verpflichtet' seine Anteile (so
gewünscht oder nötig) ins Paket zu nehmen und unter freie Lizenz zu
stellen.
Der Gang der Geschehnisse ist doch:
*jemand unterschreibt das JCA
*er liefert Beiträge die unter OSS-Lizenz stehen (nicht mal das müssten
sie theoretisch zu diesem Zeitpunkt)
*er bleibt Urheber dieser Beiträge, räumt jedoch Sun ein weitestgehendes
Copyright ein
*'Sun'/ooo.org nimmt diese Beiträge bei Bedarf und integriert sie und
stellt sie unter LGPL

Letzterer Vorgang ist eine erneute Lizensierung, die 'Sun' vornimmt,
also eine 'Zweitlizensierung', weshalb ich obenstehend davon sprach das
der Autor die Beiträge garnicht zunächst unter OSS-Lizenz liefern müßte
(nicht müßte aus rein rechtlicher Sicht).

Also, die Beteiligten haben etwas geschaffen und treten die Rechte daran
an Sun ab, allerdings mit der 'Bedingung' das Sun diese Anteile zu OSS
erklärt.
Sun ist (in oben stehenbden Text) so freundlich auf diese Tatsache
hinzuweisen, also darauf das OOo nicht nur von eigenen Programmieren
stammt, sondern das Ergebnis der Community ist

Der Beitrag den ein Autor liefert liegt (formal) also zweimal vor,
einmal so wie er ihn geliefert hat (z.B. als Dateianhang an einem issue)
und zum Zweiten als kleiner Bestandteil des OOo-Pakets, beide Teile sind
(formal-rechtlich) getrennt lizensiert.
Die Tatsache das der Autor schon den ersten Teil als LGPL liefert darfst
Du so verstehen das das eine Übereinkunft ist, rechtlich nötig ist es
nicht da ja eben der Autor mit dem JCA erklärt er überträgt Sun ohnehin
die Rechte.
Und warum dann LGPL? Nun, um beispielsweise sicher zu stellen das die
Beiträge zu jeder Zeit durch jeden zu benutzen sind als wäre die
Integration ins Paket schon erfolgt, denn die Verpflichtung von Sun
bezieht sich formal ja nur auf das Paket und da Sun sich nicht
verpflichtet jeden Beitrag auch ins Paket aufzunehmen, gingen Beiträge
ggf. verloren. Wenn jedoch die Erstlizensierung schon unter LGPL steht
wird das verhindert.

> In der Praxis sehe ich schon einen großen Unterschied zwischen OSS
> und proprietären Produkten.

Inwiefern - insofern das bei properitärer Software der Quellcode nicht
einsehbar ist und mithin schwer zu beweisen wäre wenn jemand Code klaut
und diesen im Nachhinein als seinen ausgibt?
Oder insofern das Du glaubst Untenehmen verfügten über eine größere
'Grundehrlichkeit' oder 'Grundsorgfalt' im Umgang mit solchen Fragen?
Betrachten kann man nur immer den konkreten Einzelfall und ich bin nicht
der Meinung das es einen prinzipiellen Grund gibt das eine
beispielsweise Lizenzzusage von mir unsicherer ist wenn sie in Form
einer OSS-Lizenz, statt in Form einer properitären Freeware-Lizenz
erfolgt, noch der Meinung es machte einen prinzipiellen Unterschied in
der Verlässlichkeit ob die Person Jörg Schmidt oder die 'Jörg Schmidt
AG' Dir entsprechende Zusagen macht.
Du kannst auch nicht davon ausgehen das die Zusage z.B. eines gut
verdienenden Freiberuflers (in Fragen der praktischen finanziellen
Haftungs_fähigkeit_) prinzipiell schlechter wäre, als diejenige einer
500-Mann GmbH, die am Rande der 'schwarzen Gewinn-Null' dahindümpelt.

> Wenn einer das Logo von OpenOffice.org weiterverarbeiten
> will, ist es doch deutlich komplexer und undurchsichtiger.

Und das hat nichts mit OSS zu tun (zumal das Logo aus verständlichen
Gründen solche garnicht sein soll), sondern einzig mit der Tatsache das
die handelden Personen im Konkreten das Logo nicht sauber lizensiert
haben.
In einem allgemeinen Sinne hast Du natürlich Recht, die Verhältnisse
sind nämlich auch unvermeidbar komplexer aufgrund der Organisationsform,
da hier im Projekt eine Vielzahl von natürliche Personen wirken und eben
keine einzelne juristische Person wie im Falle MS. Und ganz klar hast Du
bei einer BGB-Gesellschaft (nun ja das ist für ooo.org eine sehr weite
Aussage soll aber nur die Richtung andeuten) immer mehr Komplexität als
bei einer per Gesetz weitestgehend starr geregelten Organisationsform
wie beispielsweise einer GmbH oder AG. Letzteres ist so, aber ist keine
aus der Tatsache 'OSS-Projekt' resultierende Sache.

Ich bin natürlich der Meinung es muß eine Lösung für das Logo her und
ich bin auch der Meinung die sollte in etwa liegen wie angedacht, nur
ich bin ebend nicht der Meinung das man rechtlich nicht sauber geklärte
Sachverhalte dadurch beseitigt, das man *so lange (drumrum) redet bis
ein Großteil der Leser verwirrt sind mit der Folge das wegen
geringfügiger Unstimmigkeiten bei einen Detail (Logo) sich die Vermutung
festsetzt das OSS ansich etwas Unsicheres sei.*
Genau Letzteres finde ich negativ, weil es mehr schadet als nutzt -
hingegen bin ich natürlich wie jeder an der Schaffung klarer
Verhältnisse betreffs Logo interessiert, nur ebend ist dafür der
derzeitig gewählte Weg IMHO nicht unbedingt der Geeigneste. (Es sei denn
es ließe sich in Urheber für das 1er Logo feststellen, was aber nicht
dadurch geschehen kann das manche einfachheitshalber glauben möchten,
statt zu wissen, wer dieser Urheber ist.)



Gruß
Jörg

---------------------------------------------------------------------
To unsubscribe, e-mail: [EMAIL PROTECTED]
For additional commands, e-mail: [EMAIL PROTECTED]

Antwort per Email an